Kanzlerkandidatur SPD plant Blitzwahlkampf gegen Schwarz-Gelb

Jetzt steht der Zeitplan, erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013 will die SPD ihren Kanzlerkandidaten bestimmen. Die Parteispitze hofft, dass ein rot-grüner Wahlsieg in Hannover dem Merkel-Herausforderer Auftrieb gibt. Doch die Strategie steckt voller Risiken.

SPD-Troika: Steinbrück, Gabriel, Steinmeier: Entscheidung nach der Niedersachsen-Wahl
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SPD-Troika: Steinbrück, Gabriel, Steinmeier: Entscheidung nach der Niedersachsen-Wahl

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Berlin - Es gab Zeiten, da nannte Sigmar Gabriel die Kanzlerin einen "Verfassungsrowdy". Gebracht hat das nichts, Angela Merkel schwebt unangefochten an der Spitze der Beliebtheitsrankings. Deswegen sind die verunsicherten Sozialdemokraten nun zu dem Schluss gekommen, Merkel künftig ein bisschen intelligenter zu begegnen.

Man werde keinen Wahlkampf gegen die Kanzlerin persönlich führen, lautet das zentrale Signal der SPD-Klausurtagung in Potsdam. Stattdessen wolle man Merkel inhaltlich stellen. Im Dialog mit den Bürgern sollen Eckpunkte für das Regierungsprogramm erarbeitet werden, den Finanzmärkten wird der Kampf angesagt, die gesellschaftliche Spaltung im Land zum Hauptgegner erklärt. Soziale Wärme und solide Finanzpolitik - das sollen die Rezepte gegen Schwarz-Gelb sein.

Die vielleicht heikelste Frage auf der Strecke bis zur Bundestagswahl 2013 wurde auf der Klausur ausgespart: die Kanzlerkandidatur. Aber: Auf den Zeitplan haben sich die Genossen inzwischen intern geeinigt.

Erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar 2013 wollen die Sozialdemokraten ihren Kanzlerkandidaten küren. So ist es in der Parteispitze besprochen, so haben es Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück, die drei möglichen Herausforderer von Angela Merkel, verabredet. Das ist später, als viele dachten, denn bislang schien auch eine Kür vor Jahresfrist denkbar.

Aufwind aus Hannover und ein zugespitzter Wahlkampf

Die Bundestagswahl ist im September 2013. In der Parteiführung ist man inzwischen überzeugt, dass eine Ernennung des eigenen Kandidaten vor der Niedersachsen-Wahl im Januar ein viel zu großes Risiko wäre. Die Erfahrung zeige, dass die Aufmerksamkeit für Kandidaten umso größer sei, je kürzer der Wahlkampf gehalten werde, heißt es. Zudem, so ist in der Partei zu hören, gelte es zu vermeiden, dass ein mittelmäßiges bis schlechtes Abschneiden in Hannover auf die Nummer eins abfärbe. Sollte die Niedersachsen-SPD dagegen gut abschneiden und gemeinsam mit den Grünen den Machtwechsel schaffen, werde der Kanzlerkandidat auch dann noch davon profitieren, wenn er erst anschließend ernannt werde.

Möglichst viel Aufwind aus Hannover, ein kurzer zugespitzter Wahlkampf - das ist das, was den SPD-Strategen vorschwebt. Ein bisschen so eben, wie im März 1998, als Gerhard Schröder am Abend der Landtagswahl zum Kanzlerkandidaten ausgerufen wurde und ein paar Monate später die schwarz-gelbe Regierung von Helmut Kohl erledigte.

Doch die Strategie der späten Kandidatenkür steckt voller Risiken. Noch zeigt sich die Troika erstaunlich geschlossen. Nur ist ein Jahr eine lange Zeit. Niemand weiß, ob Gabriel, Steinmeier und Steinbrück es bis Januar 2013 schaffen, weiter an einem Strang zu ziehen, obwohl unklar ist, wer am Ende den Hut aufhaben wird. Die Geschichte sozialdemokratischer Dreigestirne zeigt eine gewisse Vorliebe für Machtkämpfe, und wenn sich drei mögliche Kandidaten über zwölf Monate in Position zu bringen versuchen, ist die Gefahr groß, dass aus dem Belauern offene Gegnerschaft wird.

Rot-Grün an der Leine würde Gabriel zum Favoriten machen

Zudem droht die zeitliche Nähe zur Niedersachsen-Wahl den Fokus allzu sehr auf den dortigen Urnengang zu legen. Das kann für die Sozialdemokraten gutgehen, muss es aber nicht. Die Union könnte versucht sein, die Landtagswahl zur indirekten Abstimmung über den Verbleib Angela Merkels im Kanzleramt zu erklären. Sollte Ministerpräsident David McAllister am Ende als Sieger vom Platz gehen, dürfte das als herber Rückschlag für die rot-grünen Ambitionen im Bund wahrgenommen werden.

Hinzu kommt noch ein ganz anderer Punkt: Der Ausgang der Landtagswahl hätte womöglich auch Auswirkungen auf die Frage, wer letztlich als Kandidat für die SPD antritt. Ein rot-grüner Sieg in Niedersachsen, so glauben Beobachter, würde Sigmar Gabriel zum Favoriten machen, der zu dieser Konstellation auch im Bund besser passen würde als Steinbrück.

Umgekehrt gilt: Eine Große Koalition in Hannover würde die Chancen von Steinbrück oder Steinmeier erhöhen. Verliert die SPD allerdings ganz an der Leine, würde die Partei mit einem Phänomen zu kämpfen haben, an das bislang noch keiner so richtig glauben will - die Kanzlerkandidatur wäre dann plötzlich extrem unattraktiv.

Für jeden der drei.

insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
eiderstedt 30.01.2012
1. Hypothesen
Zitat von sysopJetzt steht der Zeitplan, erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013 will die SPD ihren Kanzlerkandidaten bestimmen. Die Parteispitze hofft, dass*ein rot-grüner Wahlsieg in Hannover*dem Merkel-Herausforderer Auftrieb gibt. Doch die Strategie steckt voller Risiken. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812166,00.html
nichts von Interesse in der Medienlandschaft heute ? da muss dann über ungelegte Eier geschreieen werden, damit die Seiten voll werden.
JohnBlank, 30.01.2012
2. Mit Euro-Bonds verliert man Wahlen
Zitat von sysopJetzt steht der Zeitplan, erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013 will die SPD ihren Kanzlerkandidaten bestimmen. Die Parteispitze hofft, dass*ein rot-grüner Wahlsieg in Hannover*dem Merkel-Herausforderer Auftrieb gibt. Doch die Strategie steckt voller Risiken. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812166,00.html
Wer meint, bei all dem Eurochaos auch noch Euro-Bonds zum schlechtesten Zeitpunkt einführen zu müssen, der verliert Wahlen. Euro wird DAS Thema sein, wie will man da gewinnen, man macht doch eh alles mit, was die Merkel macht. Wozu dann noch die SPD?
karinreske 30.01.2012
3. dreckiger Wahlkampf
Zitat von sysopJetzt steht der Zeitplan, erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013 will die SPD ihren Kanzlerkandidaten bestimmen. Die Parteispitze hofft, dass*ein rot-grüner Wahlsieg in Hannover*dem Merkel-Herausforderer Auftrieb gibt. Doch die Strategie steckt voller Risiken. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812166,00.html
Die Strategie steckt vor allen Dingen voller Peinlichkeiten, nämlich rot-grüner "Ethik"-Show zur "Wulff-Affäre". Hab' mich schon gefragt, warum so früh, wo doch gar nicht Dezember 2012 ist... Immerhin ist diese Strategie des Wahlkampfs zwar billig, aber nicht so niedrig wie die mit dem SAbotage-Akt in Fukushima, um mal wieder "typsch grüne"(?) Themen im Wahlkampf aufwärmen zu können und damit die Bürger nicht merken, was wirklich "grüne" und rote Politik ist heutzutage.
Teoem 30.01.2012
4. Steinbrück, Gabriel, Steinmeier
das kann ja nur super werden ... ;-)
cheechago 30.01.2012
5. Merkels Doppelsprech entlarven...
Ein paar inhaltliche Themen: Energiewende Mindestlohn Bürgerversicherung ... Alles Plagiate von Fr. Merkel und Co. Wie glaubhaft ist eine Partei wie die CDU die Jahrzehnte das Gegenteil in der Politik durchgesetzt hat, und nun gemäss Orwell's Doppelsprech eine Umwertung der Begriffe vornimmt? Wie glaubhaft ist eine solche Partei bei ihren Wählern die doch gerade deswegen die Partei gewählt haben? Was für Haken werden diese noch unter Fr. Merkel mitmachen, damit sie 2013 Kanzlerin bleibt?
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