Kanzlerreisen Merkel seltener im Ausland als Schröder

SPD und Opposition werfen Kanzlerin Merkel gerne vor, dass sie zu viel reise und daher die Innenpolitik schleifen lasse. Ein Vergleich mit ihrem Vorgänger zeigt: Gerhard Schröder war noch viel häufiger weg.

Berlin - Es ist eine beliebte Übung der Berliner Politik, Kanzlerin Merkel ihre Auslandsreisen vorzuhalten. Die SPD hat dies getan mit dem Bild von Sonnendeck und Maschinenraum: Während die Sozialdemokraten zu Hause schufteten, sonne sich die Kanzlerin im außenpolitischen Glanz. Die Grünen beklagten neulich, dass Merkel am 9. November, dem Jahrestag des Mauerfalls, in Texas weilte. Und Linksfraktionschef Lafontaine spricht nur von der "Reisekanzlerin".

Doch im Vergleich zu ihrem Vorgänger ist Merkel fast schon häuslich zu nennen. 2006, im ersten Jahr der Großen Koalition, war Merkel 28 Mal im Ausland. Schröder hingegen war 1999, in seinem ersten Kanzlerjahr, 51 Mal unterwegs - also fast doppelt so oft. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Volker Wissing hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Ob dieser Trend allerdings von Dauer sein wird, ist fraglich. Denn im zweiten Regierungsjahr ist schon eine deutliche Annäherung der beiden Kurven zu beobachten. Schröder ging 2000 auf 40 Auslandsreisen, Merkel brachte es dieses Jahr bis Ende Oktober immerhin schon auf 31.

Am wenigsten reiste Schröder im Wahlkampfjahr 2002 ins Ausland (36 Mal). Am häufigsten flog er 2004: Auf dem Höhepunkt der Agenda-Proteste machte er 52 Auslandsreisen.

cvo

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