Karikaturisten-Ehrung Merkel verurteilt geplante Koran-Verbrennung

Bei einer Preisverleihung würdigte die Kanzlerin den Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard. Dessen Zeichnungen hatten weltweite Proteste von Muslimen ausgelöst. Zugleich kritisierte Merkel die von fundamentalistischen US-Christen angekündigte Koran-Verbrennung als "abstoßend".

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Potsdam - Kanzlerin Angela Merkel hat deutliche Worte für die geplante Koran-Verbrennungen durch fundamentalistische Christen in den USA gefunden. Sie tadelte das Vorhaben als "respektlos, sogar abstoßend, und einfach falsch". Die Aktion verletze den Respekt vor Religionen. Ähnlich wie Merkel hatten sich die Uno, die Europäische Union und zahlreiche Politiker weltweit bestürzt über die Pläne einer evangelikalen Gemeinde in Florida geäußert.

Die Kanzlerin äußerte ihre Kritik bei einer Preisverleihung in Potsdam. Dort würdigte sie den Mut des dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard. Dieser wurde mit dem diesjährigen Potsdamer Medienpreis für seine unbeugsame Haltung ausgezeichnet.

Westergaard wird von radikalen Islamisten mit dem Tode bedroht und steht seit fünf Jahren unter Polizeischutz. Er hatte eine der zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed gezeichnet, die am 30. September 2005 unter der Überschrift "Das Gesicht Mohammeds" in der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten" erschienen. Die Darstellungen lösten einen internationalen Streit um Meinungsfreiheit und gewalttätige Demonstrationen von Muslimen in der ganzen Welt aus, die sich von den Abbildungen beleidigt fühlten.

"Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut"

"Die Folgen für den Zeichner sollten uns mahnen", sagte Merkel. Sie sprach sich für mehr Toleranz aus. Als Zeichner dürfe Westergaard derartige Karikaturen fertigen. Die europäischen Staaten seien ein Ort, wo dies möglich sei. "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut", sagte die Kanzlerin.

Die Pressefreiheit sei eines der Wesensmerkmale einer freiheitlichen Demokratie. "Wir Deutschen erinnern uns in diesen Monaten an die Überwindung der SED-Diktatur und die Wiedervereinigung unseres Landes vor 20 Jahren", sagte die Kanzlerin. "Wir wissen noch, was Unfreiheit bedeutet und sollten deshalb nie vergessen, wie wertvoll Freiheit ist."

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierte die Preisverleihung. Der für seine umstrittenen Zeichnungen bekannte Däne habe "unseren Propheten in unseren Augen mit Füßen getreten", sagte Generalsekretär Aiman Mazyek am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Die Würdigung sei in einer aufgeladenen und erhitzten Zeit hochproblematisch.

Auf Skepsis stieß Merkels Auftritt auch bei den Grünen. "Ich hätte es nicht gemacht", sagte Bundesfraktionschefin Renate Künast am Rand der Grünen-Fraktionsklausur in Mainz. Zwar herrsche Meinungsfreiheit auch in der Karikatur. "Aber wenn eine Bundeskanzlerin auch noch eine Rede dazu hält, verschärft sie den Ton."

Anderer Meinung war Laudator Joachim Gauck. Er dankte Westergaard für seinen Mut, sich nicht von den Todesdrohungen einschüchtern zu lassen. "Jeder sollte sich fragen, ob wir den Mut immer ausrichten für die Freiheit", sagte der frühere rot-grüne Präsidentschaftskandidat und langjährige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen.

"Der Preis soll ein deutliches Zeichen setzen", erklärte auch Potsdams Oberbürgermeister Jann Jacobs (SPD). Für den den M100-Beirat sei Westergaard zum "Symbol der Presse- und Meinungsfreiheit" geworden. Die Vereinigung vergibt ihren Preis jährlich an Persönlichkeiten, die aus ihrer in Europa und der Welt "Fußspuren" hinterlassen haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der einstige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt.

Die Auszeichnung bedeute ihm sehr viel, sagte Westergaard. "Das ist die größte Anerkennung, die ich bekommen habe, und ich glaube, sie ist gut für die Meinungsfreiheit." Der 75-Jährige betonte: "Ich habe kein Problem mit anderen Religionen." Er habe nur ein Problem mit Islamisten und werde immer dafür kämpfen, dass Menschen ihre Religion friedlich leben könnten.

kgp/dpa/Reuters

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Americanet 08.09.2010
1. ...
Zitat aus der Nachricht: "Der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierte die Preisverleihung. Der für seine umstrittenen Zeichnungen bekannte Däne habe alle Muslime mit Füßen getreten, sagte Generalsekretär Aiman Mazyek am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur." Da hätten wir ja auch schon ein Beispiel für mangelnde Integration: Wer so argumentiert, der ist in der westlichen Welt nicht angekommen.
Dr_Lecter 08.09.2010
2. verpasst
Zitat von gmdlDas hat sehr wohl etwas mit Meinungsfreiheit zu tun. Das Problem ist, dass die Religionen viel zu sehr mit Samthandschuhen angefasst werden. Ich als Ungläubiger muss Sprüche wie "Tod allen Ungläubigen" einfach so hinnehmen. Was ich im Übrigen auch tue. Wenn Sprüche wie "Tod allen Gläubigen" nur ähnlich oft zu höhren wären, würde sich niemand mehr über so einen einzelnen Spinner der Korane verbrennt aufregen. Ich persönlich Wünsche natürlich keinem Gläubigen Tod, ich wünschte nur, dass er zur Vernunft kommt.
Zum Glück habe ich die FREIHEIT, sagen zu können, dass ich Ihre MEINUNG voll und ganz teile. Es wäre Aufgabe von Frau Clinton und Frau Merkel (und allen anderen Spitzenpolitikern) gewesen, gerade aus diesem Anlass auf Menschenrechte hinzuweisen. Diese werden ja nunmal leider hauptsächlich in muslimischen Ländern oft nicht beachtet. Zwar bröckelt dieses allgemein und ewig gültige Recht wohl bald auch schon in einigen freiheitlichen Ländern (z. B. USA), aber es muss gerade deshalb jeder Anlass genommen werden, diese zu verteidigen. Frau Merkel hatte ja sogar einen guten Anlass heute beim Zeichner der Mohammed-Karikaturen, aber sie war wieder duckmäuserisch und hat die Chance verpasst.
marian.2.k, 08.09.2010
3. Ergänzung
Zitat von AmericanetZitat aus der Nachricht: "Der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierte die Preisverleihung. Der für seine umstrittenen Zeichnungen bekannte Däne habe alle Muslime mit Füßen getreten, sagte Generalsekretär Aiman Mazyek am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur." Da hätten wir ja auch schon ein Beispiel für mangelnde Integration: Wer so argumentiert, der ist in der westlichen Welt nicht angekommen.
Ergänzung: 1967 veröffentlichte das schwedische BILD-Pendant "EXPRESSEN" eine Karikatur über Papst Paul (Nummer II ??), bei der der Papst in einem Präservativ stand und von innen mit Stecknadeln selbiges durchpiekste. Ich habe damals nicht gehört, dass der Vatikan Schweden den Krieg erklärt hätte. Ich fand die Karikatur lächerlich, meine stockkatholische Kommilitonin war "empört". Das war's dann schon! Wie schon gesagt: Eine Demokratie muss auch so etwas aushalten. Aber seit wann sind "gläubige" Moslems Demokraten?!
Freeflow, 08.09.2010
4. .
In dem Artikel heißt es: "Der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierte die Preisverleihung. Der für seine umstrittenen Zeichnungen bekannte Däne habe alle Muslime mit Füßen getreten, sagte Generalsekretär Aiman Mazyek am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Die Würdigung sei in einer aufgeladenen und erhitzten Zeit hochproblematisch." Wieso hört man von Herrn Mazyek nicht, dass er es verabscheut, dass Muslime den Zeichner Westergaard mit dem Leben bedrohen? Falls er soetwas bereits an anderer Stelle getan hat, möge er es bitte wiederholen. Wieso hört man von ihm nicht, dass sie es als Unrecht empfinden, wenn muslimischen Mädchen die Genitalien verstümmelt werden? Wieso kein Wort des Abscheus über Steinigungen, Auspeitschen und all die anderen Greueltaten, die im Namen Allahs begangen werden? Ich wünschte mir, dass sich Herr Mazyek und alle Muslime dazu aufraffen könnten, solche Verbrechen täglich aufs Neue zu verurteilen. Wenn sie dies wirklich aus innerer Überzeugung tun könnten, dann würden sie über Karikaturen, ganz gleich was sie zum Gegenstand haben, nur noch lachen.
marian.2.k, 08.09.2010
5. Die Gebeine vom Adolf
Zitat von Dr_LecterZum Glück habe ich die FREIHEIT, sagen zu können, dass ich Ihre MEINUNG voll und ganz teile. Es wäre Aufgabe von Frau Clinton und Frau Merkel (und allen anderen Spitzenpolitikern) gewesen, gerade aus diesem Anlass auf Menschenrechte hinzuweisen. Diese werden ja nunmal leider hauptsächlich in muslimischen Ländern oft nicht beachtet. Zwar bröckelt dieses allgemein und ewig gültige Recht wohl bald auch schon in einigen freiheitlichen Ländern (z. B. USA), aber es muss gerade deshalb jeder Anlass genommen werden, diese zu verteidigen. Frau Merkel hatte ja sogar einen guten Anlass heute beim Zeichner der Mohammed-Karikaturen, aber sie war wieder duckmäuserisch und hat die Chance verpasst.
Da erwarten Sie von das Merkel wohl zuviel! Ich war niemals ein Freund von Adenauer, aber der hatte wenigstens den Mut, Klartext zu reden. Österreich hatte tatsächlich die Chupze, von Deutschland "Wiedergutmachung" zu fordern. Dazu Adenauer: "Ick schicke denen die Jebeene vom Adolf, da hamse Wiedergutmachung." Österreich hat den Wink verstanden und abgesehen von der schamlosen Abzockerei deutscher Urlauber haben wir ja heute ein erfreulich normales Verhältnis zum Nachbarn. Hätten wir mehr solcher Klartext redenden Politiker und nicht lauter Gabriels, Özdemirs, Roths, Künasts - und halt auch Wende-Merkels -, dann hätten wir auch längst nicht die Probleme, die wir nun mal tatsächlich haben.
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