Karl-Theodor zu Guttenberg Der Unantastbare

Dieser Minister ist ein Phänomen. Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Kunduz-Affäre überwunden - noch bevor er an diesem Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss aussagt. Damit ist er der starke Mann der CSU, Parteichef Seehofer muss zittern.

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Berlin - Das Land erlebt einen Verteidigungsminister voller Tatendrang. Er hat die verletzten Soldaten aus Afghanistan heimgeholt; im Kleinbus und über die Straßen des Balkans ist er der Aschewolke ausgewichen; an diesem Mittwoch hat er Stanley McChrystal zum Strategiegespräch empfangen, den Oberkommandeur der Streitkräfte am Hindukusch.

Der Verteidigungsminister auf allen Kanälen. Karl-Theodor zu Guttenberg ist angekommen im Amt. Anfangs gebremst durch die Kunduz-Affäre, durch eigenes Missmanagement bei der Entlassung des Generalinspekteurs der Bundeswehr und eines Staatssekretärs, war Volkes Liebling in den letzten Monaten mächtig in die Defensive geraten.

Doch er ist zurück. Der Primus will es allen zeigen. Nicht nur der jüngste, sondern auch der beste Verteidigungsminister in der Geschichte der Bundesrepublik will er sein. Mindestens aber der beste Verteidigungsminister seit Helmut Schmidt. Der Boulevard gibt ihm Deckung. "Bild" berichtet von der Front: Die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan feierten Guttenberg "wie einen Rockstar". Man zitiert einen Leutnant: "'Wir machen diesen Job für ihn.'"

An diesem Donnerstag werden den Gefeierten seine Anfangsfehler noch einmal einholen. Über Stunden wird sich Guttenberg dem Verhör der Opposition im Kunduz-Untersuchungsausschuss stellen müssen. Warum hat er das Bombardement der beiden Tanklaster am Kunduz-Fluss, bei dem Dutzende Zivilisten starben, erst als "militärisch angemessen" beurteilt - später aber eine Kehrtwende vollzogen? Was waren die genauen Umstände der Entlassung seiner beiden Untergebenen? Hat er nur nach Sündenböcken gesucht?

Vom Party- zum Kriegsminister

Die Oppositionsvertreter werden ihn attackieren, sie werden seinen Rücktritt fordern. Doch kaum jemand im politischen Berlin glaubt noch, dass Guttenberg danach zurücktreten muss. Die Kunduz-Affäre perlt an ihm ab. Der Minister ist durch das Gröbste durch. Kanzlerin Angela Merkel wird ihn in ihrer Regierungserklärung zu Afghanistan stützen. Union und FDP stehen voll hinter ihm. Das ist die Hauptsache.

Wie hat er das gemacht?

So delikat es klingen mag: Guttenbergs Krisenmanagement nach dem Tod sieben deutscher Soldaten hat ihm geholfen. Es hat gezeigt, der Mann kann nicht nur Polit-Party, sondern auch den Ernstfall. Eigentlich sind das Bilder, die ein Verteidigungsminister fürchten muss: Särge mit Bundesflagge, daneben der Politiker. Manche Parteifreunde hatten Guttenberg im letzten Herbst genau davor gewarnt. Das beschädige ihn als CSU-Hoffnungsträger, er solle lieber Wirtschaftsminister bleiben, das sei einfacher.

Doch Guttenberg scheinen die Afghanistan-Krise und sein Job nichts anhaben zu können. Der 38-Jährige ist beliebt wie eh und je. In den Beliebtheitsrankings von SPIEGEL und "Stern" liegt Guttenberg jeweils auf dem zweiten Platz. In der Krise hat er das Richtige getan: Er hat auf ernst und seriös umgeschaltet. Genau das kommt an. Wer glaubt da noch, dass er in der Kunduz-Affäre die Wahrheit verbogen haben könnte?

Auf der Trauerfeier hielt nicht die Kanzlerin, sondern er die Hauptrede. Und er endete mit bemerkenswerten Sätzen über sein Kind: "Eine meiner kleinen Töchter, der ich versuchte, diesen Karfreitag und meine Trauer zu erklären, fragte mich, ob die drei jungen Männer tapfere Helden unseres Landes gewesen seien, und ob sie stolz auf sie sein dürfte." Er habe beide Fragen "nicht politisch, sondern einfach mit Ja beantwortet".

Guttenbergs Pathos auf der Trauerfeier

Für bundesrepublikanische Verhältnisse ist das eine gehörige Portion Pathos. Undenkbar, dass Guttenbergs verhuschter Vorgänger Franz Josef Jung einen solchen Satz gesprochen hätte.

Plötzlich gibt es wieder deutsche Kriegshelden. Und es gibt einen Kriegsminister. Denn Guttenberg war es, der zuerst die Kriegsvokabel auf den Einsatz in Afghanistan anwendete. Kanzlerin und Außenminister folgten. Damit hat er die politische Diskussion hierzulande ein Stück ehrlicher gemacht. Und weil er weiß, dass dies gut ankommt, insbesondere auch bei den in Afghanistan stehenden Soldaten, vergisst er nie zu erwähnen, dass ja übrigens er es war, der den Krieg beim Namen genannt hat.

Guttenberg ist sich seiner Wirkung wohl bewusst. Er setzt Symbole - wenn er die verletzten Soldaten nach Deutschland begleitet - und nutzt das Wort - wenn er die Trauerrede hält. Gegen diese Ereignisse erscheinen die näheren Umstände der Entlassung zweier deutscher Top-Beamter im Bendler-Block plötzlich recht unbedeutend.

Damit ist Guttenberg einer der mächtigsten Player in der Polit-Szene. In seiner Partei haben sie zeitweise gebangt, ob er die Kunduz-Affäre ordentlich übersteht. Daran kann nun kaum ein Zweifel mehr sein. In der CSU ist der Weg für Guttenberg endgültig frei. "Wenn er nur will, ist er morgen Parteivorsitzender", sagt einer aus der CSU-Führung. Horst Seehofer sei nur noch ein Geduldeter, "bis der KT soweit ist".

Guttenberg weiß das. Und deshalb wartet er einfach ab, unternimmt nichts. Die Dinge laufen ohnehin auf ihn zu. 2013 stehen die nächsten Landtagswahlen in Bayern an, auch der Bundestag wird in jenem Jahr gewählt. Wie es gegenwärtig aussieht, würde Seehofer durchaus noch einmal als Ministerpräsident antreten. Aber ob er dann auch noch Vorsitzender der Christsozialen ist? Die nächsten Vorstandswahlen jedenfalls stehen nicht erst 2013 sondern schon 2011 an.

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Oma Peters, 21.04.2010
1. Man wendet sich mit Grausen ab.
Zitat von sysopDieser Minister ist ein Phänomen. Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Kunduz-Affäre überwunden - noch bevor er an diesem Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss aussagt. Damit ist er der starke Mann der CSU, Parteichef Seehofer muss zittern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,690174,00.html
Auch so einer von denen, die ich beim besten Willen nicht mehr sehen kann. Allenfalls noch als Abziehbild auf dem Grund einer Lufthansatüte.
Tommi16 21.04.2010
2. ?
Zitat von sysopDieser Minister ist ein Phänomen. Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Kunduz-Affäre überwunden - noch bevor er an diesem Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss aussagt. Damit ist er der starke Mann der CSU, Parteichef Seehofer muss zittern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,690174,00.html
Er hat auf ernst und seriös umgeschaltet heißt, der beste Schauspieler im Kabinett. Und wieso eigentlich "überwunden" ?
lmike, 21.04.2010
3. Dieser Minister ist kein Phänomen.
Zitat von sysopDieser Minister ist ein Phänomen. Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Kunduz-Affäre überwunden - noch bevor er an diesem Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss aussagt. Damit ist er der starke Mann der CSU, Parteichef Seehofer muss zittern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,690174,00.html
Wer gibt bloss so viel Geld für die Meinungsbildung aus? Auch dieser Mann kann nur mit Wasser kochen!
Nothing is irreversible 21.04.2010
4. Der Typ
wird unweigerlich Kanzler.
Thomas Kossatz 21.04.2010
5. T doch nicht so
Zitat von sysopDieser Minister ist ein Phänomen. Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Kunduz-Affäre überwunden - noch bevor er an diesem Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss aussagt. Damit ist er der starke Mann der CSU, Parteichef Seehofer muss zittern. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,690174,00.html
Tu doch nicht so überrascht, SPON. Erst versuchen, den gerade erst ins Amt gekommenen Minister niederzuschreieben, und sich dann wundern, wenn es nicht klappt. Er hat das Erbe ganz anderer Regierungen übernommen.
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