Erneute Promotion Fünf Fragen und Antworten zur Doktorarbeit von Guttenberg

Neun Jahre nach der Plagiatsaffäre und seinem Rücktritt als Minister hat Karl-Theodor zu Guttenberg offenbar eine neue Dissertation vorgelegt – an einer britischen Uni. Das ist über die Arbeit bekannt.
Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg

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Angelika Warmuth / picture alliance/ dpa

Einst galt Karl-Theodor zu Guttenberg als Hoffnungsträger der CSU, wurde sogar als möglicher Bundeskanzler gehandelt. 2011 setzte die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit seiner politischen Karriere ein abruptes Ende. In die Politik, so beteuert der einstige Verteidigungs- und Wirtschaftsminister immer wieder, will er nicht zurückkehren. Beim Thema Doktortitel hat Guttenberg allerdings einen zweiten Versuch gewagt und noch einmal eine Promotionsarbeit vorgelegt. Die Hintergründe:

Was macht Guttenberg eigentlich heute?

"Ich bin gottfroh, nicht mehr irgendwelchen parteipolitischen Spielereien ausgesetzt zu sein", sagte Guttenberg vor wenigen Monaten. Der frühere Minister ist mittlerweile als Berater und Unternehmer tätig und hat einen Wohnsitz in den USA.

Seit einigen Jahren verbringt er auch wieder mehr Zeit in der Heimat - etwa, um gelegentlich den Wahlkampf der CSU zu unterstützen oder Vorträge zu halten. Zuletzt machte Guttenberg Schlagzeilen, weil seine Investment- und Consultingfirma "Spitzberg Partners" Lobbyarbeit für die Skandalfirma Wirecard betrieben haben soll.

Zu welchem Thema hat er seine Dissertation vorgelegt?

Die zweite Doktorarbeit von Guttenberg hat mit seinem alten Fachbereich Rechtswissenschaften nicht viel zu tun. Auf 488 Seiten widmet sich Guttenberg in seiner Arbeit unter dem Titel "Agenten, Rechnungen und Korrespondenten im Wandel der Zeit" dem Thema Korrespondenzbanken. Der volle englische Titel lautet:

"Agents, bills, and correspondents through the ages: an analytical reconsideration of the nature, scope, and significance of correspondent banking and its application in historical precedence and selected case studies". (Die Arbeit lässt sich hier  herunterladen)

Guttenberg liefert in seiner wissenschaftlichen Abhandlung, die er unter dem Namen Karl Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg bereits 2018 einreichte, eine historische Betrachtung zu den frühen Methoden für die Überweisung von Geld - etwa im internationalen Handel. Dafür hat er sich unter anderem mit arabischen Händlern und den Kreuzzügen beschäftigt. Der frühere Politiker hat mit seiner Promotion den Titel "Doctor of Philosophy" an der britischen Universität von Southampton erhalten. 

Guttenberg hat in Archiven geforscht und - so schreibt er selbst im Vorwort - viel Zeit aufgewendet. Gewidmet hat er seine Arbeit Ehefrau Stephanie und den beiden Töchtern, die während dieser Phase "sehr geduldig" mit ihm gewesen seien. Eine Danksagung geht außerdem an eine Reihe von "verlässlichen Freunden auf beiden Seiten des Atlantiks, die an mich geglaubt haben, und an ein Wertesystem, in dem es auch eine zweite Chance gibt".

Warum hat Guttenberg neuen Anlauf für einen Doktortitel genommen?

Sein erneutes Promotionsstudium liege schon eine ganze Zeit zurück, sagte Guttenberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Gesprochen habe er darüber aber mit fast niemandem. "Denn promoviert habe ich nicht für die Öffentlichkeit und erst recht nicht für ein politisches Comeback, das ich gewiss nicht mehr anstrebe, sondern allein aus sehr persönlichen Gründen." Deshalb wolle er auch nicht mehr über seine erneute Promotion sagen - nur, dass er dankbar sei für die zweite Chance.

Schon bei einem Auftritt in Berlin vor vier Jahren präsentierte sich Guttenberg als Geläuterter. "Ich habe lange gebraucht, um meine Eitelkeit zu überwinden", sagte er damals.

Was wurde ihm 2011 vorgeworfen?

2011 kam heraus, dass Guttenberg große Teile seiner Doktorarbeit nicht selbst verfasst hatte. Für die Abhandlung "Verfassung und Verfassungsvertrag" war dem früheren Politiker 2007 von der Universität Bayreuth der Doktortitel zugesprochen worden. Im Februar 2011 wurden dann erste Vorwürfe laut, er habe mehrere Passagen in seiner Dissertation zum Teil wörtlich - ohne entsprechende Kennzeichnung und ohne Angabe von Quellen - aus anderen Publikationen und Texten übernommen.

Guttenberg wies die Vorwürfe zunächst als "abstrus" zurück. Nachdem jedoch zahlreiche weitere plagiierte Stellen gefunden wurden, gestand er schließlich ein, schwere Fehler gemacht zu haben. Anfang März gab er schließlich alle seine politischen Ämter auf, unter anderem trat er als Verteidigungsminister zurück.

Was ist mit der neuen Doktorarbeit?

Man kann sich kaum vorstellen, dass Guttenberg den gleichen Fehler noch einmal machen würde - die vielen Downloads, die für die Arbeit nun nach ihrem Bekanntwerden registriert werden, deuten darauf hin, dass auch dieser Text von Plagiatsjägern genau unter die Lupe genommen werden wird.

Intensiver diskutiert wird in den sozialen Medien bereits über Guttenbergs Doktorvater: Richard Werner. Der deutsche Wirtschaftswissenschaftler wurde 1967 in Bayern geboren und stand Guttenberg bei seiner Promotion zum Korrespondenzbankgeschäft als "Supervisor" zur Seite.

Werner, der in Volkswirtschaftslehre an der renommierten Oxford University promovierte, war Ökonomieprofessor in Southampton. Zunächst war Werner Doktorvater für Guttenbergs Arbeit in Southampton, aber 2018 verließ der Deutsche die Universität im Streit und ein anderer Wissenschaftler übernahm die Betreuung von Guttenbergs Promotion.

Werner verklagte die Universität sogar wegen Mobbings. Er sei wegen seiner deutschen Staatsangehörigkeit und seines christlichen Glaubens in den 14 Jahren seiner Amtszeit diskriminiert geworden. Ihm seien deshalb Beförderungen und Urlaubsgeld versagt geblieben, auch habe er keine Auszeit für ein Buchprojekt bekommen, obwohl das anderen Kollegen gewährt worden sei. Bei dem Verfahren ging es um mehrere Millionen Pfund Entschädigung, die Werner zunächst offenbar zugesprochen wurden, weil die Uni einen Gerichtstermin nicht wahrnahm. Die Hochschule wehrte sich dagegen, der Stand des Verfahrens ist unklar. 

asc/joe/mit Material der Agenturen.
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