Ex-Verteidigungsminister Guttenberg kritisiert Merkel für Sparkurs bei Bundeswehr

Er hat die Wehrpflicht abgeschafft und die Ausgaben gekürzt: Die Schuld für die Unterfinanzierung der Bundeswehr sieht der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg aber bei der Bundeskanzlerin.

Karl-Theodor zu Guttenberg: "Die Sparbemühungen damals gingen vom Bundeskanzleramt aus"
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Karl-Theodor zu Guttenberg: "Die Sparbemühungen damals gingen vom Bundeskanzleramt aus"


Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg(CSU) sieht für den in seiner Amtszeit begonnenen scharfen Sparkurs die Verantwortung bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU). "Die Sparbemühungen damals gingen vom Bundeskanzleramt aus, und sie wurden vom Bundesfinanzminister (Wolfgang Schäuble) mit großer Vehemenz mitgetragen", sagte der frühere Minister dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Den Schuh müsse sich Merkel anziehen. Er selbst habe dagegen eine "bessere Professionalisierung der Bundeswehr" gefordert und bessere Ausrüstung für die Soldaten im Einsatz.

Guttenberg hatte die Wehrpflicht abgeschafft und die Finanzierung der Bundeswehr auf Sparflamme gesetzt. Die Unterfinanzierung führte mittelfristig zu zahlreichen Problemen und wurde inzwischen korrigiert. In der Truppe galt er als Minister trotzdem als beliebt. Nach nur 16 Monaten war aber Schluss, weil Guttenberg in seiner Doktorarbeit abgeschrieben hatte. Aus der aktiven Politik schied er aus.

Guttenberg äußerte sich etwa zehn Jahre, nachdem ein Bundeswehroffizier befohlen hatte, zwei von Taliban entführte Tanklaster unweit der afghanischen Stadt Kundus zu bombardieren. Dadurch kamen am 4. September 2009 auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. NDR Info hat dazu die Radio- und Podcastserie "Killed in Action - Deutschland im Krieg" produziert.

mfh/dpa



insgesamt 61 Beiträge
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yvowald@freenet.de 30.08.2019
1. Wehretat auf Sparflamme setzen
Die radikalen Kürzungen des Wehretats waren mehr als überfällig. Bereits nach der Auflösung des Warschauer Paktes (WP) hätte auch die Bundeswehr radikal abrüsten müssen und sich für eine europäische Verteidigungsorganisation stark machen müssen. Denn auch die NATO hätte nach dem Wegfall ihrer gegnerischen Organisation WP aufgelöst werden müssen. Nicht dergleichen geschah, weil die USA aufgrund ihres Militärisch-Industriellen Komplexes, also der Rüstungsindustrie, keinen Gewinneinbruch für die Aktionärinnen und Aktionäre der Militärproduzenten wünschten. So mußte eben ein neues Feindbild geschaffen werden. Und das war dann eben der IS, der Islamische Staat. Guttenberg hat richtig gehandelt, indem er die Wehrpflicht aussetzte. Und Kanzlerin Merkel hat ebenfalls richtig gehandelt, in dem sie den Wehretat auf Sparflamme gesetzt hat. Hoffentlich bleibt das künftig auch so...
newline 30.08.2019
2. Als Wirtschaftsminister
soll Herr Guttenberg doch im Zusammenhang mit Opel-Hilfen mit seinem Rücktritt als Wirtschaftsminister gedroht haben. Warum dann nichts Vergleichbares als Verteidigungsminister? Vielleicht war ihm das Risiko zu groß, dass die Kanzlerin den Rücktritt dankend annimmt.
tempus fugit 30.08.2019
3. Es geht nicht um's sparen....
...sondern wie man ein verfügbares Etat sinnvoll investiert - und dazu muss man erst mal wissen, wo der 'Feind' steht und wie man mit diesem umgeht. Und solange DE schlimmer als ein Vasalle von seinen 'Freunden' be- handelt wird, wo der 'BERUFENE' das sagen hat und jeden Tag unsägliches twittert ist der desolate Zustand der BW genau die Rolle, die von einer Friedensarmee erwartet wird. Nix rollt, nix fliegt, nix schwimmt und auch mit den Schuhwerk ist's nicht weit her... Eine friedliche Friedensarmee! Die beste, die es je in DE gab - unter heutigen Umständen!
kkllaauussii 30.08.2019
4. Abschaffung der Wehrpflicht war ein Fehler
Die Abschaffung der Wehrpflicht war unterm Strich ein Fehler. Vielleicht wurde dadurch Budget für anderen Unsinn frei, aber (folgende Punkte gleichwertig für den Zivildienst gemeint) - Es ging ein Potential für Dienste an Land und Leute verloren - Bundeswehr findet nur noch im Verborgenen statt - Wertschätzung für Demokratie und Freiheit ist stark zurückgegangen, beides wird asl Selbstverständlich angesehen - Die Softi Generantion, die ohne App nicht mehr weiß, wann sie auf den Topf muss, probiert nie irgendewelche physischen und psychischen Grenzen aus - Ein verbindendes Element zumindest für Männer ging verloren und das merkt man in der Gesellschaft - Respekt gegenüber Vorgesetzten und Kameraden wird zum Fremdwort - Soldaten als Wählerpotential haben kein Standing mehr und da es keine Masse aus allen Gesellschaftsschichten mehr sind, besteht die Gefahr einer falschen politischen Orientierung. Diese Liste kann gerne weitergeführt werden.
FrankDunkel 30.08.2019
5.
Sie haben offenbar nicht mitbekommen, dass die Bundeswehr im Rahmen des 2+4-Vertrages den Personalbestand auf 250000 Soldaten zurückgeführt hat. Inzwischen ist der Personalkörper der Truppe auf ca. 185000 Soldaten ausgedünnt worden. Zumindest diese sollte man in adäquater Form ausrüsten und das ist erfahrungsgemäß teuer. Leider ist nämlich die Welt kein Paradies, wo sich alle ganz furchtbar lieb haben, sondern es gibt sehr wohl eine Bedrohung. Schauen Sie einfach ostwärts, dort werden Sie manches entdecken, was mit dem friedlichen Zusammenleben in einem europäischen Haus nichts zu tun hat.
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