Treffen junger CSU-Politiker Guttenberg mischt wieder mit

Zum Parteitag hatte Karl-Theodor zu Guttenberg der CSU noch einen Korb gegeben. Jetzt organisiert der Ex-Verteidigungsminister mit Parteifreunden ein Treffen für junge Christsoziale. Das sorgt für Gesprächsstoff.
Karl-Theodor zu Guttenberg (Archivbild): Treffen mit Parteifreunden

Karl-Theodor zu Guttenberg (Archivbild): Treffen mit Parteifreunden

Foto: Lukas Schulze/ picture alliance / dpa

Jetzt dürfen sich CSU-Politiker also doch auf einen ausführlichen Austausch mit Karl-Theodor zu Guttenberg freuen. Für einen Auftritt auf dem Parteitag der Christsozialen im Dezember in Nürnberg hatte der einstige Hoffnungsträger nicht zur Verfügung gestanden, obwohl man kräftig um ihn geworben hatte - aber jetzt ist Guttenberg voll bei der Sache.

Zusammen mit zwei Parteifreunden - dem Europaparlamentarier und EVP-Fraktionschef Manfred Weber sowie dem ehemaligen bayerischen Finanzminister Georg Fahrenschon - lädt Guttenberg ausgewählte CSUler zum "Neufahrner Gesprächskreis" am 20. und 21. Februar ins niederbayerische Schlosshotel Neufahrn.

Der Name Guttenberg löst auch Jahre nach dem unfreiwilligen Abgang als Verteidigungsminister Emotionen in der CSU aus: Noch immer verbinden viele Christsoziale glanzvolle Zeiten mit dem 43-Jährigen, der inzwischen in den USA lebt. Mit ihm hielt sich die Partei für kanzlertauglich.

Umso ernüchternder war es für manche CSUler, als der Chef und Gründer der New Yorker Beratungsagentur Spitzberg Partners keine Zeit für das Treffen in Nürnberg hatte.

Einladung dreier Freunde

Jetzt also Neufahrn. Eigentlich sollte die Klausur möglichst diskret und ohne journalistische Begleitmusik ablaufen, trotzdem war der Termin durchgesickert, der "Münchner Merkur" hatte am Mittwoch zuerst darüber berichtet. Es handele sich um eine private Initiative von Weber, Guttenberg und Fahrenschon, heißt es im Kreis der Einladenden gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die drei seien schon lange gut befreundet und hätten bereits in der Vergangenheit ähnliche Treffen organisiert. Die Klausur richte sich vornehmlich an die jüngere Generation.

Ein paar Dutzend Teilnehmer werden in dem Schlosshotel erwartet, wenn die Klausur am 20. Februar im Haunsperger Saal eröffnet wird. Zugesagt haben unter anderem die Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner (Jahrgang 1987), Tobias Zech (Jahrgang 1981) und Hans Reichhart (Jahrgang 1982), bayerischer Landtagsabgeordneter und Chef der Jungen Union Bayern.

Markus Söder, 48, und Ilse Aigner, 50, zwei immer wieder gehandelte Anwärter für die Nachfolge von Parteichef Horst Seehofer, gehören ebensowenig zu den Eingeladenen wie der CSU-Vorsitzende selbst.

Wohl auch deshalb sorgt der Termin für Gesprächsstoff in der Partei. Derzeit wird jeder Schritt von Mandats- und Funktionsträgern daraufhin kritisch beäugt, ob sich jemand für höhere Aufgaben in Stellung bringen will.

Ein Revival als Spitzenpolitiker gilt als unwahrscheinlich

Darum soll es in Neufahrn aber offenbar nicht gehen. Vielmehr sollen wohl die großen und drängenden Themen diskutiert werden: der Ukraine-Konflikt, Big Data, Integration. Dem Programm zufolge stehen Österreichs Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz und Theodor Weimar, Vorstandssprecher der Unicredit Bank, als Diskussionspartner bereit. Auch der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow hat zugesagt - er ist inzwischen Vorsitzender des internationalen Rates der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Foundation".

Dass Guttenberg mitmischt, dürfte viele in der CSU hoffnungsfroh stimmen: Der Partei fehlt schon seit längerem ein intellektueller Ideengeber, der noch dazu Erfahrung im Ausland gesammelt hat. "Es würde der Partei guttun, wenn sich Karl-Theodor zu Guttenberg wieder stärker für die CSU engagieren würde", sagte ein erfahrener Christsozialer SPIEGEL ONLINE.

Schon länger wird in der Partei gemunkelt, Guttenberg könnte auf mittlere Sicht wieder eine Rückkehr nach Deutschland anstreben. Mit einem Revival als Spitzenpolitiker rechnen sie in der CSU aber kaum - dafür hat sich Guttenberg schon viel zu unabhängig von der Partei gemacht.

In Neufahrn soll Guttenberg die Diskussion mit Garri Kasparow moderieren. Da dürfte er auch einen kleinen sprachlichen Vorteil gegenüber manchem Parteifreund haben: "Tagungsteil in Englisch", heißt es in der Einladung.

Anmerkung: In einer ersten Fassung dieses Berichts hieß es, dass auch der Google-Verwaltungsratsvorsitzende Eric Schmidt als Diskussionsteilnehmer für die Runde geplant sei. Inzwischen teilte Google per Mail mit, dass es diese Pläne nicht gebe.
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.