Karl-Theodor zu Guttenberg Publikumsliebling a. D.

"Er bleibt ein Betrüger, der nichts dazugelernt hat": Geht es nach den SPIEGEL-ONLINE-Lesern, hat Karl-Theodor zu Guttenberg sein Comeback völlig verpatzt. Guttenberg sei "keinesfalls ehrlich" und solle in die deutsche Politik "niemals mehr zurückkommen", so die überwiegende Mehrheit.
Von Peter Seybold
Ex-CSU-Star Guttenberg: Kann er noch mal wiederkommen?

Ex-CSU-Star Guttenberg: Kann er noch mal wiederkommen?

Foto: dapd

Berlin - "Da wo er jetzt ist, kann er bleiben. Ich glaube nicht, dass wir hier einen Verbrecher brauchen." - "Es ist unglaublich, was sich dieses Volk noch alles gefallen lassen muss." - "Wie naiv muss man denn sein, um dem auch nur ein einziges Wort zu glauben?"

Die Reaktionen vieler SPIEGEL-ONLINE-Leser auf den Comeback-Versuch Karl-Theodor zu Guttenbergs sind unmissverständlich. Seit Guttenberg sich mit dem ersten öffentlichen Auftritt seit seinem Rücktritt im März und einem Interview-Buch zurückgemeldet hat, werden seine Wortmeldungen im Forum und in Leserbriefen intensiv diskutiert und kommentiert. Die meisten Leser glauben Guttenberg, der damals über seine Plagiatsaffäre stolperte, kein Wort - und sehen seine Rückkehrbestrebungen sehr kritisch.

Dieser Schuss ging für den ehemaligen Verteidigungsminister nach hinten los - so jedenfalls die weit verbreitete Meinung. Die Stimmung schlägt sich auch in einer (nicht repräsentativen) SPIEGEL-ONLINE-Umfrage nieder: Rund 70 Prozent sagen, er habe seine Glaubwürdigkeit verspielt. Stand Freitagnachmittag.

Viele sind vor allem über seine Erklärungen zum Entstehen seiner Doktorarbeit entsetzt. Guttenberg hatte in dem in der "Zeit" vorab veröffentlichten Interview den Vorwurf, die Arbeit sei ein Plagiat, erneut zurückgewiesen und die zahlreichen mit anderen Werken identischen Stellen mit seiner chaotischen Arbeitsweise begründet. Der ehemalige Minister habe daher die Chance, jetzt eine ehrliche Erklärung abzugeben, verpasst und sei endgültig unglaubwürdig und nicht mehr tragbar, so der Tenor vieler Reaktionen.

"Erklärungen sind lächerlich und unglaubwürdig"

"Jeder, der schon mal in seinem Leben eine Diplomarbeit oder Doktorarbeit geschrieben hat, weiß, dass man nicht aus Versehen zwei Drittel seiner Arbeit irgendwo herkopieren kann, ohne es zu merken. Das ist die dreisteste Lüge, die ich je gehört habe ... und er erzählt sie immer noch. Deswegen hat er auch keine 2. Chance verdient", schreibt "Giraffenzebra" im SPIEGEL-ONLINE-Forum. "Seine Erklärungen sind lächerlich und unglaubwürdig", urteilt "OlafKoeln". "Herr Guttenberg hat sich jedenfalls scheinbar nicht geändert", meint Nutzer "Aufklaerung". "Er hat nicht aus seinen Fehlern gelernt."

Einmal in seinem Leben einen Fehler gemacht zu haben, sei ja nicht verwerflich, finden viele. Kaum jemand sei ein völlig unbeschriebenes Blatt, man könne sich im Laufe seines Lebens ändern und auch nach gravierenden Fehlern noch einmal neu beginnen. Doch bei Guttenberg gehöre zu solch einem Neuanfang "ein klares Bekenntnis zu seinem Betrug". Ein Neuanfang, der auf einer Lüge basiere, sei keiner. Solange der ehemalige Minister bei seiner Version bleibe, sei er weiterhin ein "Lügner und Betrügner". Erst wenn er "einfach zugeben würde", dass er bewusst betrogen habe, würde man ihm "sofort vergeben".

Doch Guttenberg habe sich offenkundig für das Gegenteil entschieden.

"In diesem Land zählt nur der schöne Schein. Da passt Gutty gerade richtig rein. Fleiß, Können und Intelligenz sind weniger gefragt", urteilt deshalb "ericsatie". "Ich schäme mich dafür, dass ich Guttenberg mit seinen Dementi nach den ersten Plagiatsvorwürfen im Februar fast auf den Leim gegangen wäre", bilanziert "Pepito Sbazzagutti".

Andere Leser spekulieren wiederum, ob Guttenbergs Erklärungen doch stimmen könnten. Wenn Guttenberg wirklich bei seiner Doktorarbeit derart chaotisch gearbeitet habe, könne er auch in seinem Beruf nicht strukturiert arbeiten und sei daher in der Politik fehl am Platz, meint "Igelnatz". Dies würde erklären, warum Guttenberg als Wirtschaftsminister "kläglich gescheitert" sei und in der "Truppe nur Chaos verursacht" habe, glauben andere Leserbriefschreiber. Schließlich habe es den deutschen Steuerzahler viel Geld gekostet, das "politische Chaos" wie die verkorkste Bundeswehrreform "zu beseitigen".

"Ich hoffe, er kehrt in die deutsche Politik zurück"

Kritisiert wird von vielen die "USA-Flucht" Guttenbergs sowie sein "peinlicher und oberflächlicher" Auftritt in Kanada ("Seinen Ideen fehlt es an jeglicher Originalität"). Auch die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen die Zahlung von 20.000 Euro einzustellen, wird angegriffen. Die Strafe sei für den Freiherrn nur ein kleiner Betrag, den seine Familie nicht groß spüre.

Es ist also heftige Kritik, die Guttenberg von vielen Seiten einstecken muss. Doch es gibt auch noch einige Unterstützer, die dem CSU-Mann zur Seite springen. "Ich hoffe, er kehrt in die deutsche Politik zurück", schreibt etwa ein Leser. Er habe eine zweite Chance verdient, schließlich habe er kaum jemandem außer sich selbst geschadet. Kein anderer deutscher Politiker habe "nur annähernd das Format von Guttenberg".

Auch Verschwörungstheorien äußern viele nach wie vor. "Guttenberg war bei der Bevölkerung zu beliebt. Nur deshalb sind die Wölfe über ihn hergefallen. Anders kann man das Geheule über ein paar vergessene 'Gänsefüßchen' nicht rational erklären", glaubt ein Leser - und ein anderer meint, einige Leute hätten schlicht "Angst vor den Fähigkeiten von Guti".

Karl-Theodor zu Guttenberg bleibt also ein Politiker, der polarisiert. Auch, wenn es um die Frage geht, was der ehemaliger Minister zukünftig machen wird. Gründer einer neuen Partei, wieder Bundesminister, Bundeskanzler - die Theorien über Guttenbergs Zukunft sind breit gestreut.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.