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Markus Feldenkirchen

Der gesunde Menschenverstand Triumph der Geldsäcke

Markus Feldenkirchen
Eine Kolumne von Markus Feldenkirchen
Die Herrscher von Katar verfolgen konsequent einen Grundsatz: Dass sich mit Geld alles kaufen lässt. Man sollte ihnen dabei nicht auch noch die Hand reichen.
aus DER SPIEGEL 51/2022
Emir Tamim bin Hamad Al Thani und Fifa-Präsident Gianni Infantino beim WM-Eröffnungsspiel

Emir Tamim bin Hamad Al Thani und Fifa-Präsident Gianni Infantino beim WM-Eröffnungsspiel

Foto:

IMAGO/Moritz Mueller / IMAGO/Moritz Müller

Man kann dem Emir von Katar und seiner Führungsclique nur gratulieren. Die rund 200 Milliarden Dollar für die Fußballweltmeisterschaft (zuzüglich Schmiergelder) waren gut investiertes Geld. Die Männer bekamen, was sie sich erhofft hatten. Das Kalkül ist aufgegangen.

Noch vor kurzer Zeit war Katar selbst in Teilen der arabischen Welt ein Paria-Staat. Nun steht das Land als gefeierter Gastgeber da, den man gern besucht. Gestärkt ist auch der Glaube, sich mit Geld alles kaufen zu können. Sei es eine Weltmeisterschaft, sei es eine kickende Litfaßsäule wie Paris Saint-Germain mit Fußballstars wie Messi, Mbappé oder Neymar. Seien es Fürsprecher im Westen oder im Europäischen Parlament. Es ist alles eine Frage der Geldtüte.

Aus: DER SPIEGEL 51/2022

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Wer wie die Deutschen die Party mit Kritik am Gastgeber trübte, wurde ausgelacht. Symptomatisch dafür war jene Geste in einer Sportsendung des katarischen Fernsehens. Die dort versammelten Experten winkten den Deutschen nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft höhnisch hinterher und hielten sich dabei den Mund zu – in Anspielung auf die deutschen Spieler, die sich aus Protest gegen die autokratenfreundliche Fifa den Mund zugehalten hatten. Unterm Strich standen die Deutschen wie die großen Deppen des Turniers da.

Der Vorwurf vieler Katarer und ihrer Verbündeten in der arabischen Welt lautet: Deutsche Politiker, Funktionäre, Journalisten und sogar die Spieler seien im Gestus der moralischen Überlegenheit aufgetreten. Zudem seien sie mit einer gehörigen Portion Doppelmoral unterwegs gewesen.

Zum ersten Punkt: Arroganz ist niemals hilfreich, aber: Sollte man sich etwa unterlegen fühlen gegenüber einem Regime, von dem es heißt, dass es Terror finanziert und Minderheiten unterdrückt? Das Hunderttausende Gastarbeiter aus ärmeren Länder oft sklavenähnlich behandelt, sei es im eigenen Haushalt oder auf den vielen Baustellen des Landes? Das Schwulen und Lesben mit Haftstrafen droht? Mit Respekt vor anderen Gepflogenheiten, nach dem Motto: andere Länder, andere Sitten?

Nein, es geht hier nicht um lokale Bräuche oder kulturelle Gepflogenheiten. Es geht um Menschenrechtsverletzungen, um Verbrechen, die angeprangert gehören. Fußball hin, WM her.

Der Vorwurf der Doppelmoral hingegen ist leider ziemlich berechtigt. Man sollte vielleicht keine Party besuchen, auf der man allen anderen Gästen erzählt, dass sie niemals hätte stattfinden dürfen. Und vielleicht sollte man einen Staat, den man scharf kritisiert, nicht gleichzeitig um Gas anbetteln. Vielleicht sollte man mit Herrschercliquen, die glauben, sich alles kaufen zu können und Menschenrechte mit Füßen treten, ganz einfach keine Geschäfte machen. Und auch nicht ihre Sportfeste besuchen.

Dann liefe der Vorwurf der Doppelmoral nämlich ins Leere. Und diejenigen, die sich eigentlich schämen müssten, hätten weniger Anlass zum höhnischen Grinsen.

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