Justizministerin wird Spitzenkandidatin Katarina Barley soll SPD in Europawahlkampf führen

Die SPD-Führung hat eine Spitzenkandidatin für die Europawahl gefunden: Nach SPIEGEL-Informationen soll Justizministerin Katarina Barley die Liste der Genossen anführen.

Katarina Barley
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Katarina Barley


Es war kein einfacher Job für Andrea Nahles: Die SPD-Chefin handelte sich bei der Suche nach einem Spitzenkandidaten für die Europawahl zunächst einige Absagen ein. Auch Justizministerin Katarina Barley wollte zunächst nicht. Doch nun wird es die 49-Jährige nach SPIEGEL-Informationen doch: Noch in dieser Woche soll Barleys Bewerbung für die Spitzenkandidatur bekannt gegeben werden, Anfang Dezember stellt die SPD ihre Liste für die Europawahl auf. Der Wahltermin ist am 26. Mai 2019. Über die Personalie hatte zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet.

Barley war unter den Europapolitikern in der SPD seit Monaten die favorisierte Kandidatin. Die Rheinland-Pfälzerin erfüllt gleich mehrere Kriterien, die für den Spitzenjob im Wahlkampf nicht unerheblich sind. Erstmals bieten die Sozialdemokraten eine Frau als Nummer eins für Europa auf, Barley weist zudem eine vergleichsweise junge Parteibiografie vor und könnte sich dadurch vom restlichen Spitzenpersonal der SPD abheben. Sie zog erst 2013 in den Deutschen Bundestag ein, von da an ging es für sie steil bergauf.

Gleichwohl ist der Schritt für Barley auch ein Risiko. Die Justizministerin hat gerade erst begonnen, sich in der ersten Reihe der Bundespolitik zu etablieren, jetzt zieht es sie nach Brüssel. Die Genossen blicken sorgenvoll auf die Europawahl, denn die Rahmenbedingungen lassen auf ein schlechtes Ergebnis schließen. Bei der letzten Wahl im Jahr 2013 schnitten die Sozialdemokraten mit knapp 28 Prozent noch außerordentlich gut ab - dieses Resultat dürfte kaum zu erreichen sein. Eine Spitzenposition in Brüssel dürfte für Barley ebenfalls kein Selbstläufer sein, denn je nach Ergebnis könnte der Einfluss der SPD in der Sozialistenfraktion des Europaparlaments schwinden.

Völlig unumstritten ist Barley in der SPD nicht, manche lasten ihr intern die Schwierigkeiten der verunglückten Kanzlerkampagne von Martin Schulz an, die sie zunächst als SPD-Generalsekretärin verantwortet hat. Auch ihr Verhältnis zu Parteichefin Andrea Nahles hatte bereits Höhen und Tiefen. Nahles weiß um das Talent der Justizministerin, nahm aber mit Befremden wahr, dass Barley sich vor der Verteilung der Kabinettsposten Anfang des Jahres öffentlich als "Allzweckwaffe" bezeichnete.

Im Video: Katarina Barley über Gerüchte und die Politik

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cte/vme

insgesamt 54 Beiträge
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malexe 16.10.2018
1. So ein Quatsch
Jetzt schiebt man noch eine der talentiertesten PolitikerInnen nach Brüssel ab. Normal müsste das lieber Frau Nahles machen und Frau Barley deren Job als Parteivorsitzende übernehmen. Aber dafür fehlt es der Führung innerhalb der Partei an Mut und Verstand.
kael 16.10.2018
2. Schade
Frau Barley ist eines der wenigen unverbrauchten Gesichter innerhalb der SPD.
legeips62 16.10.2018
3. Nicht abschieben
lassen Frau Barley. Sie sind nicht in der CDU. Bleiben sie im Lande und führen sie die SPD als Spitzenkanditatin in den Bundestagswahlkampf. Soll doch Frau Nahles den "Scholz" machen...
DerDifferenzierteBlick 16.10.2018
4. Warum nicht Martin Schulz?
Ich hatte eigentlich mit Martin Schulz gerechnet. Dass er ein sehr profilierter Europapolitiker ist - wohl der profilierteste in der SPD aktuell, wird wohl niemand in Frage stellen. Zudem war er als EU-Parlamentspräsident sehr angesehen. Und dass er sich aufgrund seiner taktisch unklugen Äußerungen bundespolitisch vom Feld genommen hat, sollte hier kein großes Problem sein. Aktuell ist es dagegen wohl eher ein sehr großer Nachteil der aktuellen Regierung anzugehören - bei den aktuellen Umfragewerten. Dass Schulz da im Moment etwas Abstand hat, wäre also vermutlich sogar ein ganz guter Vorteil.
archi47 16.10.2018
5. das schließt doch den Parteivorsitz nicht aus!
Ich halte sehr viel von ihr. Sie ist klug und intelligent. Bei ihr paßt Audruck, Charme und Timing.
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