Katarina Witt "Das schönste Gesicht des Sozialismus"


Berlin - Katarina Witt war eine Vorzeigesportlerin der DDR. Ihre Eislaufkarriere begann sie bereits als Fünfjährige in Karl- Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz. 1983 leitete sie die "Ära Witt" im Eiskunstlauf ein: Sechs Mal in Folge sicherte sie sich Gold bei den Europameisterschaften. Bei den Weltmeisterschaften triumphierte sie vier Mal zwischen 1984 und 1988, Höhepunkte ihrer sportlichen Laufbahn waren die Dreifacherfolge - Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympia in den Jahren 1984 und 1988.

Nur 1986 erlebte der sportliche "Exportschlager" der DDR eine bittere Niederlage gegen die US-Läuferin Debbie Thomas. "Es war der totale Klassenkampf", sagte Witt zu dem verlorenen Duell. Noch vor der Wende machte Witt mit der Revue "Holiday on Ice" auch in den USA Karriere. Inzwischen veranstaltet sie eine eigene Eisrevue, mit der sie im Sommer in Sachsen und Thüringen gastiert.

Das "schönste Gesicht des Sozialismus" war das Lieblingskind der DDR-Führung. Das Küsschen von DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker ging um die Welt, die Privilegien und die SED-Mitgliedschaft Witts ("die DDR hat für mich auch Wärme bedeutet") nahmen ihr viele Ostdeutsche vor allem nach der Wende übel.

Zu DDR-Zeiten sollte ihr sportlicher Glanz den maroden SED-Staat in ein besseres Licht rücken. Nach der Wende war Katarina Witt entsetzt, als sie bei einem Besuch der Gauck-Behörde über ihre Stasi- Akte erfuhr. "Wo ich selbst überwacht worden bin, das hat mir schon die Schuhe ausgezogen." So hatte die Stasi den Akten zu Folge 1986 bei der Weltmeisterschaft in Genf unter allen Umständen die Flucht des Stars verhindern wollen. Der DDR-Sportchef Manfred Ewald meldete damals an Stasi-Minister Erich Mielke: "Damit nun nichts mit Katarina Witt passiert, hatte ich neun Mitarbeiter in Bereitschaft gehalten, die im Notfall hätten eingesetzt werden können, um Vorsorge zu treffen, dass nichts mit ihr passiert."



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