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Berlins Bildungssenatorin Günther-Wünsch äußert sich zu Liebesbeziehung mit Kai Wegner

Der Regierende Bürgermeister von Berlin ist mit seiner Bildungssenatorin liiert. Für die Politikerin »ist es nachvollziehbar, dass es Fragen gibt, wie man das zukünftig handhaben will«.
Berlins Regierender Bürgermeister Wegner und Bildungssenatorin Günther-Wünsch (hier im Februar 2023)

Berlins Regierender Bürgermeister Wegner und Bildungssenatorin Günther-Wünsch (hier im Februar 2023)

Foto: Joerg Carstensen / picture alliance / Jörg Carstensen

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (beide CDU) haben sich erstmals öffentlich zu ihrer Beziehung geäußert. »Es ist ein Novum, das hat es so noch nicht gegeben. Deswegen ist es nachvollziehbar, dass es Fragen gibt, wie man das zukünftig handhaben will in seinen Funktionen und Ämtern«, sagte Günther-Wünsch dem »Tagesspiegel« .

Wie Senatssprecherin Christine Richter am Dienstag mitgeteilt hatte, solle Wegner seine Vermittlerrolle bei Streitfällen zwischen den Fachverwaltungen des Senats abgeben, sofern es um die Bildungsverwaltung gehe. Dann soll Finanzsenator Stefan Evers (CDU) die Vermittlung übernehmen. Ist Evers selbst in einen Konflikt verwickelt, soll Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) zuständig sein.

»In meinen Augen (…) haben wir eine Lösung gefunden, die für die Regierung tragbar ist und klare Verantwortlichkeiten schafft«, sagte Günther-Wünsch nun dem »Tagesspiegel«.

»Das geht in Berlin im Jahr 2024«

Auch Wegner verteidigte die Beziehung: »Was ist eigentlich passiert? Zwei Menschen haben sich ineinander verliebt. Und weil diese beiden Menschen dienstlich miteinander zu tun haben, haben sie sich überlegt, das auch öffentlich zu erklären«, sagte Wegner am Mittwochabend beim Neujahrsempfang des CDU-Kreisverbands Spandau. »Nach reiflicher Überlegung haben wir uns auch gesagt, das geht, das geht in Berlin, das geht in Berlin im Jahr 2024.«

Wegner betonte, die Senatorinnen und Senatoren nach Kompetenz ausgewählt zu haben. Günther-Wünsch habe in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie eine absolute Expertin in Bildungsfragen sei. Und nach acht Monaten Amtszeit erweise sie sich bereits als Berlins beste Bildungssenatorin seit vielen, vielen Jahren.

Zu etwaigen Interessenkonflikten bei der Arbeit sagte Wegner, er könne in vielen Bereichen von der Entlassung von Senatsmitgliedern bis zum Aufstellen des Haushalts nicht allein entscheiden. »Ich würde es mir manchmal wünschen. Aber die Realität sieht doch ganz anders aus.«

Wegner und Günther-Wünsch hatten am Freitag über ihren Anwalt mitteilen lassen, sie hätten sich im Herbst 2023 entschieden, eine Beziehung einzugehen. Zuvor hatte es Gerüchte über die fragwürdige Verbindung der beiden Regierungsmitglieder gegeben.

An der Beziehung hatte sich Kritik geregt. So hatten etwa Grüne und Linke bezweifelt, dass beide Senatsmitglieder Privates und Berufliches klar genug trennen könnten, und vor Interessenkonflikten gewarnt. Die FDP hatte vor der offiziellen Bestätigung auf Transparenz gedrängt.

»In einem Unternehmen ginge das nicht«, sagte auch der Chef der Berliner CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union, Harald Burkart, dem SPIEGEL. »Leider sind Abhängigkeitsverhältnisse in der Berliner CDU keine Seltenheit, wie beispielsweise in der CDU-Landesgeschäftsstelle.«

Der Compliance-Experte Daniel Graewe hatte im Interview mit dem SPIEGEL auf mögliche Probleme für die Senatsarbeit hingewiesen: »Praktisch ist das schon so, als säße da ein Vorstandschef an einem Tisch mit zehn anderen Vorständen, und mit einem von ihnen hat er eine Beziehung. Auch hier lässt sich nie der Anschein vermeiden, dass die mutmaßliche Partnerin Vorteile genießt.«

wit/dpa