Katholische Kirche Neuer Bischofs-Vorsitzender Zollitsch will Muslimen bei Integration helfen

Zuspruch für die Muslime im Land: Robert Zollitsch, der künftige Chef der Deutschen Bischofskonferenz, unterstützt den Moscheebau in Deutschland - und will auch sonst bei der Integration behilflich sein.


Hamburg - Muslime sollten auch in westlichen Ländern das Recht haben, Moscheen zu bauen - das findet jedenfalls der künftige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der am Montag die Nachfolge von Kardinal Karl Lehmann antritt. Er sagte dem "Mannheimer Morgen", man werde weiter das Gespräch suchen und den Muslimen helfen, in Deutschland Heimat zu finden. "Wo Muslime leben, haben sie das Recht, eine Moschee zu bauen", sagte er.

Erzbischof Zollitsch: "Wo Muslime leben, haben sie das Recht, eine Moschee zu bauen"
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Erzbischof Zollitsch: "Wo Muslime leben, haben sie das Recht, eine Moschee zu bauen"

Zollitsch war erst am Dienstag als Chef der Bischofskonferenz gewählt worden. Der Freiburger Erzbischof betonte die Bedeutung der Integration. "In unseren Kindergärten sind viele muslimische Kinder. Dadurch tragen wir zur Integration bei", sagte Zollitsch. Die Bischofskonferenz habe sich immer dafür eingesetzt, dass bei Bedarf in Schulen islamischer Religionsunterricht erteilt werde, in deutscher Sprache und von in Deutschland ausgebildeten Lehrern.

Der Geistliche äußerte zugleich den Wunsch, dass islamische Länder der Kirche ebenfalls diese Freiheit geben. "Ich werde aber nie sagen: Wir werden euch so behandeln, wie die Christen bei euch zu Hause behandelt werden", sagte Zollitsch.

Unterdessen hält die Kritik an den Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Zusammenleben von Deutschen und Türken an. Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) warf Erdogan in der "Süddeutschen Zeitung" Täuschung vor. Wenn Erdogan wirklich Integration wolle, dann hätte er seine Landsleute aufrufen sollen, ihre Frauen gleichberechtigt zu behandeln und die Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in Deutschland zu akzeptieren.

Erdogan hatte am Sonntag vor rund 16 000 türkischen Zuhörern zwar zur Integration aufgefordert. Er warnte aber zugleich vor Assimilation. Eine derartige Anpassung sei "ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Außerdem hatte er die Einrichtung türkischsprachiger Schulen und Universitäten in Deutschland ins Gespräch gebracht.

Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), sagte der "Süddeutschen Zeitung", die Rede Erdogans sei nicht hilfreich für die Integrationsdebatte gewesen. "Wir brauchen keine türkischen Gymnasien in Deutschland, sondern mehr türkische Schüler in deutschen Gymnasien", sagte er dem Blatt.

Bayern Landtagspräsident Alois Glück (CSU) nannte es ein großes Problem für die Integration, dass die Entwicklung in Deutschland seit jeher stark von Ankara gesteuert werde. "Da gibt es vieles, das die Integration eher behindert als fördert", sagte Glück der Zeitung. Sein Eindruck sei, dass in Deutschland eine möglichst eigenständige Volksgruppe erhalten werden solle.

Kritik kam auch von der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU). Ihr zufolge hat Erdogan die falschen Worte benutzt. "Mit der Warnung vor Assimilierung hat er einen Popanz aufgebaut", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Es wolle doch hierzulande niemand, dass ein Mensch, der verschiedene Identitäten habe, diese auslösche. "Wir haben noch viel zu lernen miteinander - im Sprechen und im Verstehen", sagte Süssmuth zum deutsch-türkischen Zusammenleben.

flo/ddp/AP



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