Kein Baustopp "Stuttgart 21"-Gegner brechen Gespräche ab

Der Streit um das Milliardenprojekt "Stuttgart 21" droht zu eskalieren: Die Gegner des umstrittenen Bahnhofsumbaus sehen keine Grundlage mehr für weitere Konsensgespräche. Am Montagabend gingen erneut Tausende Menschen auf die Straße.

"Stuttgart 21"-Proteste: Tausende Menschen auf der Straße
dapd

"Stuttgart 21"-Proteste: Tausende Menschen auf der Straße


Stuttgart - Der Dialog ist beendet, ehe er richtig begonnen hat: Nach dem Scheitern eines ersten Treffens von Gegnern und Befürwortern des umstrittenen Bahnprojekts "Stuttgart 21" am Freitag sieht das Bündnis gegen den Bahnhofsumbau keine Grundlage mehr für weitere Gespräche.

Gangolf Stocker, Chef der Bürgerinitiative "Leben in Stuttgart - Kein Stuttgart 21", sagte, ein weiteres Gespräch mit den Projektträgern sei nur sinnvoll, wenn der Hauptbahnhof-Südflügel nicht abgerissen werde und es keine Eingriffe in den Schlosspark gebe. Dort besetzten Demonstranten am Montag zeitweise mehrere Bäume. Am Abend gingen erneut tausende Gegner von "Stuttgart 21" auf die Straße. Rund 18.500 Demonstranten waren es nach Angaben der Veranstalter, die Polizei sprach von mehr als 8000 Teilnehmern.

Vertreter beider Seiten waren am vergangenen Freitag auf Anregung des Stadtdekans Michael Brock im Haus der katholischen Kirche zu einem Sondierungsgespräch zusammengekommen.

Gerhard Pfeifer, einer der Sprecher des Aktionsbündnisses, begründet die Absage mit "unmissverständlichen Äußerungen" von Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und Bahnchef Rüdiger Grube, dass es auch bei Verhandlungen keinen Baustopp gebe werde.

"Es ist schade, dass der Dialog einseitig aufgekündigt wird"

Auf ihrer Internetseite bekräftigten die Gegner von "Stuttgart 21", dass sie auch nicht "für Beratungen über Details und Modifikationen des Projekts" wie etwa die Gestaltung eines neuen Parks beim Bahnhof zur Verfügung" stünden. Dies hatte Mappus am Freitag angeboten: Bis hin zu Bürgerentscheiden sei er bereit, in der Innenstadtgestaltung von Stuttgart die Menschen zu beteiligen.

Die Bahn und Mappus zeigten sich enttäuscht vom Rückzieher der Gegner. "Es ist schade, dass der Dialog einseitig aufgekündigt wird", sagte Mappus. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die Arbeiten für das Projekt auch während künftiger Gespräche weitergehen müssten, teilte die Bahn mit. Die Hand für einen Dialog bleibe weiter ausgestreckt.

Gegen einen Baustopp sprach sich auch der ehemalige Bahnchef Heinz Dürr aus. Vielen Gegnern, wie etwas den Grünen gehe es gar nicht um den Bahnhof sondern um die Macht, sagte er der "taz": "Die Bahn überlebt, wenn 'Stuttgart 21' nicht gebaut wird. Aber Stuttgart bleibt dann eben eine Provinzstadt ohne Potential."

Gegen "Stuttgart 21" gibt es seit Wochen heftigen Widerstand aus der Bevölkerung. Der bisherige Stuttgarter Kopfbahnhof soll während der insgesamt zehnjährigen Bauzeit durch eine Verlegung in den Untergrund zu einer Durchgangsstation gemacht werden, außerdem soll in Richtung Ulm eine Schnellbahnverbindung entstehen. Die Gegner warnen vor hohen Kosten, ökologischen Folgen und angeblichen Sicherheitsgefahren durch das Bauprojekt. Nach Angaben der Bahn kostet das Gesamtprojekt etwa sieben Milliarden Euro. Die Gegner berufen sich auf Studien, wonach 10 bis 18 Milliarden Euro anfallen könnten.

wit/dpa/AFP



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tinol 27.09.2010
1. Demokratieverständnis
Das Demokratieverständnis der S21-Gegner ist echt bemerkenswert. Nachdem der Grüne S21-Kritiker Wölfle nach dem ersten Gespräch selbst gesagt hat, dass "die Entscheidung für S21 ohne Zweifel rechtmäßig gefällt wurde", heißt es jetzt wieder, dass man offen den Konflikt ansteuert, wenn nicht nach den Regeln der Gegner läuft. Die Donnerstagsdemos FÜR das Projekt werden von den ach so demokratieversessenen Gegnern mit allen Mitteln gestört, jede Kommunikation pro S21 wird zu unterbinden versucht, jede andere Meinung führt zu Beschimpfungen und Beleidigungen. Und jetzt das. Die Grundaussage ist Mal wieder klar: "Demokratie ist, wenn wir Recht haben!" Leider unterstützen die Medien das durch ihre Berichterstattung, weil es das Bild einer Nation in Aufruhr unterstreicht. Aber die Zahl der demonstrierenden S21-Befürworter, die jeden Donnerstag FÜR das Projekt auf die Straße gehen, verdreifacht sich mit jeder Woche. Letzten Donnerstag waren es fast 3.000 Teilnehmer. Ich frage mich, wann die Medien endlich Mal darüber berichten!
Guitas 27.09.2010
2. S21, kein Baustopp...
...und weiter Protestaktionen, die nicht notwendig sind, denn diese Leute hatten innerhalb der 15 Jahre Planung etc. Zeit, sich zu artikulieren. Jetzt, nachdem Ernst gemacht wird, "weckt" man auf und prostestiert. BW muss in die Zukunft schreiten und am Geplanten festhalten, damit nicht nur die Stadt selbst, sondern auch die Regionen davon partizipieren! Andere Bundesländer, als auch Nachbarländer schauen und bauen für die Zukunft, explizit für nachfolgende Generationen. Es wird so viel Geld für unsinnige Zwecke ausgegeben, da sollte man den "Stift" ansetzen und die freiwerdenden Mittel in die Zukunftsprojekte stecken und auch zur Tilgung derer vornehmen. Vorwärtsgewandt sein und nicht widergewandt.
Katzebextra 28.09.2010
3. CDU-marschiert (Fährt Bus)
http://www.cdu-boeblingen.de/ Ist doch lustig. Die Beführworter, des ach so tollen Bahnprojektes, werden kostenlos mit dem Bus zur Demo gekarrt. Na ja, wer nie mit der Bahn fährt, weiss natürlich nicht, dass es eine direkte S-Bahnverbindung gibt. Wer nimmt die noch ernst.
karmamarga 28.09.2010
4. quote SPON:"Der Dialog ist beendet, ehe er richtig begonnen hat"
Ein Dialog war nie seitens der Macher von S21 auch nur angedacht. Dieser Dialog wurde nur insofern von Mappus angeboten, als man dem "Partner" Mitspracherechte bei der Gestaltung des Projektes anbot. Die Gegenseite aber wollte nie etwas anderes,als einen Baustopp und die Beendigung des Projektes S21, nicht nur aus Kosten- und damit Wirtschaftlichkeitsgründen. Das Angebot zum Dialog an runden Tisch war das offene Messer von Mappus, in das der politisch unbedarfte und nie Arges mutende Kretschmann (ich habe ihn persönlich so erlebt), voll reingelaufen ist, nachdem die Grünen von Mappus als Träger der Protestbewegung ausgemacht worden waren, dabei Kretschmann als Schwachpunkt und Zielperson im Sinn, dem offensichtlich zu keinem Zeitpunktklar wurde, dass der sogenannte runde Tisch von den Christen und SPD Drexler, ich benenne in dem Fall mal ganz bewusst Drexler in Drecksler um, eingeschlossen, nur dazu konstruiert war, der Protestbewegung der Obstruktion jeglicher Verhandlungsangebote, die für diese nie welche sein konnten, zu bezichtigen. Seitdem Kretschmann in diese Falle gelaufen ist, wird der runde Tisch weidlich genutzt, der Protestbewegung Unbeweglichkeit und starres Beharren auf ihren Positionen zuzuweisen, um so das eigene Ansinnen dem anderem anzuhängen. Die Situation scheint gestern auf der Ebene der Richtlinienkompetenz der Kanzlerin angekommen zu sein, die in der Durchsetzung des Projektes gar die Nagelprobe auf die Zuverlässigkeit Deutschlands als politischer Partenr in der EU sieht. Die Frau Bundeskanzlerin wird so zu einer gefährlichen Bundeszündlerin, die die in Stuttgart aufeinader zurasenden Züge noch beschleunigt hat. Diese werden mit dem Beginn der Holzfällarbeiten in den nächsten Tagen aufeinaderkrachen. Nun, MP Mappus hat die Bewegung als zunehmend gewaltbereiter denunziert http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2643473_0_9223_-konflikt-um-stuttgart-21-die-schaerfe-nimmt-weiter-zu.html und beschreibt damit im voraus als korrekt, was zwangsläufig kommen muss, nach dem, was er politisch mit Rückenwind aus Berlin angezettelt hat. Und wenn es in den nächsten Stunden oder Tagen so weit sein wird, wird er es schon immer gewusst haben. Die Kanzlerin hat ihr Schicksal mit S21 verbunden. Sie wird mit Mappus daran zerschellen. Wir haben hier ein neues Phänomen einer Bürgerbewegung, mit dem die Politik nicht umgehen kann: der Bürger ist übersatt von den Wahrheiten, die er täglich von der Politik aufgetischt bekommt. Wer, so frage ich in die Runde, isst schon gerne jeden Tag die selbe und immer wieder frisch aufgetischte dampfende Sch.....! Ich rate dringend dem "runden Tisch" des Herrn Mappus, mit den Gegenern des Stuttgarter Irrsinns einen echten und gleichberechtigten, auf der Wahrheit basierten Dialog zu eröffnen und nicht die Polizei für die profitliche Immosause zu missbrauchen, die hinter der S21 Lüge steht. Eine Polizei, die ihre Sache in Stuttgart bisher tadellos gemacht hat. Sonst könnte die Republik wackeln. Ich kann Merkel, Kauder und Mappus nur raten: macht Augen und Ohren auf. Wer gut sehen und hören kann und auch von schneller politischer Auffassungsgabe ist, das ist ein Herr Bosbach. Wenn ich Merkel hiesse, dann würde ich ihn einfach mal aufs Ländle ansetzen und als Zweitberichterstatter neben Mappus berichten lassen. Noch einmal: die verbleibende Zeit, die aufeinader zu rasenden Züge abzubremsen, misst sich in wenigen Tagen oder nur noch Stunden.
karmamarga 28.09.2010
5. Nachdem sich die Frau Bundeszündlerin zur Dialogbereitschaft in Sachen S21
Zitat von sysopDer Streit um das Milliardenprojekt "Stuttgart 21" droht zu eskalieren: Die Gegner des umstrittenen Bahnhofsumbaus*sehen keine Grundlage mehr für weitere Konsensgespräche. Am Montagabend gingen erneut Tausende Menschen auf die Straße. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,719915,00.html
nach Mappus auch noch stark gemacht hatte, gab´s postwendend eine europäische Watsch´n http://www.heide-ruehle.de/heide/fe/pub/de/dct/772@print
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