Keine bleibenden Schäden Althaus' Ärzte sind optimistisch

Thüringens Ministerpräsident Althaus wird seinen schweren Skiunfall in Österreich wahrscheinlich ohne bleibende Schäden überleben. Seinen Klinikärzten zufolge verliefen die neurologischen Untersuchungen gut. Althaus ist aber noch immer nicht ansprechbar.


Wien - Die Ärzte des bei einem Skiunfall schwerverletzten thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) sind zuversichtlich, dass der 50-Jährige ganz gesund wird. "Wir sind guter Hoffnung, dass die Entwicklung weiter positiv verlaufen wird", sagte einer der behandelnden Ärzte am Freitagabend in der Unfallklinik im Pongauer Ort Schwarzach. "Alle während des Tages durchgeführten neurologischen Untersuchungen lassen auf eine günstige Entwicklung hoffen."

Althaus, der am Neujahrstag bei einem Skiunfall auf einer Piste der Riesneralm in Oberösterreich eine schwere Kopfverletzung erlitten hatte, befindet sich noch immer im künstlichen Tiefschlaf und sei "derzeit noch nicht kontaktfähig". Die dämpfende Medikation werde aber langsam abgesetzt, sagte Klinikchef Reinhard Lenzhofer.

Die Mediziner verringerten die Dosis der Medikamente, mit denen der CDU-Politiker in ein künstliches Koma versetzt wurde. Er könnte am Samstag aufwachen, ist aber nach wie vor nicht transportfähig.

Bei dem Zusammenstoß mit einer Skifahrerin, die auf dem Weg ins Krankenhaus starb, erlitt Althaus eine schwere Schädelhirnverletzung. Nach Mitteilung der Mediziner handelt es sich um eine Blutung im Schläfenlappen des Großhirns und eine Schwellung. Es sei eine Verletzung, die relativ häufig vorkomme, sagte der Leiter der Unfallchirurgie, Franklin Genelin, auf einer Pressekonferenz in der Klinik.

"Schrittweise zurück ins normale Leben"

Der Thüringer Bauminister Gerold Wucherpfennig sagte, er denke, dass Althaus zu 100 Prozent wieder genesen werde. "Er ist ein Kämpfer. Er ist sehr sportlich. Sein Körper ist gut durchtrainiert", sagte der Weggefährte des Politikers auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit den Ärzten.

Nach Angaben der Mediziner wird Althaus nach dem Aufwachen schrittweise geholfen, ins normale Leben zurückzukehren. Das beginne mit Trinken, Essen sowie passiver und aktiver Bewegung. Dieser Prozess werde ein bis drei Wochen dauern. Althaus erlitt auch Prellungen und einen Bruch im Gesicht, der aber nicht weiter behandelt werden muss.

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Nach Angaben der Klinik steht ein Psychologe bereit, wenn Althaus aus dem Koma erwacht. Er wusste noch nichts vom Tod der Skiläuferin, als er in das Koma versetzt wurde.

Rätselraten herrschte weiter über den Hergang des Unfalls, bei dem am Neujahrstag im Skigebiet Riesneralm in der Steiermark die 41-jährige Slowakin ums Leben kam. Die Behörden suchen nach wie vor nach Augenzeugen.

Der Unfall ereignete sich bei guter Sicht in einem breiten Bereich, in dem zwei Pisten zusammengeführt werden. "Es ist so, wie wenn es auf einem großen Parkplatz, wo nur zehn Autos stehen, zu einer Kollision zwischen zwei Fahrzeugen kommt", sagte der Geschäftsführer der Riesneralm Bergbahnen, Erwin Petz.

Die Slowakin, die in den USA wohnt und im Gegensatz zu Althaus keinen Helm trug, war mit ihrem Mann unterwegs und fuhr nach einem kurzen Stopp knapp oberhalb der Unfallstelle alleine voraus in die durch Warnhinweise gesicherte Pistenkreuzung.

Wucherpfennig: "Wahlkampf wird durchgeführt"

Auch Althaus war mit seiner Frau unterwegs und wurde von zwei Beamten des Thüringer Landeskriminalamts begleitet. Der Politiker fuhr jedoch voraus, so dass keiner der Begleiter den Unfall beobachtete, wie Finanzministerin Birgit Diezel in Erfurt sagte. Sie übernahm die Amtsgeschäfte als stellvertretende Ministerpräsidentin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich "tief betroffen und schockiert". Sie lasse sich regelmäßig unterrichten, erklärte ein Regierungssprecher. Nach Angaben von Bauminister Wucherpfennig wird der Wahlkampf trotz des Unfalls wie geplant durchgeführt. In Thüringen wird am 30. August ein neues Parlament gewählt. Die CDU regiert das Bundesland mit absoluter Mehrheit.

Althaus ist ein begeisterter Sportler, spielt Fußball, taucht und absolvierte im vergangenen Jahr einen Halbmarathon. Vor allem gilt er als ein sehr erfahrener und umsichtiger Skifahrer. Seit der Wende verbringt er fast jedes Jahr seinen Winterurlaub in den Alpen.

amz/dpa/AP



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