Wiedergewählter Juso-Chef Kühnert ätzt gegen Kramp-Karrenbauer

Mit 264 von 298 abgegebenen Stimmen wurde Kevin Kühnert als Juso-Vorsitzender wiedergewählt. Vorher hatte er sich über die Rede von Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem parallel stattfindenden CDU-Parteitag lustig gemacht.

Gregor Fischer/dpa

Kevin Kühnert ist im Amt als Juso-Vorsitzender für weitere zwei Jahre bestätigt worden. Der 30-jährige Berliner trat auf dem Bundeskongress der SPD-Nachwuchsorganisation in Schwerin ohne Gegenkandidat an und erhielt mit 264 von 298 knapp 88,6 Prozent der Stimmen. Damit verbesserte er das Ergebnis seiner ersten Wahl 2017, als ihm knapp 76 Prozent der Delegierten das Vertrauen ausgesprochen hatten.

Kühnert gilt als Kritiker der Großen Koalition in Berlin. Unter dem Applaus der rund 300 Delegierten bekräftigte er seine Ambitionen auf einen Sitz im neuen SPD-Bundesvorstand. "Wir haben gesagt, dass wir Verantwortung in der SPD übernehmen wollen. Wir möchten, dass sie sich verjüngt und dass sie vielfältiger wird. Davon ist bisher noch nicht so fürchterlich viel zu sehen", konstatierte Kühnert. Doch ließ er offen, ob er - wie zuvor in Interviews geäußert - einen der einflussreichen Stellvertreterposten anstrebt.

Kühnert bekräftigte die Unterstützung der Jusos für Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans im Rennen um den SPD-Parteivorsitz. Mit der Positionierung für das linke Bewerberduo solle der Status quo der SPD und der Status quo der großen Koalition infrage gestellt werden. "Wir wollen, dass die SPD aus der neoliberalen Pampa rauskommt und das glaubwürdig auch mit Gesichtern unterfüttert", sagte Kühnert.

Seitenhieb gegen Kramp-Karrenbauer: "Piefig, unterwürfig, erpresserisch"

Er sprach sich dafür aus, bereits jetzt in Gesprächen ein rot-rot-grünes Bündnis vorzubereiten. Es gelte, "die bleierne Schwere der ewig dauernden großen Koalition zu überwinden". Die auf Länderebene schon erprobte rot-rot-grüne Koalition sei auch auf Bundesebene wünschenswert, weil sich damit die aktuelle politische Blockade lösen lasse. Zweimal habe es in den zurückliegenden 15 Jahren rot-rot-grüne Mehrheiten gegeben, die zweimal aber sträflich nicht genutzt worden sei. "Wir wollen, dass diese Mehrheiten wieder entstehen. Aber wir haben dann nur noch diesen einen Schuss frei", sagte Kühnert.

Seine ganze Abneigung für die Große Koalition zeigte Kühnert in einem Seitenhieb gegen die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Zunächst zitierte er quasi wörtlich aus der Rede der Verteidigungsministerin vom parallel stattfindenden CDU-Parteitag: "Wenn Ihr der Meinung seid, dass dieser Weg, den ich gemeinsam mit Euch gehen will, nicht der Weg ist, den Ihr für den richtigen haltet: Dann lasst es uns heute aussprechen, dann lasst es uns heute auch beenden." Nur um dann anzufügen: "Ich bin saufroh und glücklich, nicht solche piefigen, unterwürfigen und erpresserischen Worte an meinen Verband richten zu müssen."

Kramp-Karrenbauer hatte zum Ende ihrer Parteitagsrede überraschend die Vertrauensfrage gestellt. Die CDU-Delegierten reagierten darauf mit minutenlangem Applaus im Stehen. SPIEGEL-Redakteur Markus Feldenkirchen bezeichnet das in seiner Videoanalyse vom Parteitag als "die müdesten Standing Ovations seit der Erfindung von Standing Ovations".

yer/dpa/

insgesamt 79 Beiträge
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o.schork 22.11.2019
1. Praktisch
Mit der Wahl eines geistigen Altkommunisten als Vorsitzenden vereinfachen die Jusos die Lage, abschreiben bei Karl Marx reicht.
monaco47 22.11.2019
2. Amüsant
Ach Gottchen Kevin, welche GRR-Mehrheiten auf Bundesebene siehst du denn? RRG in Berlin gibt einen Vorgeschmack was dann drohen würde. Für solchen Dilettantismus bekommst du in 100Jahren keine Mehrheit in Deutschland.
giftzwerg 22.11.2019
3.
Wird er es ertragen können, wenn all das Gift und die Galle, die er über andere ausschüttet, eines Tages auf ihn zurückfallen? Hr. Kühnert lehnt sich immer weit aus dem Fenster, scheut aber davor zurück, selbst echte Verantwortung zu übernehmen. Peinlich.
PETERJohan 23.11.2019
4. Diesen Komplex sollte er mal los werden
Die SPD hat einen Vertrag für 4 Jahre mit der UNION und vieles durchgebracht. Über diese Erfolge reden und nicht alles zerreden.Ohne Regierungsbeteiligung gebe es keinen Mindestlohn.Bei der Möglichkeit eine rot grün rote Regierung zu bilden war die Linke nicht Regierungsfähig, so die damalige Aussage der SPD: Wen das alle Gysis wären, dann ginge das.
Karsten Kriwat 23.11.2019
5. In vielen Punkten hat er recht...
In seiner Kritik am derzeit herrschenden Kapitalismus gebe ich Kevin Kühnert durchaus recht. Dass die Reichen in diesem System immer reicher und die Armen immer ärmer werden - das entspricht schlicht der Wahrheit. Dann sagen die Anderen: Ja, die leisten ja auch etwas im Gegensatz zu den "faulen" Hartz-IV-Empfängern, die den ganzen Tag im Bett liegen usw. Aber ist es nicht so, dass die großen Vermögen heute nicht mehr selbst erarbeitet, sondern schlicht vererbt werden? Und da bin ich wieder ganz bei Sahra Wagenknecht und den Linken statt bei der CDU...
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