Tränen bei Abschiedsrede Kevin Kühnert schwört Jusos auf linken Kurs ein

In seiner Abschiedsrede wurde der scheidende Juso-Chef noch einmal emotional. Seine designierte Nachfolgerin hat klare Vorstellungen, mit wem die SPD künftig koalieren soll.
Gerührt: Kevin Kühnert bei seiner Abschiedsrede

Gerührt: Kevin Kühnert bei seiner Abschiedsrede

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Der scheidende Juso-Chef Kevin Kühnert hat die SPD-Nachwuchsorganisation in seiner Abschiedsrede dazu aufgerufen, an ihrem dezidiert linken Kurs festzuhalten. Die Coronakrise habe gezeigt, dass sich viele Dinge umsetzen ließen, welche die Jusos lange gefordert hätten – etwa die Aussetzung der Schuldenbremse, massive staatliche Investitionen, Arbeitsplatzgarantien.

»Warum soll das eigentlich nur in Krisenzeiten möglich sein?«, sagte Kühnert auf dem digitalen Juso-Bundeskongress »Die Finanzierung scheint offensichtlich nicht das Problem zu sein.« Kühnert bekräftigte die Juso-Forderung nach einer Wiedereinführung der Vermögensteuer.

Der 31-jährige Kühnert tritt nicht erneut für den Juso-Vorsitz an. Er will sich auf seine Rolle als SPD-Bundesvize konzentrieren und für den Bundestag kandidieren. In seiner emotionalen Abschiedsrede zeigte er sich zu Tränen gerührt.

»Das mag etwas merkwürdig sein für Leute, die da jetzt zuschauen – warum heult der da jetzt rum?«, sagte er mit tränenerstickter Stimme. Er habe »ein heftiges Pensum in den letzten Jahren gemacht« und dabei immer die »bedingungslose Unterstützung« der Jusos für »den ganzen Wahnsinn« erhalten, fügte Kühnert hinzu. Es habe ihm einen »bombastischen Spaß« gemacht.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Den Jusos sei es in den vergangenen Jahren auch darum gegangen, die Parteien aufzurütteln, die sich alle zu sehr in der Mitte des politischen Spektrums versammelt hätten und sich alle irgendwie einig seien. »Als Antwort auf unsere Vorschläge will ich nicht hören: >Mann, seid ihr verrückt<, sondern ich will Gegenvorschläge hören«, sagte Kühnert.

Desiginierte Nachfolgerin Rosenthal will Linksbündnis

Einzige Kandidatin für Kühnerts Nachfolge ist die 28-jährige Lehrerin Jessica Rosenthal aus Bonn. Rosenthal ging auf Distanz zu SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. »Ich will keine Kampagne sehen, in der es immer nur um einen einzigen Menschen geht«, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Olaf Scholz ist klar, dass er Angebote an die Jusos und junge Menschen machen muss. Die fordere ich ein.«

So pochten die Jusos unter anderem auf eine staatliche Ausbildungsgarantie, sagte Rosenthal. Außerdem müsse Kühnert im Wahlkampf eine führende Rolle spielen. Rund 300 Delegierte wählen die neue Vorsitzende per Briefwahl. Das Ergebnis soll am 8. Januar verkündet werden.

Rosenthal, die ebenfalls in den Bundestag strebt, lehnt die Große Koalition mit der Union unverändert ab. Der SPD gelinge es trotz guter Arbeit ihrer Minister nicht, zu punkten, kritisierte sie in dem Funke-Interview. Rosenthal setzt auf ein Linksbündnis mit Grünen und Linken: »Das oberste Ziel dieses Bundestagswahlkampfes muss es sein, dass die Union aus dem Kanzleramt raus- und in die Opposition geschickt wird.«

Am Prinzip der Marktwirtschaft übte Rosenthal grundsätzliche Kritik. »Dieses kapitalistische Wirtschaftssystem wird auf Dauer nicht mehr funktionieren. Es beruht auf Ausbeutung des Menschen und der Natur«, sagte sie. Die Wirtschaft müsse demokratisiert, Beschäftigte an Unternehmen beteiligt werden.

clh/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.