Kfor-Truppen Großrazzia im Kosovo

Die Kfor-Friedenstruppe hat eine groß angelegte Waffen-Razzia in der zwischen Serben und Kosovo-Albanern geteilten Stadt Kosovska Mitrovica gestartet. 2500 deutsche, französische und amerikanische Soldaten durchsuchten nach wochenlangen Spannungen jedes Haus.


Kosovska Mitrovica - Bereits zu Beginn der Aktion wurden mehrere Kalaschnikows und Plastiksprengstoff vor allem im Nordteil der Stadt gefunden, in dem mehrheitlich Serben leben. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

Kfor-Soldaten in Mitrovica
REUTERS

Kfor-Soldaten in Mitrovica

Deutsche und amerikanische Soldaten wurden während der Aktion von wütenden Serben verfolgt. Ein Kordon französischer Soldaten versuchte vergeblich, die Menge zurückzuhalten. Zahlreiche Serben warfen mit Flaschen und größeren Steinen auf zwei Panzerwagen der Bundeswehr. Die Soldaten zogen sich daraufhin zurück. US-Soldaten wurden an anderer Stelle mit Schneebällen beworfen, später flogen auch Steine, Ziegel und Holzscheite auf die Wagen der US-Streitkräfte. Von einigen Jeeps wurden die Scheiben zerstört.

Vertreter der Serben beschwerten sich über ein gewaltsames Vorgehen vor allem der Amerikaner. In einem Studentenwohnheim seien alle Türen eingetreten worden. Auch ein Kinderkrankenhaus sei durchsucht worden. Oliver Ivanovic, ein Sprecher der Serben, warf den USA Provokation vor. Er berichtete von vier Verletzten, die Schnittwunden und Augenreizungen von Pfefferspray davongetragen hätten. Französische Soldaten suchten jeden Tag nach Waffen, sagte Ivanovic. Aber dabei habe es nie Probleme gegeben.

Die Einwohner von Kosovska Mitrovica wurden am Morgen über Rundfunk, mit Lautsprechern und Flugblättern über die Razzia informiert, die nach Angaben der Kfor mehrere Tage dauern soll. Wer Waffen besäße oder verdächtigt würde, Hass und Gewalt zu verbreiten, werde festgenommen, hieß es. In der Stadt stiegen die Spannungen zwischen den verfeindeten Volksgruppen, nachdem Anfang Februar ein Bus mit Serben von einer Rakete getroffen worden war. Dabei kamen zwei Serben ums Leben. Bei Kämpfen in der Stadt wurden in der Folge sieben Menschen getötet und Dutzende verletzt.



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