"Kieler Nachrichten" Grüne Lokalpolitiker täuschten Zeitung mit falschen Leserbriefen - Rücktritte

Zwei Lokalpolitiker der Grünen in Schleswig-Holstein haben gefälschte Leserbriefe an die "Kieler Nachrichten" geschickt. Nun sind sie von ihren Ämtern zurückgetreten.

Drei gefakte Leserbriefe wurden in den "Kieler Nachrichten" veröffentlicht, dann begann die Redaktion zu recherchieren
Daniel Reinhardt/ dpa

Drei gefakte Leserbriefe wurden in den "Kieler Nachrichten" veröffentlicht, dann begann die Redaktion zu recherchieren


Wochenlang hat die Redaktion der "Kieler Nachrichten" recherchiert, dann kamen sie ihnen auf die Schliche: Zwei Mitglieder der Grünen in Schleswig-Holstein haben Leserbriefe an die Zeitung gefälscht. Bürgervorsteher und Kreistagsabgeordneter Dennis Mihlan und Fraktionschef Andreas Müller aus Schwentinental (Kreis Plön) gaben sich demnach als "Walter Stängel" und "Bernd Seiler" aus - und äußerten sich in ihren Briefen kritisch über andere Parteien.

Nun sind Mihlan und Müller von ihren Ämtern zurückgetreten. Ihre Mandate im Kreistag und in der Stadtvertretung Schwentinental wollen sie allerdings behalten. SPD, CDU, SWG und FDP in der Stadt fordern nun, dass die beiden Grünen auch ihre Mandate abgeben. Der örtliche Kreisverband der Grünen hatte die Aktion seiner Mitglieder kritisiert.

Seit Mai 2018 sollen die beiden Lokalpolitiker fünf Leserbriefe eingereicht haben. Drei davon wurden veröffentlicht. Sie wandten sich in ihren Schreiben gegen den parteilosen Bürgermeister Michael Stremlau, gegen CDU und SPD und übten auch Kritik an den Stadtwerken und dem Freibad.

Das letzte Schreiben ging am 22. Juli ein. Der Redaktion fielen darin Ähnlichkeiten mit Pressemitteilungen und Anträgen auf - und sie begann, die Briefe zu überprüfen. Über ein Chatforum und ein falsches Facebook-Profil kam die Redaktion auf die beiden grünen Politiker.

Zunächst bestritt Milhan den Vorwurf. Am Montag soll er dann aber zugegeben haben, Autor der Briefe unter dem Namen "Walter Stängel" gewesen zu sein. Auch Müller gestand, sich als Bernd Seiler ausgegeben zu haben.

Beide entschuldigten sich bei der Zeitung. In einer Stellungnahme hieß es: "Wir bedauern die Vorfälle zutiefst, halten sie uns doch einen Spiegel vor, für einen politischen Stil, den wir selbst wiederholt kritisiert haben und von dem wir nie wollten, dass er unserer würde."

mfh

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insgesamt 109 Beiträge
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tomlex27 30.08.2019
1. Was noch so bei den Grünen läuft....
...möchte ich gar nicht wissen. Ist übrigens der alte Landesverband von Habeck.
Da_Niel 30.08.2019
2. Trolle und Bezahlschreiber
sind ja wahrlich nix Neues und auch wenn ich sie für äusserst erbärmlich und verachtenswert halte, finde ich Leute, die mit der Begründung "das machen doch alle!" darüber hinweg sehen, für noch viel erbärmlicher und verachtenswerter!
GeMe 30.08.2019
3. Was haben die sich dabei gedacht?
Das sind ja Methoden, die man in ähnlicher Art nur von der AfD kennt. Ein Rücktritt von allen Ämtern und Mandanten wäre konsequent.
bernhardlang 30.08.2019
4. Ist doch nicht schlimm
Es sind ja die guten
tzoumaz 30.08.2019
5. Sumpf bis auf die kommunale Ebene
was treibt einen normalen Bürger an, Leserbriefe und seine Identität zu fälschen? Es gibt nur eine Antwort: krank!
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