Kim Jong Un und Wladimir Putin Danke für nichts

Es war als Ereignis verkauft worden: Zum ersten Mal trafen sich der nordkoreanische Machthaber Kim und der russische Präsident Putin. Doch konkrete Ergebnisse gab es nicht. Dafür aber deutliche Hinweise an andere Staatschefs.

Kim Jong Un und Wladimir Putin bei ihrem Treffen in Wladiwostok
Alexei Nikolsky/ Sputnik/ Kremlin/ AP

Kim Jong Un und Wladimir Putin bei ihrem Treffen in Wladiwostok

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Russlands Präsident Wladimir Putin ist berüchtigt dafür, seine Gesprächspartner warten zu lassen. Bis heute führt Kanzlerin Angela Merkel die Liste an. Bei einem geplanten Zusammentreffen mit Putin in Mailand - auf dem Höhepunkt der Ukrainekrise 2014 - musste die CDU-Politikerin mehr als vier Stunden warten. Auch US-Präsident Donald Trump, selbst nicht immer der Pünktlichste, wartete beim Gipfel mit dem russischen Staatschef in Helsinki immerhin eine Stunde. Anders lief es nun beim Treffen zwischen Putin und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un: Eine halbe Stunde vor seinem Gast soll Putin zum Vieraugengespräch in Wladiwostok eingetroffen sein.

Noch dazu dauerte das Gespräch zwischen den beiden fast doppelt so lange wie protokollarisch vorgesehen. Im Anschluss bezeichneten Kim und Putin den Austausch als "inhaltsvoll" - allerdings kam, den zeitlichen Anstrengungen zum Trotz, wohl wenig Gehaltvolles beim ersten Treffen des russischen Staatschefs mit dem nordkoreanischen Diktator heraus.

So machte Moskau keinerlei öffentliche Zusagen über weitere Wirtschaftshilfen für Pjöngjang, das international weitestgehend isoliert ist und unter Sanktionen steht. Beim zweiten wichtigen Thema, der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel, verwies Putin darauf, dass Nordkorea Sicherheitsgarantien für den Fortbestand des Landes brauche. "Ich glaube nicht, dass Vereinbarungen zwischen zwei Ländern ausreichen werden", sagte Putin bei einer Pressekonferenz. Zudem will sich Moskau für ein etappenweises Vorgehen einsetzen, bei dem es für Schritte bei der Abrüstung im Gegenzug eine Lockerung der Sanktionen gegen Pjöngjang gibt.

Am Mittwoch hatte Kim mit seinem gepanzerten Sonderzug die Grenze zwischen Nordkorea und Russland überquert. Stunden später war er in der Hafenstadt Wladiwostok im äußersten Osten Russlands angekommen - schon sein Vater Kim Jong Il hatte sie besucht, zuletzt 2011. Er habe sich an die "große Liebe für Russland" seines Vaters erinnert gefühlt, sagte Kim vor dem Treffen mit Putin.

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Kim besucht Putin: Mit der Lok nach Wladiwostok

Ein abschließendes Papier gab es in Wladiwostok aber nicht zu unterzeichnen. Darum ging es dem Kreml aber auch nicht. Der Gipfel mit Kim ist für Putin eher eine Gelegenheit, sich als wichtiger Akteur auf internationaler diplomatischer Bühne zu inszenieren. Wobei er sich davor hütet, in der Koreafrage gegen die Regierungslinie aus Peking zu agieren. Laut der chinesischen Staatszeitung "Global Times" berührt die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel keines der Kerninteressen des russischen Präsidenten. Die chinesische Regierung begrüße es aber, dass sich Putin ebenfalls für eine friedliche Lösung des Konflikts einsetze.

"Putin weiß, wie er sein Geld zusammenhalten kann, und er hat nichts davon übrig für Kim", sagte Artyom Lukin, Experte für Beziehungen zwischen Russland und Asien, dem "Wall Street Journal".

Das ist zwar ernüchternd für Kim, der in das Treffen größere Hoffnungen gesetzt haben dürfte. Doch auch er wird mit der Symbolik aus Wladiwostok zufrieden gewesen sein - in seinem Fall bezogen auf Washington. Erst vor knapp zwei Monaten war der zweite Gipfel zwischen ihm und Trump in Vietnam ergebnislos abgebrochen worden. Nun ist es Kim wichtig zu zeigen, dass ihm auch noch weitere Optionen bleiben, und sei es nur, um weiter als ernst zu nehmender Gesprächspartner wahrgenommen zu werden.

Wie Trump beim ersten Treffen mit Kim in Singapur hatte auch Putin nette Worte für den Diktator übrig, wenn auch weniger überschwänglich: Kim sei ein "recht offener" Mensch, "nachdenklich" und "interessant", sagte der russische Staatschef. Der US-Präsident hatte den Nordkoreaner im vergangenen Jahr noch als "sehr talentiert" bezeichnet und als einen Mann, "der sein Land sehr liebt".

Kim und Putin in Wladiwostok
Alexei Nikolsky/ Sputnik/ AP

Kim und Putin in Wladiwostok

Putin versprach, die US-Seite bei Interesse offen über das Treffen mit Kim zu informieren. Davon kann er ausgehen: Im Vorfeld des Treffens war extra ein Sondergesandter aus Washington nach Russland geschickt worden. Der nordkoreanische Machthaber habe ihn selbst darum gebeten, den USA die Position noch einmal zu übermitteln, sagte Putin. "Es gibt keine Geheimnisse."



insgesamt 10 Beiträge
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Augustusrex 25.04.2019
1. Warum auch?
Warum auch sollte Putin sich dort stärker involvieren als unbedingt notwendig. NK ist ein permanenter Stachel im Fleisch des Westens, vor allem der USA. Und so wie diese Lage ist, hat Putin nur Vorteile davon.
dieter.zuckermann 25.04.2019
2.
Zitat von AugustusrexWarum auch sollte Putin sich dort stärker involvieren als unbedingt notwendig. NK ist ein permanenter Stachel im Fleisch des Westens, vor allem der USA. Und so wie diese Lage ist, hat Putin nur Vorteile davon.
Auch Russland hat ein Interesse daran, dass Nordkorea sich entwickelt. Das Interesse ist jetzt nicht sonderlich groß, man hat aber nichts davon Nordkorea wirtschaftlich schwach zu halten. Die Sicht des Westen interessiert in Russland niemanden, ja, es ist willkommen irgendwo dem Westen ein Bein zu stellen. Wichtiger als der Westen ist aber China. Das ist ein Partner und viel wichtiger als Nordkorea. Man wird im Großen und Ganzen die Position Chinas vertreten. China nicht zu provozieren ist wichtiger als den Westen zu provozieren.
menefregista 25.04.2019
3. Kryptische Diplomatentexte
" Putin versprach, die US-Seite bei Interesse offen über das Treffen mit Kim zu informieren. " Das kann man jetzt so verstehen, dass die Herren in Peking und in Moskau über das Wesentliche in Nordkorea bestimmen und dem Zaungast in Washington höflichst mitteilen wollen, wann es soweit ist und Änderungen beschlossen wurden. Vorerst ist also nichts geplant. Kim; " Er habe sich an die "große Liebe für Russland seines Vaters erinnert gefühlt, sagte Kim ". Damit waren die vielen hunderte von Millionen geschenkte Rubel gemeint und das Kriegsmaterial und was man noch so alles braucht, um ein echter Kommunist zu sein, der gegen den bösen Westen mit den guten und hilfsbereiten Russen kooperiert. Von all dem hat Wladimir Putin nichts mehr für die Nachkommen der alten Betonstalinistern in erster und zweiter Generation übrig. Mehr war bei der Reise nicht drin und vermutlich war auch nicht mehr beabsichtigt, als Trump zu zeigen, wo die Wege Gottes in Asien hinführen.
konstruktiv_ 25.04.2019
4. Russland
Zitat von dieter.zuckermannAuch Russland hat ein Interesse daran, dass Nordkorea sich entwickelt. Das Interesse ist jetzt nicht sonderlich groß, man hat aber nichts davon Nordkorea wirtschaftlich schwach zu halten. Die Sicht des Westen interessiert in Russland niemanden, ja, es ist willkommen irgendwo dem Westen ein Bein zu stellen. Wichtiger als der Westen ist aber China. Das ist ein Partner und viel wichtiger als Nordkorea. Man wird im Großen und Ganzen die Position Chinas vertreten. China nicht zu provozieren ist wichtiger als den Westen zu provozieren.
Seltsame Analyse von ihnen. Russland hat wenig Interesse an Nordkorea, außer symbolische Aktionen. Für Russland ist Europa als Handelspartner am Wichtigsten, nicht USA und nicht China. Ihre Meinung scheint mir eher ideologisch motiviert zu sein und nicht faktenbasiert. Jedenfalls lesen sich ihre pauschalisierenden, anti-westlichen Untertöne darin so.
dgbmdss 25.04.2019
5. einfach ignorieren,
denn wie bei Trump ist eh alles gelogen. Zwei kleingewachsene Diktatoren, Herrscher über weitgehend isolierte und sanktionierte Länder, die ihre Macht mühsam mit Geheimdiensten aufrecht erhalten können, während das Volk immer weniger hat. Vielleicht hat Kim ja ein paar "offiziell" abgerüstete Kurzstreckenraketen mit Flüssigantrieb zugesagt bekommen. Er hat seine wohl verschossen und der alte Schrott ist selbst den Russen mittlerweile zu gefährlich.
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