Kinderbetreuung Experten erwarten stark steigenden Bedarf an Kita-Plätzen

Das Deutsche Jugendinstitut rechnet damit, dass in den kommenden Jahren deutlich mehr Kita-Plätze gebraucht werden als bislang erwartet. Den von der Bundesregierung für 2013 angepeilten Bedarf von Plätzen für 35 Prozent der Kleinkinder halten die Experten für viel zu niedrig.
Kleinkinder in der Kita: "der Preis des Erfolgs"

Kleinkinder in der Kita: "der Preis des Erfolgs"

Foto: ddp

Erfurt - Der Krippenausbau in Deutschland geht nach Ansicht des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in München zu langsam voran. Die Fachleute dort gehen davon aus, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kleinkinder 2013 oberhalb von 35 Prozent liegen wird. DJI-Direktor Thomas Rauschenbach forderte daher in der "Thüringer Allgemeinen" vom Freitag die Bundesregierung auf, die Ausbaupläne für die Kinderbetreuung nachzubessern, denen die Bedarfsprognose von 35 Prozent zugrundeliegt. "Die 35 Prozent waren damals eine politische Planungsgröße. Spätestens mit Einführung des Rechtsanspruchs mussten alle Verantwortlichen wissen, dass am Ende unter dem Strich auch andere Bedarfsgrößen stehen können", sagte Rauschenbach weiter.

Das bereits heute mehr Eltern einen Betreuungsplatz für Kinder im Alter bis zu drei Jahren nachfragen, ist nach Einschätzung des DJI-Direktors "der Preis des Erfolgs". Man könne nicht jahrelang für die Kinderbetreuung werben und sich dann wundern, dass es auf einmal mehr Nachfrage gebe. Der Betreuungsausbau sei immer noch eine "Aufgabe von nationaler Tragweite, der alle Kräfte bündeln muss", betonte Rauschenbach. Sobald zuverlässige neue Rahmendaten vorlägen, an denen sein Institut gerade arbeite, "müssen sich alle politisch Verantwortlichen zusammensetzen und bilanzieren, wo Deutschland in Sachen Krippenausbau steht".

Notfalls müsse der Bund weitere finanzielle Hilfe leisten, auch wenn er seine zugesagten vier Milliarden Euro für den Krippenausbau bisher wirklich eingehalten habe, verlangte der DJI-Direktor. Auch die Länder seien dann erneut gefordert. Forderungen der Kommunen, den vereinbarten Rechtsanspruch wieder aufzugeben, weil die Plätze 2013 womöglich nicht reichten, wies Rauschenbach vehement zurück. "Das wäre der Super-Gau in Sachen politischer Glaubwürdigkeit". Stattdessen forderte er die Kommunen auf, 2011 den lokalen Bedarf zu erheben, "um für 2013 gewappnet zu sein und keine Überraschungen mit Blick auf Unter- oder Überkapazitäten zu erleben".

Das Deutsche Jugendinstitut hatte 2005 einen bundesdurchschnittlichen Betreuungsbedarf für Kleinkinder von etwa 35 Prozent ermittelt. Dieser Wert wurde dann zur Grundlage der Krippenausbaupläne der Bundesregierung.

ler/AFP
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