Kinderhilfswerk Unicef soll Garlichs' Lebensversicherung finanziert haben

Keine Entwarnung bei Unicef: Nach dem Rücktritt von Geschäftsführer Dietrich Garlichs verstärkt die Kölner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen. Unter anderem geht es um eine Lebensversicherung, die sich der umstrittene Ex-Manager angeblich von dem Uno-Kinderhilfswerk finanzieren ließ.


Berlin - Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Garlichs wegen des Verdachts der Untreue. Das Kinderhilfswerk habe neue Unterlagen an die Ermittler ausgehändigt, sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld. Darunter seien auch Papiere zu einer Lebensversicherung zugunsten Garlichs'. Am Donnerstag habe man Wirtschaftsprüfer von KPMG zu ihrem Sondergutachten zu den Untreuevorwürfen angehört, sagte Feld. Garlichs hatte sein Amt am Freitag zur Verfügung gestellt.

Sammeldose des Uno-Kinderhilfswerks Unicef: "Der Name wird beschmutzt bleiben."
DDP

Sammeldose des Uno-Kinderhilfswerks Unicef: "Der Name wird beschmutzt bleiben."

Die Staatsanwaltschaft prüfe ferner im Zusammenhang mit einer Lidl-Spende von einer halben Million Euro eine Provisionszahlung an den Spendensammler Victor L., berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus". Dieser habe 30.000 Euro kassiert, ohne die Großspende akquiriert zu haben. Ein weiterer Punkt auf der Liste der Ermittler seien die Zahlungen des Marketingexperten Ullrich Z. Dieser habe bei Tagessätzen von bis zu 986 Euro insgesamt mehr als 300.000 Euro erhalten.

Spendensiegel in Gefahr

Auf die Prüfung zum Spendensiegel hat der Rücktritt Garlichs' keinen Einfluss. "Der Rücktritt ist eine personelle Frage, die helfen kann, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, aber das ändert die Strukturen nicht", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, Burkhard Wilke, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Das Institut vergibt jedes Jahr das Spendensiegel an mehr als 200 Organisationen. Wilke kritisierte die Strukturen der UNICEF-Führung und die mangelnde Kommunikation zwischen ehrenamtlichem Vorstand, angestellter Geschäftsleitung und den Arbeitsgruppen vor Ort. Zudem müsse der Geschäftsbericht transparenter werden.

Die Grünen begrüßten, dass Garlichs den Weg für einen personellen Neuanfang bei Unicef Deutschland freigemacht habe. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kerstin Müller forderte zugleich rasche Reformen, damit Unicef aus der Vertrauenskrise komme. Dazu sollte schnell eine Sondersitzung der Mitgliederversammlung einberufen werden.

Als notwendige Reformen nannte Müller, die Mitglied im Komitee von Unicef Deutschland ist, die Trennung von Vorstand und Geschäftsführung, eine "absolute Transparenz" bei der Vergabe von Verträgen und eine Debatte um ein Leitbild von Unicef, auch im Hinblick darauf, inwieweit eine solche Hilfsorganisation professionell Spenden akquirieren dürfe.

Unicef-Mitarbeiter distanzieren sich von Management

Unterdessen berichtet die "Frankfurter Rundschau" über ein Schreiben von Mitarbeitern der Kölner Unicef-Zentrale an die Zeitung. "Die absolut überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter war völlig geschockt, als Frau (die ehemalige Vorsitzende Heide, Anm. d. Red.) Simonis am Samstag zurückgetreten ist", zitiert die Zeitung.

"Ganz besonders aufgeregt hat uns die verlogene Pressekonferenz unserer Führungsriege am Mittwoch in Berlin. Da fliegt ein ganzer Tross in die Hauptstadt, um nichts anderes zu tun, als Herrn Garlichs zu decken und Frau Simonis zu denunzieren."

Primär sei es den Mitarbeitern nicht wichtig, was bei den juristischen Ermittlungen gegen Geschäftsführer Dietrich Garlichs herauskomme, schreibt die Zeitung unter Berufung auf das Schreiben: "Die moralische Seite ist so verwerflich! Der Name Unicef wird beschmutzt bleiben."

hil/ddp/AP



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