Aufstockung wegen Corona-Pandemie Bundestag beschließt Verdopplung der Kinderkrankentage

Eltern sollen das Kinderkrankengeld häufiger und auch für die Corona-bedingte Betreuung zu Hause beantragen können. Der Opposition greift die Maßnahme aber zu kurz.
Leere Kindertagesstätte

Leere Kindertagesstätte

Foto: Weiss / Eibner / IMAGO

Für Eltern dürfte der Beschluss zumindest etwas finanzielle Entlastung bedeuten: Der Bundestag hat einer Aufstockung der Kinderkrankentage pro Elternteil von 10 auf 20 zugestimmt. Alleinerziehende erhalten 40 statt der üblichen 20 Tage.

Damit verdoppelt sich der Anspruch gesetzlich versicherter Eltern auf das Kinderkrankengeld. Dabei handelt es sich um eine Ausfallzahlung durch die Krankenkassen, die bis zu 90 Prozent des Nettoverdiensts  betragen kann. Ursprünglich ist die Regelung für den Fall gedacht, dass Eltern ihre unter 12-jährigen Kinder krankheitsbedingt zu Hause betreuen müssen und deshalb nicht arbeiten können.

Auszahlung auch bei geschlossenen Schulen und Kitas

Nun soll es das Krankengeld ausdrücklich auch dann geben, wenn Schulen und Kitas geschlossen sind oder der Zugang eingeschränkt ist. Außerdem wird es ausgezahlt, wenn Eltern lediglich gebeten wurden, ihre Kinder nicht in die Einrichtung zu bringen.

Das Geld sollen auch Eltern bei ihrer Krankenkasse beantragen können, die theoretisch im Homeoffice arbeiten könnten. Für den Antrag reicht eine Bescheinigung von Schule oder Kita.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte nach der Zustimmung im Bundestag, es sei sehr wichtig, »Lehren aus dem letzten Jahr« zu ziehen. Eine davon sei, dass Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung »nicht vereinbar« seien. Dies sei eine »zu große Belastung« für Familien, der man nun entgegenwirke, sagte Giffey. Die Ministerin betonte auch, dass die Schließung von Kitas und Schulen »keine langfristige Option« sein könne. Denn dabei werde auch die Gesundheit der Kinder belastet.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte, die Bundesregierung wolle Familien Lasten von den Schultern nehmen, wo immer es möglich sei. »Wir sind in einer der schwersten Phasen dieser Pandemie«, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dies bedeute viele Härten für Familien.

Der Bundesrat befasst sich am Montag in einer Sondersitzung mit der Änderung beim Kinderkrankengeld. Sie soll rückwirkend zum 5. Januar gelten. Bund und Länder hatten sich bei ihren Corona-Krisenberatungen an diesem Datum auf die Aufstockung der Krankentage verständigt.

Kritik an dem Beschluss gab es von der Opposition. Zwar sei die Maßnahme ein Schritt in die richtige Richtung, erklärte die familienpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Katrin Werner. Es sei jedoch »absehbar, dass die Tage nicht für das ganze Jahr reichen.« Auch die Grünenpolitikerin Katharina Dröge bemängelte, es sei unklar, was Eltern machen sollten, wenn die Kinderkrankentage aufgebraucht sind. Zudem fehlten Regelungen für Selbstständige.

fek/mes/dpa/AFP/Reuters
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