Kinderporno-Vorwürfe gegen Abgeordneten SMS-Inhalte bringen Tauss in Erklärungsnot

Per Kurznachricht soll der SPD-Politiker Jörg Tauss bei einem Kontaktmann kinderpornografisches Material geordert haben. Nach SPIEGEL-Informationen sind die SMS-Texte eindeutig, die Handy-Nummer ordnen die Fahnder dem Abgeordneten zu. Er soll frühestens Ende nächster Woche vernommen werden.


Hamburg - Der SPD-Politiker Jörg Tauss, gegen den die Staatsanwaltschaft Karlsruhe seit Donnerstag wegen des Verdachts des Besitzes kinderpornografischer Schriften ermittelt, soll nach derzeitigen Erkenntnissen der Fahnder mit einem Kontaktmann in Bremerhaven in eindeutiger Weise kommuniziert haben. Nach Informationen des SPIEGEL sei unter einer Handy-Nummer, welche die Fahnder dem Politiker zuordnen, per SMS die Aufforderung versandt worden, mehr Material zu schicken. Auch sollen sich beifällige Kommentare wie "geil" finden.

SPD-Politiker Tauss: Der Druck wird stärker
DDP

SPD-Politiker Tauss: Der Druck wird stärker

Tauss wird sich frühestens Ende nächster Woche gegenüber der Staatsanwaltschaft äußern können. Eine Befragung von Tauss sei in den nächsten Tagen nicht geplant, sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Rehring am Samstag. Die Ermittler würden zunächst die bei ihm beschlagnahmten Dateien untersuchen. Erst danach sei geplant, ihn mit den Vorwürfen zu konfrontieren.

Auf die Spur des Politikers hatte die Ermittler eine Durchsuchung bei dem 29-jährigen Bremerhavener Sascha H. im Juli 2008 geführt. Der Lagerarbeiter war bereits ein gutes halbes Jahr zuvor wegen des Besitzes von Kinderpornos verurteilt worden - zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Die Behörden stellten bei ihm drei Handys und einen Computer sowie diverse Unterlagen sicher. Der Arbeiter, der im Chat eines Privatsenders geworben haben soll, zeigte sich kooperativ und nannte den Ermittlern seine Zugangs-PIN.

So konnten die Fahnder 51 Kontakte mit Namen und Anschrift ermitteln. Unter dem Namen "Werner" waren dort Nummern abgespeichert, die zu dem SPD-Mann Tauss aus dem badischen Kraichtal-Gochsheim führten. Im Zeitraum zwischen Oktober 2007 und Juli 2008 stellten die Ermittler 23 Kontakte zwischen den ihm zugeordneten Nummern und dem Bremerhavener fest, via SMS und MMS.

Zudem soll der Bremerhavener einen Datenträger an Tauss’ Berliner Privatadresse geschickt haben, adressiert mit dem leicht abgeänderten Nachnamen seines ehemaligen Mitbewohners, der noch auf dem Briefkasten steht. Eine gesonderte Vernehmung des Bremerhaveners speziell zum Fall "Werner" erhärtete nach Einschätzung der Ermittler den Verdacht. Der SPD-Politiker bestreitet die Vorwürfe. Für Mittwoch ist ein Gespräch mit der Staatsanwaltschaft anberaumt.

Tauss’ Anwalt Jan Mönikes beklagt im Umgang mit seinem Mandanten eine "Vorverurteilung, wie ich sie noch nicht erlebt habe". Gegen diesen Vorverurteilungsvorwurf wehrt sich die Staatsanwaltschaft: Die Anklagebehörde habe den Bundestagsabgeordneten durch öffentliche Äußerungen nicht vorverurteilt, sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Rehring. Bei den Ermittlungen habe die Staatsanwaltschaft gezielt auch nach Hinweisen gesucht, die den Anfangsverdacht hätten entkräften können. "Das Gegenteil war der Fall", sagte Rehring. Der Verdacht habe sich vielmehr erhärtet.

Am Donnerstag hatte der Bundestag die Immunität des Abgeordneten aufgehoben. Kurz darauf waren von der Staatsanwaltschaft Büros und Wohnungen des SPD-Politikers in Berlin und Bretten (Kreis Karlsruhe) durchsucht worden. In Berlin waren die Ermittler fündig geworden. Dies bedeute aber nicht, dass der SPD-Politiker damit überführt sei, betonte ein Sprecher. Der Politiker habe das "einschlägige Material" mit seiner Tätigkeit als Abgeordneter erklärt.

otr/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.