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23. Mai 2012, 18:49 Uhr

Gerangel um Linken-Spitze

Ernst schlägt Wagenknecht als Parteichefin vor

Linken-Chef Ernst hat einen weiteren Namen in die Diskussion über die künftige Parteispitze eingebracht: Sahra Wagenknecht. Die Lebensgefährtin Oskar Lafontaines besitze Ausstrahlung über die Partei hinaus. Inzwischen gibt es acht Bewerber für den Posten - und es könnten noch mehr werden.

Berlin/München - Der Chef der Linken, Klaus Ernst, favorisiert nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine dessen Partnerin Sahra Wagenknecht als neue Parteivorsitzende. "Sie hat Ausstrahlung weit über die Partei hinaus. Ich halte sie für besonders geeignet als Vorsitzende", sagte Ernst der "Süddeutschen Zeitung". Er sei dafür, "dass wir die Idee einer weiblichen Doppelspitze zur Grundlage der Suche nach einer integrativen Lösung machen".

Zuvor hatten die Vize-Parteichefin Katja Kipping und die Landeschefin aus Nordrhein-Westfalen, Katharina Schwabedissen, ihre Kandidatur erklärt. Die beiden würden für einen Generationswechsel der Genossen stehen. Sie hatten sich bereits wiederholt für eine weibliche Doppelspitze stark gemacht - als Reaktion auf den lähmenden Machtkampf zwischen Dietmar Bartsch und Oskar Lafontaine, der am Dienstag überraschend erklärt hatte, nicht für einen Spitzenposten zur Verfügung zu stehen. Bartsch dagegen hält bisher an seiner Kandidatur fest.

In der Linken gibt es durchaus Sympathien für eine weibliche Doppelspitze - die Parteisatzung lässt diese Variante ausdrücklich zu. Doch wie jetzt Klaus Ernst hatte zuvor schon Parteivize Heinz Bierbaum angedeutet, dass Sahra Wagenknecht dabei eine zentrale Rolle spielen müsse. Die stellvertretende Parteivorsitzende ließ bisher keinerlei Ambitionen auf den Chefposten erkennen. Am Mittwochabend schloss sie eine Kandidatur jedoch nicht mehr gänzlich aus: "Ich hoffe, dass diese Variante nicht notwendig sein wird, und wir trotzdem eine gute Lösung finden."

Ernst schilt Bartsch und Gysi

Harsche Kritik äußerte Ernst am Umgang von Teilen der Partei mit Lafontaine. "Es gab eine unerträgliche Debatte. Oskar Lafontaine hat sich bereit erklärt, in einer schwierigen Zeit für die Partei Verantwortung zu übernehmen und uns wieder nach vorn zu bringen. Dafür ist er beschimpft worden", sagte der Parteichef. "Lafontaine steht für ein paar Prozent mehr - und zwar in West wie Ost. Diejenigen, die ihn beschimpft haben, müssen sich fragen, ob das geholfen hat oder geschadet", betonte Ernst. Indirekt forderte er Lafontaines Gegenspieler Dietmar Bartsch zum Rückzug auf: "Er sollte darüber nachdenken, ob eine weibliche Doppelspitze nicht sinnvoller ist. Bartsch polarisiert offenkundig. Wir brauchen aber Integrationsfiguren."

In diesem Zusammenhang tadelte Ernst auch den Fraktionschef der Linken im Bundestag. "Gysi hat öffentlich ein Gespräch zwischen Lafontaine, Bartsch und mir bewertet, an dem er selbst gar nicht teilgenommen hat. Sicher hat auch das zur Entscheidung Lafontaines beigetragen", sagte Ernst. Gysi hatte sich am Montag in einer Erklärung auf die Seite von Bartsch gestellt. Die Linke wählt Anfang Juni in Göttingen ihre neue Führung.

Für die neue Doppelspitze liegen dem Parteivorstand inzwischen acht Kandidaturen vor, sagte ein Parteisprecher am Mittwochnachmittag. Neben Fraktionsvize Bartsch, Kipping, Schwabedissen und der sächsischen Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann haben sich vier weitgehend unbekannte Männer gemeldet. Weitere Kandidaturen können folgen - auch noch beim Parteitag in Göttingen.

ler/dpa

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