Kirchenprotest gegen den Krieg "Ein Angriffskrieg ist sittlich verwerflich"

Die Kritik an einem möglichen Irak-Krieg durch die Kirchen in Deutschland wird lauter. Die evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg rief zur Teilnahme an einer Demonstation am 15. Februar auf. Die katholischen Bischöfe kündigten eine Erklärung gegen den Irak-Krieg an. In mehreren Städten gab es am Samstag bereits Demonstrationen.

Berlin/Rostock/Tübingen - Die Synode der Berlin-Brandenburgischen Kirche sprach sich am Samstag nahezu einstimmig gegen einen Krieg gegen den Irak aus. Sie rief außerdem zur Teilnahme an der Friedensdemonstration am 15. Februar auf. Die Synode sei sich der Gefahr bewusst, die vom Regime Saddam Husseins für die Nachbarn des Landes und den Irak selbst ausgingen, hieß es in dem Beschluss, den das Kirchenparlament am Sonnabend annahm. "Die Landessynode ist sich auch der Gefahr bewusst, die von der massiven Aufrüstung in der Region durch die Regierung der USA ausgeht."

"Wir erwarten von der Bundesregierung, auch im UNO-Sicherheitsrat bei ihrem bisher geäußerten klaren 'Nein' zu einem Krieg gegen den Irak zu bleiben", forderten die rund 150 Synodalen, die nahezu 1,3 Millionen evangelische Kirchenmitglieder in der Region vertreten.

Ein Krieg würde noch mehr Elend und unzählige Tote zur Folge haben und hätte verheerende Auswirkungen auf die Lage im Nahen Osten und weltweit, hieß es. "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein", schloss sich die Synode einer Formulierung an, die Bischof Wolfgang Huber am Donnerstag in seiner Predigt zur Eröffnung der Tagung verwandt hatte. "Krieg muss als Mittel der Konfliktbewältigung überwunden werden."

Die Kirchengemeinden wurden aufgefordert: "Erhebt eure Stimme gegen den Krieg und beteiligt euch an gewaltfreien Protesten." Mitglieder, die im öffentlichen Leben Verantwortung tragen, wurden gebeten, sich in diesem Sinne auszusprechen.

Aufruf für Proteste am 15. Februar

In dem Beschluss wird ausdrücklich auf den europaweiten Protesttag gegen den Krieg am 15. Februar hingewiesen, den für Berlin Friedensinitiativen aus den beiden großen Kirchen vorbereiten. Geplant ist auch auf Initiative der Kirchengemeinde Glienicke eine "Menschenkette für den Frieden" entlang der Bundesstraße 96 am 25. Januar 2003.

Ein weißes Band als Zeichen des Protests

Auch die evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen hat sich gegen einen drohenden Krieg im Irak und eine mögliche Teilnahme der Bundeswehr gewandt. Krieg sei keine Antwort, erklärte Bischof Axel Noack am Samstag in Magdeburg. Die UN-Charta, die Präventivkriege kategorisch ausschließe, müsse unter allen Umständen eingehalten werden, heißt es in einer gemeinsam mit der amerikanischen United Church of Christ (UCC) herausgegebenen Erklärung. Zur Kirchenprovinz Sachsen gehören auch Teile Thüringens.

Die Kirche sage Nein zum Versuch, Terror mit Krieg zu überwinden, der ganze Völker wegen einzelner Diktatoren leiden lasse, erklärten Noack und sein amerikanischer Amtskollege John Deckenback. Krieg werde neuen Hass schüren und damit zu neuem Terrorismus führen. Statt Krieg zu führen müsse jede geduldige, Gewalt eindämmende Friedensoffensive unterstützt werden.

Noack rief die evangelischen Kirchgemeinden zu Friedensgebeten und anderen friedlichen Protestaktionen auf. Christen sollten nach dem Beispiel der Leipziger Nikolai-Gemeinde ein weißes Band als Zeichen des Protestes gegen die Kriegsvorbereitungen tragen.

Katholische Bischöfe planen Erklärung

Die katholischen Bischöfe in Deutschland planen unterdessen eine gemeinsame Erklärung gegen einen drohenden Irak-Krieg. "Ein Angriffskrieg jeder Art ist sittlich verwerflich", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, dem SPIEGEL. Anfang der Woche solle die Erklärung im "Ständigen Rat" der Bischofskonferenz beraten werden.

Bereits vor einer Woche hatte Papst Johannes Paul II. bei einem Diplomatenempfang im Vatikan einen möglichen Krieg gegen Bagdad scharf verurteilt. "Krieg ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Krieg bedeutet immer eine Niederlage für die Menschheit", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

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