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25. Mai 2017, 12:41 Uhr

Treffen auf Kirchentag

Obama stärkt Merkel in Flüchtlingspolitik

Zehntausende haben sich vor dem Brandenburger Tor versammelt, um Barack Obama und Angela Merkel zu sehen. Der Ex-Präsident und die Kanzlerin warben für Menschlichkeit und Pluralismus.

Er sei sehr stolz auf seine Arbeit als Präsident und habe die Monate nach dem Ende seiner Amtszeit vor allem genutzt, um "endlich mal auszuschlafen". Mit solchen Worten lockerte Ex-US-Präsident Barack Obama zunächst einmal die Stimmung, als er zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor die Zigtausenden Kirchentagsbesucher vor dem Brandenburger Tor trat. Er liebe Berlin, so Obama - und lobte anschließend Merkel. Sie sei ihm während seiner Präsidentschaft "eine der liebsten Partnerinnen" gewesen.

Bei der Plauderei blieb es nicht lange. Wenn man am öffentlichen Leben teilnehme, müsse man sich damit abfinden, dass man nicht alle Ziele zu 100 Prozent erreichen könne, sagte Obama mit Blick auf seine Bemühungen, das Gesundheitssystem in den USA zu verbessern. Er habe sein Ziel zwar nicht für alle Amerikaner erreichen können, aber doch immerhin für 20 Millionen Menschen. Darauf sei er "sehr stolz".

Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen sei die medizinische Versorgung vieler Menschen in den USA "insgesamt bedroht". Deshalb sei es wichtig, die von ihm angefangenen Reformbemühungen fortzusetzen. Er sehe sich als Staffelläufer, der seinen Teil des Rennens laufe und dann den Staffelstab weitergebe.

"Eine wichtige Schlacht"

Anfang Mai hatte Obama in einer Rede indirekt an Trump appelliert, die nach ihm benannte Gesundheitsversorgung nicht zu demontieren. Erst am Mittwoch hatte der Versuch Trumps, die Reform zu ersetzen, einen Rückschlag erlitten. Die parlamentarische Prüfbehörde CBO erklärte, der zur Debatte stehende und inzwischen vom Repräsentantenhaus angenommene Vorschlag würde bis zum Jahr 2026 rund 23 Millionen Amerikaner die Krankenversicherung kosten.

Im Weiteren rief Obama dazu auf, sich massiv gegen Fremdenhass, Nationalismus und antidemokratische Strömungen auf der Welt einzusetzen. Es sei das Wichtigste, sich hinter die Werte zu stellen, die "uns am wichtigsten sind", und sich gegen jene zu stellen, die diese Werte zurückdrängten. "Ich denke, das ist eine wichtige Schlacht, die wir austragen müssen."

Merkel fordert Geduld in der Flüchtlingskrise

Bundeskanzlerin Merkel verteidigte auf dem Podium ihre Asylpolitik und wies auf das "Dilemma" der Kluft zwischen christlichem Mitgefühl und Realpolitik hin. Angesichts vieler Flüchtlinge ohne Bleiberecht in Deutschland gelte es, Asyl-Entscheidungen schnell zu treffen und abgewiesene Migranten gar nicht erst in Gemeinden und zu den ehrenamtlichen Helfern zu schicken.

"Ich weiß, dass ich mich damit nicht beliebt mache", sagte Merkel. Doch Hunderttausende engagierte Menschen hätten gezeigt, dass man in der Flüchtlingskrise etwas bewegen kann. Dafür könne man dankbar sein. Gleichzeitig forderte sie mehr Geduld ein: "Wir können nicht immer nur in Monaten denken, wir müssen in Jahren denken." Die Geschichte bestehe auch aus Rückschlägen, "aber man muss nach vorn gucken".

Appell für Hilfe zur Selbsthilfe

Barack Obama pflichtete Merkel bei: Als Staats- oder Regierungschef gelte es, gegenüber Flüchtlingen Barmherzigkeit zu zeigen. Es gebe aber auch eine Verpflichtung gegenüber der eigenen Bevölkerung. "Das ist nicht immer einfach", sagte der Ex-Präsident.

In der Flüchtlingskrise empfahl er, für die Menschen in ihren Herkunftsländern mehr Möglichkeiten zu schaffe. Dazu gehöre es beispielsweise, in Maßnahmen gegen den Klimawandel und in Bildung zu investieren. Es gehe nicht darum, einem Bedürftigen einen Fisch zu geben, sondern ihm das Fischen beizubringen.

Zum Glauben gehört auch Zweifel

Zum Thema Religion erklärte Obama, zum Glauben gehöre immer auch der Zweifel. Die tiefe Religiosität vieler Amerikaner habe nicht nur positive Seiten. "Das Problem ist, dass wir manchmal Kompromisslosigkeit in Glaubensfragen in die Politik tragen." In einer Demokratie seien Kompromisse aber unumgänglich.

Er unterstrich, dass in den USA viele Religionen ihren Platz hätten. Aber niemand im Besitz der absoluten Wahrheit sei, auch er nicht. "Jeder von uns sieht nur einen Teil der Wahrheit", sagte er. Daher sei es wichtig, auch andere Meinungen zuzulassen. Das sei die wahre Stärke des Glaubens. "Ich denke, dass es immer gut ist, auch ein bisschen zu zweifeln", befand Obama.

Starke Sicherheitsmaßnahmen

Der Kirchentag mit rund 140.000 Dauerteilnehmern war am Mittwochabend mit drei Gottesdiensten - am Reichstag, am Brandenburger Tor und auf dem Gendarmenmarkt - eröffnet worden. Vor dem Hintergrund der Terrorgefahr wurden die Polizeikontrollen verschärft. An den Zufahrten zu den verschiedenen Veranstaltungsorten wurden Betonbarrieren aufgestellt, zudem gibt es Taschenkontrollen. Die Polizei zeigt deutlich sichtbar Präsenz, zum Teil sind die Beamten mit Maschinenpistolen bewaffnet.

Am Sonntag geht der Kirchentag mit einem Gottesdienst in Wittenberg zu Ende. Der Überlieferung nach veröffentlichte Martin Luther (1483-1546) in der Stadt am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Dies war der Ausgangspunkt der Reformation, die schließlich in eine Spaltung der Kirche mündete.


Zusammengefasst: Auch nach dem Ende seiner Amtszeit scheint Barack Obama für Kanzlerin Merkel ein wichtiger Partner zu sein. Auf dem Kirchentag in Berlin appellierte er dafür, Flüchtlingen zu helfen, in deren Herkunftsländer zu investieren und gegen den Klimawandel zu kämpfen.

mak/dpa

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