Kirchentag Streitfrage "Judenmission"

Sollten Christen versuchen, Menschen jüdischen Glaubens zu "bekehren"? Um diese Frage ist im Vorfeld des Kirchentages, der am Mittwoch begann, ein heftiger Streit ausgebrochen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, sagte seine Teilnahme an dem Forum "Nein zur Judenmission" kurzfristig ab.


Stuttgart - Die Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen sei "zu einseitig auf eine Ablehnung der Judenmission fixiert", begründete EKD-Sprecher Thomas Krüger die Absage am Mittwoch. Die Veranstalter hätten Kocks Vorschlag abgelehnt, auch Befürworter der Judenmission zu Wort kommen zu lassen.

Der 28. Evangelische Kirchentag begann am Mittwoch abend in Stuttgart. Die 64 Eröffnungsgottesdienste trugen das Motto "Ihr seid das Salz der Erde". Bis zum Sonntag werden mehr als 100.000 Besucher erwartet. Auf dem Programm des Laientreffens stehen rund 2300 Veranstaltungen.

Der Streit um die Judenmission hatte sich entzündet, weil auf dem Kirchentag der umstrittene "Evangeliumsdienst für Israel" auftritt. Diese Gruppe tritt vehement dafür ein, Juden zu missionieren. Aus Protest zog sich daraufhin die Israelitische Religionsgemeinschaft weitgehend aus dem Kirchentagsprogramm zurück. Nach Angaben Käßmanns sagte auch der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, "aus Termingründen" seine Teilnahme an dem Forum ab.

"Wir sehen im Kirchentagspräsidium, daß die Frage der Judenmission nicht ad hoc entschieden werden kann", betonte die Generalsekretärin des Kirchentages, Margot Käßmann, die zugleich Bischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover ist. Ebenso äußerte sich auch der Stuttgarter Landesbischof Eberhardt Renz: "So leicht kann man keine Antwort darauf geben."



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