Studie Kita-Betreuung wird besser - doch es fehlt weiter Personal

Die Situation in Kitas verbessert sich, doch die Unterschiede zwischen den Ländern bleiben laut einer Studie groß. Drängendstes Problem: der Personalmangel.
Kleinkinder in der Kita: "Längst nicht überall pädagogisch sinnvoll"

Kleinkinder in der Kita: "Längst nicht überall pädagogisch sinnvoll"

Foto: Jens Büttner / dpa

In den Kitas gibt es weiterhin zu wenig Personal - obwohl die Qualität der Betreuung in fast allen Bundesländern gestiegen ist. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die nun vorgestellt worden ist. Demnach kamen 2014 auf eine Vollzeitkraft im Schnitt 4,4 Krippenkinder in der Ganztagsbetreuung, oder 9,5 Kindergartenkinder. Zwei Jahre zuvor waren die Durchschnittswerte mit 4,8 und 9,8 noch schlechter. Der Betreuungsschlüssel ist laut Studie ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

In Deutschland gibt es seit dem 1. August 2013 für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte jüngst die Bedeutung des Kita-Ausbaus hervorgehoben: "Eltern wünschen sich die bestmögliche Betreuung und Bildung für ihre Kinder." Gemeinsam mit Ländern, Kommunen und Trägern der Kitas wolle die Bundesregierung den Ausbau voranbringen und die Qualität verbessern.

"Die Personalschlüssel sind längst noch nicht überall kindgerecht und pädagogisch sinnvoll, aber der Trend ist positiv", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung zu den Zahlen. Die Stiftung geht von einem Idealwert von drei Kindern pro einer betreuenden Person bei den Kleinsten und von einem Betreuer zu 7,5 Kindern ab drei Jahren aus. Für die Studie haben die Experten statistische Daten von Bund und Ländern ausgewertet und die Fachministerien der Bundesländer befragt.

Baden-Württemberg hat die besten Werte

Die Fortschritte sind laut dem "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" in den 16 Bundesländern unterschiedlich. Die besten Werte hat Baden-Württemberg mit 3,1 und 7,7 (2012: 3,5 und 8,6). Zwar hat Hamburg vor allem im Kindergartenbereich aufgeholt, die Hansestadt bleibt aber bei der Krippenbetreuung mit einem Betreuungsschlüssel von 5,1 (2012: 5,7) Schlusslicht im Westen.

Weiterhin registrieren die Forscher ein starkes Gefälle zwischen Ost und West. In den neuen Bundesländern müssen sich die Erzieherinnen um deutlich mehr Kleinkinder kümmern (1 zu 6,1) als im Westen (1 zu 3,6). Auch in den Kindergartengruppen ist der Personalschlüssel im Westen mit 1 zu 8,9 deutlich besser als im Osten mit 1 zu 12,4. Allerdings gehen im Osten mit 46,6 Prozent erheblich mehr Kinder unter drei Jahren in Kitas als im Westen (22,7 Prozent).

Fällt der Personalschlüssel schlecht aus, hat das laut Studie auch Folgen für die Gesundheit der Fachkräfte. Laut Studie müssen Vollzeitkräfte rund ein Viertel ihrer Zeit für Elterngespräche, Dokumentation oder Fortbildung einplanen. Das funktioniere auch. Bei Teilzeitkräften aber sei das schwierig und sorge für Druck. Ihre Arbeitszeit werde komplett für die Kinderbetreuung verplant, andere Aufgaben müssten aber auch erledigt werden. "Angesichts der konstant hohen Unterschiede zwischen den Bundesländern werden bundeseinheitliche Qualitätsstandards für Kindertagesbetreuung immer drängender", sagte Dräger.

Erstaunt zeigen sich die Bertelsmann-Experten über den bundesweit hohen Anteil an befristeten Verträgen. 41 Prozent der Fachkräfte unter 25 Jahren arbeiten befristet. Bei Spezialisten für Inklusion, also der gemeinsamen Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Kindern, sind es ein Drittel.

kev/AFP/dpa
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