Klausur in Wildbad Kreuth Allensbach-Umfrage schockiert die CSU

Magere 41 Prozent, wenn jetzt Bundestagswahl wäre: Das Allensbach-Institut überrascht die CSU auf ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth mit schlechten Umfragewerten. Die Partei reagiert ungläubig - sie schätzt sich stärker ein.
CSU-Generalsekretär Dobrindt in Wildbad Kreuth: Schlechte Zahlen von Allensbach

CSU-Generalsekretär Dobrindt in Wildbad Kreuth: Schlechte Zahlen von Allensbach

Foto: Tobias Hase/ dpa

Eigentlich fühlt sich die CSU gerade so stark wie schon lange nicht mehr: Ein knappes Jahr vor der Landtagswahl stellen viele Umfragen der Partei wieder die absolute Mehrheit in Aussicht. Für Parteichef Horst Seehofer wäre die Rückkehr zur Alleinherrschaft in Bayern ein großer Triumph.

Doch ausgerechnet bei ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth, wo sich die Partei als die politische Macht im Freistaat in Szene setzen wollte, gab es für die Christsozialen eine Hiobsbotschaft: Renate Köcher, Chefin des renommierten Umfrageinstitutes Allensbach, präsentierte zum Auftakt der Tagung ihre neuesten Umfrageergebnisse für die Bundestagswahl - dabei hatte Köcher gleich zwei schlechte Nachrichten im Gepäck: Die CSU kommt Köcher zufolge lediglich auf 41 Prozent. Das sind bis zu acht Punkte weniger als der Partei zuletzt in Umfragen für die Landtagswahl zugeschrieben wurden. Zweitens, so Köcher, hätten SPD (24 Prozent) und Grüne (13 Prozent) ihr Potential längst noch nicht ausgeschöpft.

Die Bundestagsabgeordneten der Partei zeigten sich bei der vertraulichen Sitzung schockiert, schließlich ist Köcher bei den Christsozialen schon seit Jahren eine geschätzte Ratgeberin, wenn es um Umfragen und Erkenntnisse aus der Welt der Demoskopie geht.

Demoskopin unter Beschuss

In Kreuth mochte man Köchers aktuellen Zahlen dennoch nicht glauben. So erwartet die Partei für Mittwoch eine Umfrage des Bayerischen Rundfunks zur Landtagswahl, die deutlich besser ausfallen dürfte. Statt sich inhaltlich mit den Ergebnissen Köchers auseinanderzusetzen, stellten die Parlamentarier die Arbeit Köchers in Frage. Mehrere Abgeordnete meldeten sich: "Das kann nicht sein."

Andere rechneten aus, dass in Köchers Addition der einzelnen Parteiwerte elf Prozent fehlten. Wieder andere vermuteten einen Tippfehler und sahen ihre Partei bei 51 Prozent. Ein Teilnehmer fragte sich, ob Köcher die Zahlen der CSU mit denen der gesamten Union verwechselt habe, schließlich liege die CSU in der Regel klar vor den zusammengerechneten Zahlen mit der CDU. Die Bilanz der Abgeordneten zum Vortrag Köchers war alles andere als freundlich: "Völliger Quatsch", hieß es, "die Köcher war katastrophal". Einer aus der Parteispitze wies darauf hin, dass die Zahlen der Demoskopin in scharfem Kontrast zur Stimmung bei den Neujahrsempfängen der Partei stünden.

CSU-Angaben zufolge handelte es sich bei den Zahlen Köchers um keine separate Bayern-Umfrage. Sie habe auf Nachfrage aber auch nicht erklären können, wie die Zahlen zustande gekommen seien.

Am Ende sah sich sogar Alexander Dobrindt, Generalsekretär und Herr der Zahlen in der Parteizentrale, zum Eingreifen genötigt. "Ich gebe hiermit zu Protokoll: Diese Zahlen stimmen nicht", sagte Dobrindt. Köcher, so berichten es Teilnehmer, kam angesichts dieses Beschusses "ins Schwimmen". In einem aber blieb sie bis zum Schluss hart: Die CSU würde derzeit auf lediglich 41 Prozent kommen, wenn jetzt Bundestagswahl wäre.

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