Klimapolitik Konservative Unionspolitiker fordern längere Laufzeiten für Atomkraftwerke

Parteiinterne Kritiker werfen der CDU-Spitze eine schwache Klimapolitik vor. Die konservative Werteunion fordert jetzt eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und einen früheren Kohleausstieg.

Atomkraftwerk in Brokdorf (Archivaufnahme)
DPA

Atomkraftwerk in Brokdorf (Archivaufnahme)


Die Klimapolitik gilt als ein Grund für das miserable Abschneiden bei der Europawahl. Vor allem bei jüngeren Wählern schadete das offenbar der CDU. Mehrere prominente Politiker der Union gingen mit der Führungsspitze um Annegret Kramp-Karrenbauer ins Gericht. Ein "klares Kompetenz-Defizit" sah etwa der Ex-Umweltminister Norbert Röttgen.

Jetzt meldet sich auch die konservative Werteunion zu Wort. Angesichts des drohenden Scheiterns Deutschlands bei der Erreichung der Klimaziele und der immer weiter steigenden Energiepreise bei sinkender Versorgungssicherheit fordert sie eine Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken. Dadurch könnte der geplante Kohleausstieg deutlich vorgezogen werden, heißt es in einer Stellungnahme, die dem SPIEGEL vorliegt.

Die Europawahl habe deutlich gemacht, "dass das Thema Klimawandel die Menschen in unserem Lande im hohen Maße bewegt", sagt der Vorsitzende der Werteunion, Alexander Mitsch. "Dies gilt insbesondere, aber nicht nur, für die jüngere Generation, bei der die CDU besorgniserregend schlecht abgeschnitten hat."

Um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, sei es wichtig, "wieder die Meinungsführerschaft zu übernehmen und nicht weiter den grünen Ökopopulisten hinterherzulaufen und sich von Ihnen thematisch treiben zu lassen". Allerdings dürfe dies nicht zulasten von Arbeitsplätzen in den betroffenen Regionen gehen. Auch müssten die Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit Deutschlands bei der Stromversorgung sowie bezahlbare Strompreise gesichert sein.

Die Werteunion ist keine Parteiorganisation, sondern eine Gruppierung von ultrakonservativen CDU- und CSU-Mitgliedern sowie der Union Nahestehenden. Sie hat nach eigenen Angaben rund 2000 Mitglieder.



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An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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severus1985 04.06.2019
1. Endlagerung
Ich habe es noch nie verstanden, wie man eine Technologie betreiben kann, für deren toxischen Abfall es noch keine Strategie zur Endlagerung gibt. Sobald diese Strategie vorliegt, kann man gerne über das Thema Kernenergie wieder diskutieren, aber die Lagerungsproblematik zu Lösen sollte immer Schritt 1 sein.
claus7447 04.06.2019
2. Echt? Wie? Höre ich gerade falsch?
Interessante Gruppe die werteunion. Da sollte sie mal schnell um die Ecke gehen, bevor nicht die nächste Friday Form Future demo vor der Türe steht. Finde ich einen tollen Ansatz, sollte weiterverfolgt werden. Bringt die CDU auf SPD wahlergebnis.
merlin 2 04.06.2019
3. Die Werteunion versteht es nicht!
Warum sollten die jungen Menschen mit dem Wissen von Tschernobyl und Fukushima das eine Problem (Kohleverstromung mit großer Kilmabelastung) mit dem nächsten lösen wollen? Liebe Werteunions-Anhänger, danke für Eurer klares Statement und tschüss.
spiegkom 04.06.2019
4. Auch schon aufgewacht
Aha, die Werte-Union ist aufgewacht. Leider hat sie den Zeitpunkt für den Einfluss auf Atom/Kohlentscheidungen verschlafen. Kann sich wieder ins Bett legen.
wokri 04.06.2019
5. Die alten konservativen
verlassen ja eh bald diesen Planeten, die Zeit wollen sie aber noch im vollen genießen. Also gerne noch mehr Radioaktiven Müll und CO2 produzieren. Sehr egoistisch!
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