Treibhausgase Bundesbehörden unternahmen 2018 fast 230.000 Inlandsflüge

Flugreisen sind besonders schädlich für die Umwelt. Trotzdem nutzen Bundesbehörden bei Inlandsreisen oft das Flugzeug. Das gilt besonders für das Verteidigungsministerium - bei steigender Tendenz.

Die Bundesregierung zahlt hohe Summen, um verursachte Emissionen auszugleichen
Federico Gambarini/DPA

Die Bundesregierung zahlt hohe Summen, um verursachte Emissionen auszugleichen


Der Klimaschutz ist in den Mittelpunkt der politischen Debatte gerückt - und ein zentraler Punkt sind Flugreisen, weil bei ihnen enorme Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen. Besonders Kurzstrecken werden kritisiert, weil diese sich am ehesten durch andere Transportmittel vermeiden lassen. Ein Bericht der "Welt" zeigt nun: Die Bundesministerien und die dazugehörige Verwaltung haben im vergangenen Jahr 229.116 dienstliche Inlandsflüge unternommen.

Das teilte das für die Reiseabwicklung zuständige Bundesinnenministerium mit. In der Statistik fällt vor allem das Verteidigungsministerium auf: Seine Mitarbeiter flogen insgesamt 13.437 Mal inländisch, also rund 1120 Mal pro Monat.

Besonders viele Inlandsflüge wurden zwischen Bonn und Berlin gezählt. Alle Ressorts haben in der früheren Bundeshauptstadt einen zweiten Standort, sechs der Bundesministerien in Bonn sogar noch ihren ersten Dienstsitz. Dazu zählt auch das Verteidigungsministerium. Immer wieder gibt es Diskussionen über einen kompletten Umzug von Bonn nach Berlin.

1,7 Millionen Euro Ausgleichszahlungen im Jahr 2017

Die Zahl der Inlandsflüge des Verteidigungsministeriums ist in den ersten fünf Monaten dieses Jahres nochmals gestiegen: In diesem Zeitraum unternahmen Mitarbeiter dieses Ressorts 1191 Flüge pro Monat. Auch in einigen anderen Behörden ging die Zahl laut Innenministerium nach oben, wie die "Welt" weiter berichtet. Dabei handelt es sich um die Ministerien für Arbeit und Soziales, Finanzen, Landwirtschaft und Umwelt.

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Allerdings hätten nicht alle Ministerien alle Fragen beantwortet. Fünf von ihnen hätten gar keine Angaben gemacht.

Grünen-Chef Robert Habeck hatte am Mittwoch vorgeschlagen, dass Beamte künftig in geringerem Umfang als bisher Dienstflüge bezahlt bekommen und auf andere Verkehrsmittel umsteigen sollten.

Die Bundesregierung gleicht die Flugreisen dem Bericht zufolge mit Zahlungen an Klimaschutzprojekte aus, um die verursachten Emissionen zu kompensieren. Die Höhe der Zahlung für das vergangene Jahr ist noch unklar. 2017 gab die Regierung 1,7 Millionen Euro für den Ausgleich aus.

aev/dpa



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