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03. März 2007, 13:45 Uhr

Klimaschutz

CSU will konventionelle Autos verbieten

Schluss mit Fernreisen, Tempolimits, Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2020: Die Debatte um den Klimaschutz entführt Politiker und Experten in völlig neue Gedankenwelten. Tenor: Nur Bescheidenheit rettet die Welt.

Hamburg - Per Gesetz will die CSU die Deutschen dazu zwingen, nur noch klimafreundliche Kraftfahrzeuge zu fahren. "Ab dem Jahr 2020 dürfen nur noch Autos zugelassen werden, die über einen umweltfreundlichen Antrieb verfügen", sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder dem SPIEGEL. Von diesem Zeitpunkt an müssten herkömmliche Verbrennungsmotoren durch Wasserstoff- und Hybridtechnik abgelöst werden.

Autoabgase: Ab 2020 nur noch Wasserstoff- und Hybridfahrzeuge
DDP

Autoabgase: Ab 2020 nur noch Wasserstoff- und Hybridfahrzeuge

"Grüne Motoren schaffen neue Arbeitsplätze", sagte Söder. Die deutsche Autoindustrie lege beim Thema Umweltschutz aber nicht genügend Erfindergeist an den Tag, durch ein klares Ultimatum müsse daher der notwendige Innovationsdruck erzeugt werden. Der CSU-Generalsekretär arbeitet schon länger daran, das ökologische Profil seiner Partei zu schärfen - nicht zuletzt, weil die Grünen in den wohlhabenden Regionen Bayerns zu ernstzunehmender Konkurrenz werden.

Bei so viel Engagement für den Umweltschutz will die SPD mit eigenen Vorschlägen nicht sparen. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sprach sich für ein Tempolimit auf Autobahnen aus. "Ich habe nichts gegen ein Tempolimit", sagte er der "Welt am Sonntag".

Offiziell begründete er dies aber nicht mit dem Kampf gegen den Klimakiller CO2, sondern mit der notwendigen Rettung von Menschenleben. Ein Tempolimit würde dazu führen, "dass die schweren Verletzungen, Unfälle, Schädelhirntraumata und Todesfälle deutlich abnehmen. Das ist ein Grund, warum man für ein Tempolimit sein sollte", sagte der SPD-Politiker.

Ein Tempolimit aus CO2-Gründen birgt nach den Worten des Ministers die "ganz große Gefahr, dass die Republik sich darüber streitet und die Autoindustrie sich still und heimlich verdrücken kann". Dies sei nicht sein Weg. Wenn die Automobilindustrie nicht freiwillig die CO2-Emissionen reduziere, werde es ein Gesetz auf europäischer Ebene geben.

Im SPIEGEL hält VW-Chef Martin Winterkorn dagegen: "Politiker kritisieren gern andere", erklärte er und fügte hinzu: "Und sie fahren in der Regel nicht die verbrauchsgünstigsten Modelle."

"Sylt statt Seychellen"

Auch Wissenschaftler beteiligen sich an der Debatte um mehr Klimaschutz. "Sylt statt Seychellen" – diese Formel empfiehlt der Tourismusexperte des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Manfred Stock. "Wer etwas für den Klimaschutz tun will, sollte Flugreisen vermeiden und in Deutschland Urlaub machen", sagte er der "Berliner Zeitung". Ähnlich sieht das der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge: "Wer mit dem Flugzeug nach Südostasien reist, sollte wissen, dass dabei mehr als sechs Tonnen Kohlendioxid pro Kopf entstehen." Ein Bahn-Reisender, der von Berlin an die Ostsee und zurück fährt, verursache hingegen nur 35 Kilogramm CO2.

Bei den Grünen findet diese Forderung Zustimmung. "Es gibt viele wunderbare Ferienregionen in Deutschland, die es zu erkunden lohnt", sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast. Sie forderte die deutsche Autoindustrie auf, von klimafreundlichen Modellen der japanischen Konkurrenz zu lernen. "Das Umweltauto muss 'in' sein. Es muss stylisch sein", sagte Künast der "taz".

EU-Industriekommissar Günter Verheugen warnte dagegen vor Hysterie. Zwar müsse der Klimawandel "an allen Fronten" bekämpft werden, sagte er der "Bild am Sonntag". "Wir dürfen aber auch nicht in hysterischen Aktionismus verfallen."

wal/dpa/AFP/Reuters

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