SPON-Umfrage Mehrheit wünscht sich Klimaschutz im Grundgesetz

Subventionen fürs Fliegen streichen, die Bahn attraktiver machen, Klimaschutz in die Verfassung - all das unterstützt eine Mehrheit der Deutschen. Je nach Parteipräferenz ergeben sich aber klare Unterschiede.

Schülerinnen und Schüler demonstrieren beim Fridays-for-Future-Klimastreik
Kay Nietfeld/ dpa

Schülerinnen und Schüler demonstrieren beim Fridays-for-Future-Klimastreik

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Die Deutschen sehen den Klimaschutz als eines der wichtigsten politischen Themen in diesem Jahr, dies zeigten insbesondere die Erhebungen nach der Europawahl. Seitdem versuchen nahezu alle Parteien, neue Antworten zu finden.

Zuletzt fiel vor allem CSU-Chef Markus Söder mit einer plötzlichen Klima-Offensive auf. So fordert der bayerische Ministerpräsident etwa die Verankerung des Klimaschutzes im Grundgesetz. Er will zugleich Bahntickets über eine geringere Mehrwertsteuer günstiger machen. So soll die Zahl der Inlandsflüge sinken. Die Grünen stimmen Söder zu, sprechen sich aber außerdem für die Abschaffung sämtlicher staatlicher Subventionen im Luftverkehr aus (lesen Sie hier ein Interview mit Robert Habeck).

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE zeigt: Für all diese Ideen gibt es Mehrheiten in der Bevölkerung, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt.

CSU-Chef Markus Söder: Neue Anreize zum Bahnfahren setzen
Lino Mirgeler/DPA

CSU-Chef Markus Söder: Neue Anreize zum Bahnfahren setzen

Am stärksten befürworten die Bürger den Vorschlag, alle staatlichen Subventionen für den Flugverkehr zu streichen. Fast 70 Prozent sprechen sich dafür aus. Die Hälfte aller Befragten findet sogar, das müsse "auf jeden Fall" passieren. Nicht einmal ein Viertel ist dagegen.

Mit Blick auf die Parteien fällt auf: Einzig bei den Anhängern der AfD befürwortet weniger als die Hälfte der Befragten den Vorschlag. Mit 48 Prozent ist die Zustimmung aber immer noch hoch.

Anhänger von FDP (52 Prozent Zuspruch) und den Unionsparteien (55) sehen den Vorschlag etwas positiver. An der Spitze ergibt sich das erwartbare Bild: Den größten Zuspruch findet der Ansatz bei Anhängern der Linken (87) und der Grünen (86), gefolgt von jenen der SPD (79). Als Anhänger gelten Befragte, die eine Wahlabsicht für eine bestimmte Partei angeben.

Etwas weniger eindeutig fällt die Einschätzung zum Klimaschutz im Grundgesetz aus. Allerdings finden immerhin 59 Prozent aller Befragten, Klimaschutz sollte als verpflichtende Staatsaufgabe in der deutschen Verfassung verankert werden. Knapp ein Drittel ist dagegen.

Zudem spaltet die Frage die Anhänger der verschiedenen Parteien stärker. Einzig bei den Grünen (87) sind mehr als drei Viertel der Befragten für diesen Vorschlag. Mit der Linken (70) und der SPD (64) gibt es nur zwei weitere Parteien, bei denen mehr als die Hälfte der Befragten sich den Klimaschutz in der Verfassung wünscht. Die AfD-Anhänger treten in dieser Frage ganz besonders kritisch auf, aber auch die FDP-Anhänger lehnen den Klimaschutz im Grundgesetz klar ab.

Kann der Zugverkehr in Deutschland Inlandsflüge überflüssig machen?
Florian Gaertner/ Photothek/ Getty Images

Kann der Zugverkehr in Deutschland Inlandsflüge überflüssig machen?

Und der vollständige Ersatz von Inlandsflügen durch den Fernzugverkehr? Hier ergibt sich eine sehr knappe Mehrheit: 51 Prozent der Befragten glauben, dass ein Ausbau und günstigere Angebote bei der Deutschen Bahn Inlandsflüge überflüssig machen können. 45 Prozent bezweifeln das.

Mit deutlicher Mehrheit halten es die Anhänger von Linken (69 Prozent), Grünen (68) und SPD (59) für möglich, dass die Bahn Inlandsflüge ersetzen könnte. Bei der AfD-Anhängerschaft, die den Vorschlag wiederum am stärksten ablehnt, glauben immerhin noch 29 Prozent der Befragten an eine derartige Entwicklung (hier lesen Sie, was eine Mehrwertsteuersenkung bei der Bahn bringen würde).



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.
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frank57 31.07.2019
1. Soll
mit dieser Lüge suggeriert werden, dass die Bürger eine CO2 Steuer wollen? Das ist langsam nicht mehr zu toppen was ihr hier los lasst!
egonv 31.07.2019
2.
Ja, wie bei allen Klimaschutzfragen: Es gibt eine Mehrheit - mehr oder weniger deutlich - dafür. Aber trotzdem dauert die Umsetzung ewig lange und die Gegner sind laut und schreien "Wir sind das Volk!". Völlig unverständlich und anmaßend.
Sendungsverfolger 31.07.2019
3. Will ich nicht
Ich will keine Verankerung vom Klimaschutz im Grundgesetz. Ich will, dass Gesetze erlassen werden, die dem Klimaschutz realitätsnah dienen. Denn das Erstere ist purer, unnötiger und polpulistischer Popanz, das Zweitere nötig und geboten.
Newspeak 31.07.2019
4. ...
Kann man Weltfrieden bitte auch ins Grundgesetz schreiben? Und Reichtum fuer Alle? Die Diskussion um ein echtes Problem wird immer absurder, weil es laengst nicht mehr um die Fakten geht, sondern nur noch um Emotionen. Es geht nicht mehr darum, echte Loesungen in der echten Welt zu finden, die funktionieren, sondern darum sich gut zu fuehlen, weil etwas virtuell getan wurde, wozu ich auch eine Aenderung eines Gesetzestextes ohne jede praktische Folgen zaehle. Wann sind eigentlich alle so infantil geworden?
textwerker 31.07.2019
5. E-Mobilität im Luftverkehr
Es tut sich gerade etwas im Luftverkehr: elektrische Flugzeuge und Lufttaxis sind im Kommen. Das bedeutet weniger Lärm, weniger Luftverschmutzung und vielleicht auch weniger Stau. Darum wäre es meiner Meinung nach besser, Subventionen zu fokussieren, als im Luftverkehr ganz auf Subventionen zu verzichten.
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