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19. November 2000, 19:22 Uhr

Koalitionsstreit

Schröder und Eichel sehen rot

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel haben die Grünen scharf angegriffen. Sie warfen ihrem kleinen Koalitionspartner Profilneurosen vor.

Ordnungsruf: Gerhard Schröder
REUTERS

Ordnungsruf: Gerhard Schröder

Berlin - Schröder sagte im ZDF, "Profilierung gegen den anderen, gar den größeren Partner, das kann auf Dauer nicht gut gehen." In einer Koalition seien die beteiligten Parteien "Partner und Konkurrenten zugleich". Profilierung dürfe aber nicht gegeneinander erfolgen. "Die Grünen sollen eigenständig sein, sollen ein eigenes Profil haben, aber sie sollen es für sich selbst gewinnen und nicht gegen andere."

Eichel warf den Grünen vor, sie wollten "durch eine Konfrontation in der Regierung auf sich aufmerksam machen". Der Koalitionspartner stehe mit sechs Prozent in den Wählerumfragen "am Rand des parlamentarischen Existenzminimums". In einer solchen Lage sei es verständlich, "dass eine kleine Partei nervös wird", sagte der SPD-Politiker.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin wies die Vorwürfe aus der SPD zurück und forderte ein Ende der Auseinandersetzung. "Immer wenn die Sozialdemokraten in den eigenen Reihen Zoff haben, wird Grünen-Bashing betrieben", sagte er im "Tagesspiegel". Mit einer "zerstrittenen Beziehungskiste" könne die Koalition keine Erfolge verkaufen. "Das werden wir aber tun müssen, wenn wir bei den Wahlen Erfolg haben wollen", mahnte der Grünen-Politiker.

Auch Grünen-Fraktionschefin Kerstin Müller sagte, die Vorhaltungen des Koalitionspartners würden nicht weiterhelfen. In der Zusammenarbeit mit der SPD bräuchten die Grünen genügend Raum. "Auch wir als kleiner Koalitionspartner müssen vor unsere Wähler treten, um ihnen bei einzelnen Reformen die glasklare grüne Handschrift zu zeigen", sagte sie der "Berliner Morgenpost".

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