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Markus Feldenkirchen

Besetzung des Bundeskabinetts Koane Bayern

Markus Feldenkirchen
Eine Kolumne von Markus Feldenkirchen
Von den 17 Mitgliedern des Bundeskabinetts stammt nicht ein einziges aus dem Freistaat. Gegen diesen Wahnsinn hilft nur eins: bayerische Identitätspolitik. Oder eben eine Quote.
aus DER SPIEGEL 50/2021
CSU-Politiker Scheuer, Seehofer

CSU-Politiker Scheuer, Seehofer

Foto: LUKAS BARTH / REUTERS

Wenn man sich das Personal anschaut, mit dem Bundeskanzler Olaf Scholz Deutschland zu regieren gedenkt, kann einem angst und bange werden. Nicht, dass die Herrschaften per se ein Reinfall wären. Die Frauen sowieso nicht. Aber was soll man von einem Kabinett halten, in dem das Beste, Begabteste und, ja, auch Edelste, was Deutschland bisher hervorgebracht hat, konsequent ignoriert wurde? Die Rede ist, Sie ahnen es, von Bayern. Kein einziger Bayer wird am Kabinettstisch sitzen. Das ist so absurd, als würde die Fußballnationalmannschaft auf alle Spieler des FC Bayern München verzichten. Auch das muss man sich erst mal leisten können.

Auf den Skandal hat der CSU-Generalsekretär Markus Blume nun dankenswerterweise in aller Anschaulichkeit aufmerksam gemacht. »16 Prozent der Deutschen sind Bayern, aber bayerische Minister: Fehlanzeige!«, klagte Blume. »Bayern sitzt im Kabinett Scholz nur auf der Ersatzbank.«

Man könnte nun spitzfindig einwenden, dass auch 16 Prozent der Deutschen ein E-Bike besitzen. Dass 16 Prozent der Deutschen »den Medien« nicht trauen. Dass 16 Prozent der Deutschen eine positive Einstellung zum Kapitalismus haben. Und dass auch all diese 16 Prozent im neuen Kabinett vertreten sein müssten. Aber das wäre natürlich kleinkariert. Wenn man jeder Randgruppe einen Ministerposten anbieten würde, müsste man die Kabinettssitzung demnächst im Olympiastadion abhalten. Gerade in der CSU hat man sich daher lange gegen neumodischen Schnickschnack wie Frauen- oder Minderheitenquoten gesträubt.

Wenn es aber nicht nur um Gedöns, sondern um die Herkunft geht, ist das freilich eine andere Sache. Dann kann der Bayer auch anders. Dann beherrscht er das Einmaleins der Quoten- und Identitätspolitik besser als alle herkömmlichen Feministinnen zusammen.

Da die Bescheidenheit zur DNA der CSU gehört, verzichtete Generalsekretär Blume sympathischerweise sogar darauf, wenigstens an die allergrößten Bayern unter den Bundesministern zu erinnern. Aber die Bürger wissen auch so, dass Legenden wie Horst Seehofer, Peter Ramsauer oder Michael Glos nicht aus Sachsen-Anhalt oder Schleswig-Holstein kamen. Die echten Granaten stammen traditionell aus Bayern.

Dass es den CSU-Ministern beispielsweise gelang, das Bundesverkehrsministerium zu einem Entwicklungshilfeministerium für Bayern zu machen, ist nicht weniger als ein politisches Husarenstück. Von den Bundesmitteln für Bundesfernstraßen, Brückensanierungen oder den Breitbandausbau floss überproportional viel nach Bayern. Und von Straßenbauförderungen profitierten gerade die Wahlkreise der drei CSU-Minister Peter Ramsauer, Alexander Dobrindt und Andreas Scheuer.

Und das neue Kabinett soll künftig ohne solche Giganten auskommen? Für den Staat kann das nichts Gutes bedeuten. Für den Freistaat.

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