Köhler-Kritik Müntefering sieht eigene Autorität beschädigt

Weil die Kritik aus den eigenen Reihen an Bundespräsident Horst Köhler nicht verstummen will, räumt SPD-Chef Franz Müntefering einen Verlust seiner Autorität ein. Seine Partei müsse nun "wieder in geordnetes Fahrwasser" kommen.

Berlin - "Natürlich ist das nicht gut für einen Vorsitzenden, wenn man in dieser Weise das öffentlich machen muss. Das ist auch kein Ruhmesblatt, das weiß ich wohl", sagte Müntefering heute mit Blick auf seine öffentliche Kritik an den Angriffen auf Köhler.

Die Kritik an den Parteifreunden sei aber nötig gewesen. "Ich wollte deutlich machen, der Parteivorsitzende sieht das anders als manche andere und da spricht nicht die SPD, sondern wir respektieren den Bundespräsidenten in seiner Funktion und natürlich auch als Person." Der SPD-Chef hatte sich ebenso wie Bundeskanzler Gerhard Schröder bereits gestern gegen die Kritik am Präsidenten gewandt.

Seine "demonstrative Bitte" an die Parteifreunde laute nun, "dass sie es sein lassen sollen, dass es nicht in Ordnung ist". Zuvor war Köhler aus der SPD Vertrauensbruch und Parteilichkeit vorgeworfen worden. Müntefering nannte es "nicht schön", dass er sich auf diese Weise an Fraktion und Partei wenden müsse. Seine Autorität werde dadurch "zumindest eingeschränkt." Der SPD-Vorsitzende fügte hinzu: "Natürlich, das kostet Autorität, eine solche Situation."

Zu den Kritikern gehörten Münteferings Stellvertreter in der Fraktion, Michael Müller, Ludwig Stiegler und Gernot Erler. Auch die stellvertretende Bundestagspräsidentin Susanne Kastner hatte sich zu Wort gemeldet. Die schärfsten Worte wählte Johannes Kahrs, Sprecher der im Seeheimer Kreis organisierten rechten SPD-Bundestagsabgeordneten. Er bezeichnete das Agieren des Staatsoberhaupts im Zusammenhang mit der Vertrauensfrage als "Schmierenkomödie der billigsten Art - aber der Mann ist eben so".

Die Kritik der SPD-Politiker hatte sich unter anderem an einem Bericht des SPIEGEL entzündet, in dem aus einem vertraulichen Gespräch zwischen Schröder und Köhler zitiert wird. Darin soll Schröder "ein erhöhtes Erpressungspotential" in der Koalition als Grund für seine Entscheidung genannt haben, am 1. Juli die Vertrauensfrage zu stellen. Die SPD-Politiker warfen Köhler vor, er sei dafür verantwortlich, dass Informationen aus der Unterredung an die Öffentlichkeit gelangt seien.

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