Köhler nach der Wahl Neues Lob für Merkel

Der frisch gewählte Bundespräsident Horst Köhler hat CDU-Chefin Merkel erneut die Befähigung für das Kanzleramt attestiert, distanzierte sich aber von früheren Äußerungen, in denen er sich klar für sie als Regierungschefin ausgesprochen hatte. Er wolle sich parteipolitisch nicht vereinnahmen lassen, erklärte Köhler in einem TV-Interview.

Berlin -Er könne es der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel nicht verbieten, seine Wahl als ersten Schritt zur Machtübernahme in Berlin zu werten, sagte der 61-Jährige in der ARD-Sendung "Farbe bekennen" kurz nach seiner Wahl. "Ich werde die Linie von Herrn Köhler vertreten." Er sagte jedoch auch: "Dass Frau Merkel Fähigkeiten hat, dieses Land zu führen, das kann man erkennen."

Der Finanzexperte betonte, er wolle Deutschland helfen, aus seinen Schwierigkeiten zu kommen. Die Bundesbürger sollten den Eindruck gewinnen, dass der Bundespräsident ihnen zuhöre und sich um sie kümmere. Deutschland als Land der Ideen müsse ein Land der Kinder werden, denn "Kinder sind Zukunft".

Bundeskanzler Gerhard Schröder habe mit seiner Reform-Agenda 2010 die richtigen Weichen gestellt, erklärte Köhler. Aber heute könne der Sozialstaat das, was er verspreche, nicht halten. Deshalb müsse wieder Glaubwürdigkeit hergestellt werden. Jeder müsse sicher sein, dass ihm in unverschuldeter Not auch geholfen werde.

Wer selbst verantwortlich sei, sei auch frei, erklärte Köhler. "Freiheit heißt die Chance zur Selbstverwirklichung." Natürlich gebe es Einzelfälle und die Besoldung einzelner Managern, die nicht in die Landschaft passten. Wenn man den oberen Gruppen der Gesellschaft die Möglichkeit gebe, mehr zu stiften und Verantwortung zu übernehmen, könne man auch ein Stück gesellschaftlichen Zusammenhalt organisieren.

Zum Irak-Krieg sagte Köhler: "Wir haben dort Fehler gemacht" - die Amerikaner wie die Europäer. Jetzt müssten alle zusammenstehen und für eine friedliche Entwicklung in Irak sorgen. Die internationale Gemeinschaft müsse unter Beweis stellen, dass sie mehr könne als streiten. Trotz der offensichtlichen Fehler der USA seien die Amerikaner die Freunde der Deutschen.

Zu den Folterbildern aus irakischen Gefängnissen sagte Köhler: "Erschrocken war ja wohl jeder - entsetzt war ich persönlich." Die Vorgänge müssten lückenlos aufgedeckt werden. "Die Forderung muss sein: aufdecken, Rechenschaft ziehen und dafür sorgen, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt."

Köhler bekannte sich zu aufgeklärtem Patriotismus. "Ich liebe unser Land", sagte er. Deutschland habe ihm viel gegeben: Aufnahme als Flüchtling, Möglichkeit zu Studium und Karriere sowie Frieden. Als sein Motto nannte der gewählte Bundespräsident: "Ich möchte, dass es dem Land gut geht." Man müsse aber den Mut haben, die notwendigen Veränderungen anzupacken.

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