Köhlers Sonntagsrede "Ich will nicht nur Sonntagsreden halten"

Er sieht sich nicht nur als Repräsentieronkel, sondern als jemand, der in aktuellen politischen Fragen Stellung bezieht. Bundespräsident Köhler betonte heute, ausgerechnet an einem Sonntag, er wolle nicht nur Sonntagsreden halten.


Dresden - "Niemand soll sich darauf verlassen, dass ich nur Sonntagsreden halte", sagte Bundespräsident Horst Köhler heute in Dresden bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises. Er sei kein "operativer Politiker", aber er kenne die Verfassung und "sage das, was ich für richtig halte, und hoffe, dass die Menschen es auch verstehen als das, was es ist: uns allen zu helfen und uns voranzubringen".

Redner Köhler: Kein "operativer Politiker"
REUTERS

Redner Köhler: Kein "operativer Politiker"

Köhler wurde bereits häufiger vorgeworfen, sich zu sehr in das politische Tagesgeschäft einzumischen. Linke Politiker warfen ihm zudem mehrfach vor, einen zu wirtschaftsnahen Kurs zu verfolgen.

Der Bundespräsident sagte heute bei der Veranstaltung, Naturschutz müsse Aufgabe des Staates bleiben. Er dürfe aber nicht lästiges Anhängsel sein, um das man sich je nach Kassenlage mal mehr oder mal weniger kümmere: "Naturschutz ist kein Luxus, Naturschutz ist eine ganz wichtige Zukunftsaufgabe." Nach der Föderalismusreform hätten die Länder im Übrigen neue Gestaltungsspielräume. Künftig könnten sie im Naturschutz und Wasser- und Verfahrensrecht vom Bundesrecht abweichen. "Ich vertraue darauf, dass die Länder die neugewonnene Kompetenz verantwortungsvoll nutzen", sagte das Staatsoberhaupt.

Mit dem diesjährigen Preis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeichnete Köhler den bayerischen Unternehmer Hans Huber und den Ökosystemforscher Ernst-Detlef Schulze aus. Es handelt sich um die mit insgesamt 500.000 Euro höchstdotierte Umwelt-Auszeichnung Europas. Huber erhält den Preis für sein unternehmerisches Engagement in Entwicklungsländern bei der Aufbereitung von Trinkwasser und Abwasser. Schulze erforscht als Direktor des Max-Planck-Instituts in Jena die globale Klima-Erwärmung. Er hat das weltweit größte Projekt zur Berechnung von Kohlenstoff-Emissionen in Europa aufgebaut.

kaz/AP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.