Köln-Buchheim "Beck war einfach nur flach. Ende"

Der Zeitpunkt hat den SPD-Ortsverein Köln-Buchheim überrascht, nicht der Führungswechsel. Denn gehofft haben sie schon länger, dass Kurt Beck abtritt. Steinmeier ist bei den Genossen unumstritten - nur Müntefering sorgt für Diskussionsstoff.

Von Carolin Jenkner, Köln-Buchheim


Köln - Die Vorstandssitzung des SPD-Ortsvereins Köln-Buchheim findet in einem bescheidenen Ambiente statt: Im Hinterhof einer Wohnsiedlung, in den Räumen der "Selbsthilfe Buchheim". An den Wänden hängen selbstgemalte Kinderbilder. Es gibt Kaffee, Wasser und Cola, auf den Tischen steht Knabberzeug. Es ist auch der Ortsverein des Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach. Aber der ist in Berlin.

SPD-Basis in Köln-Buchheim: "Beck war einfach nur flach"
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SPD-Basis in Köln-Buchheim: "Beck war einfach nur flach"

Es soll an diesem Dienstagabend um die Kommunalwahlen 2009 gehen. Auf der Tagesordnung steht aber auch das große Thema vom Wochenende: "Top 6: Führungswechsel in der Bundes-SPD". Polina Frebel hält den "Kölner Stadtanzeiger" vom vergangenen Montag hoch und zeigt auf die Titelseite mit einem Foto von Frank-Walter Steinmeier. Sie klopft auf den Tisch und kommt gleich zur Sache: "Ich persönlich finde den Führungswechsel zu diesem Zeitpunkt hervorragend", sagt sie.

Polina Frebel ist die Vorsitzende des Ortsvereins und Mitglied im Rat der Stadt Köln. "Ihr wisst genau, dass Kurt Beck auch bei uns nicht die Leitfigur war", sagte die 58-Jährige. "Er hatte kein Charisma." Mit Müntefering und Steinmeier habe man jetzt die richtige Führung. "Viele von uns haben hier mit Müntefering Rosen verteilt. Er ist sehr gut angekommen."

Erleichterung - das ist es wohl, was die Buchheimer Genossen spüren. Der Führungswechsel kam unerwartet, aber eigentlich haben alle darauf gehofft. Einem Vorsitzenden Kurt Beck weint hier niemand eine Träne nach. "Beck konnte nicht mit Menschen reden", sagt ein älterer Mann im Polohemd. Es ist Karl Heinz Frebel, Polinas Mann. "Er hat sich mit dem Vorsitz übernommen", sagt er weiter. "Er hat verkannt, wie Berlin arbeitet." Eine Genossin am anderen Ende des Tisches drückt es härter aus: "Der war einfach nur flach. Ende."

Beck ist weg. Zumindest die Basis in Köln-Buchheim ist froh darüber. Als Kanzlerkandidaten konnten sie ihn sich ohnehin nicht vorstellen. Und mit einem designierten Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier können sie gut leben - da gibt es gar nichts zu diskutieren im Vorstand. "Steinmeier war ja in unseren Köpfen schon lange der Kandidat", sagt Polina Frebel. Alle sind sich einig: Wenn einer gegen Angela Merkel antreten kann, dann er.

"Die inhaltliche Debatte ist noch nicht vorbei"

Nur der Name Müntefering sorgt für Diskussionsstoff und Meinungsverschiedenheiten. Der Ehrenvorsitzende des Ortsvereins, Günter Neumann, zieht ein verbittertes Gesicht. "Erst abtreten und dann wieder antreten - für mich hat das nichts mit Moral zu tun", sagt der 71-Jährige. "Aber das ist meine persönliche Wertung."

"Abzutreten, weil man seine Frau pflegen will, ist moralisch", entgegnet Polina Frebel. Aber auch sie gibt zu, dass sie nicht in allen Punkten mit dem neuen Vorsitzenden übereinstimmt. Die Agenda 2010, Rente mit 67 - Müntefering wird dabei bleiben. Die Buchheimer Genossen wollen diese Reformen radikal ändern. Und Günter Neumann ist sich sicher: "Die inhaltliche Debatte ist noch nicht vorbei." Auch nicht mit dem neuen Führungsduo.

Und doch sind sich die Genossen einig: Müntefering ist die durchsetzungsfähige Führungskraft, die die SPD jetzt braucht. Und deshalb hoffen sie eines: dass sie mit ihm die NRW-Kommunalwahlen im kommenden Jahr gewinnen. Denn Polina Frebel ist überzeugt: "Für unseren Wahlkampf ist Müntefering das Beste, was uns passieren konnte."



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