Pro-Erdogan-Demo in Köln "Erdogan ist ein geborener Anführer"

Zehntausende Menschen demonstrierten am Sonntag in Köln - für und gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Was bewegt sie?

Von , Köln


Seit einem Putschversuch in der Türkei von Teilen des Militärs haben sich die politischen Spannungen in dem Land verschärft. Am Samstag demonstrierten in Köln Zehntausende Menschen - für und gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Angemeldet hat die Pro-Erdogan Kundgebung der Verein UETD, die Union Europäisch-Türkischer Demokraten e.V. Er gilt als Lobbyorganisation von Erdogans religiös-konservativer Partei AKP.

Wir haben Demonstranten in Köln gefragt, warum sie auf die Straße gehen - für oder gegen Erdogan. Hier sind ihre Antworten.

Rajaa
Jann Hoefer

Rajaa

Rajaa 27, angereist aus Belgien: "Ich bin für Erdogan hier. Er ist ein geborener Anführer. Er ist korrekt, hilft den Menschen und steht für die Evolution der türkischen Demokratie. Das unterstütze ich absolut."

Alvaro Kaya
Jann Hoefer

Alvaro Kaya

Alvaro Kaya 19, Wächtersbach: "Für mich ist es ganz einfach. Zum einen bin ich für Erdogan hier. Zweitens für ein Zeichen gegen den Putschversuch und drittens für das Volk. Erdogan stärkt die Türkei. Er unterstützt Frauen, hilft Kindern. Wir wollen hier auch zeigen: Erdogan, wir stehen hinter dir."

Fatih
Jann Hoefer

Fatih

Fatih 25, Köln: "Mein Hauptgrund mit zu demonstrieren ist, dass ich die Demokratie unterstützen möchte, die man versucht hat, in der Türkei zu stürzen. Ich glaube, solche Demos haben nicht immer viel Effekt. Aber sie sollten es, wenn es um Massen geht. Die deutsche Politik muss sich auch um Türkischstämmige kümmern. Und das sage ich, der sich als Türke und als Kölner sieht, weil ich in Köln geboren bin. Ich will mich nicht fühlen als gehöre ich zu einer Parallelgesellschaft."

Burcu
Jann Hoefer

Burcu

Burcu 23, aus Bottrop, in Deutschland geboren, angereist mit ihren Eltern: "Ich bin in Köln, um mein Land, die Türkei zu unterstützen, für den Präsidenten und gegen den Putschversuch. Erdogan hat die Türkei in die Zukunft geführt. Uns geht es besser als noch vor zehn Jahren. Ich habe zum Beispiel einen behinderten Onkel in der Türkei, dem heute mehr geholfen wird, auch finanziell. Was mit dem Putschversuch passiert ist, war schlimm. Meine Mutter hat mir vom Putsch in den Achtzigerjahren erzählt. Ich bin froh, dass es diesmal gescheitert ist."

Zeki
Jann Hoefer

Zeki

Zeki 46, Vater von Burcu: "Wir Türken werden in Deutschland gerade vernachlässigt und wir wollen uns jetzt zeigen. Ich wünsche mir von der deutschen Politik, dass wir zusammenarbeiten, zusammenstehen. Wir gehören hier doch auch zusammen, Türken und Deutsche. Kann man nicht gleichzeitig Erdogan in der Türkei und Merkel in Deutschland unterstützen? Wenn es in Deutschland einen Putschversuch gegeben hätte, wären wir jetzt auch auf die Straße gezogen."

Deniz
Jann Hoefer

Deniz

Deniz 21, Koblenz: "Ich bin in Deutschland geborener Kurde. Wir sind stellvertretend für das Internationale Kulturzentrum in Koblenz hier. Ich, wir haben die Befürchtung, dass der türkische Nationalismus in Deutschland Fuß fasst, der Faschismus, und das darf nicht passieren. Was in der Türkei geschieht, wofür Erdogan steht, ist undemokratisch. Dagegen müssen wir ein Zeichen setzen."

Beritan
Jann Hoefer

Beritan

Beritan, 19, aus dem Raum Köln möchte ihren echten Namen nicht nennen und ihr Gesicht nicht fotografieren lassen. Das wäre ihr zu öffentlich. "Ich bin hier mit meinen Freunden, weil ich Erdogans Politik und die der AKP für mörderisch, korrupt und undemokratisch halte. Ich bin Kurdin, in der Türkei geboren und ich wurde erzogen, so zu denken. Die AKP ist in Deutschland stark vertreten, das wissen wir. Aber so einen Aufmarsch hier zu sehen, ist noch einmal etwas anderes."

Umut
Jann Hoefer

Umut

Umut möchte weder Namen noch Details nennen. "Ich fliege etwa zweimal im Jahr in die Türkei, da habe ich Angst, mein Gesicht hier zu zeigen. Ich bin Kurde, vor politischer Verfolgung in der Türkei geflohen und seit zehn Jahren in Deutschland. Heute will ich demokratische Werte gegen Faschismus verteidigen. So viele Menschen in der Türkei haben Angst vor Verfolgung. Und die türkische Innenpolitik ist immer mehr die der Deutschen. Das darf nicht sein. Erdogan hat eine desintegrative Kraft und durch die, die ihn unterstützen, nimmt die Mehrheitsgesellschaft Schaden."

Fatma
Jann Hoefer

Fatma

Fatma 41, Duisburg: "Ich bin Deutsche mit türkischen Wurzeln und es schockiert mich, wie in der Türkei Demokratie zur Autokratie wird. Erdogan ändert die Verfassung, kontrolliert das Volk durch Angst und Terror. Viele trauen sich nicht mehr, frei zu sprechen. Mit Erdogan und der AKP droht die Türkei zu einem zweiten Iran zu werden. Staat und Religion gehören getrennt. Viele, die hier heut pro Erdogan demonstrieren, sind rechtsradikale Türken; die gibt es eben überall. Andere lassen sich von Sprüchen verleiten. Das Traurige: Sie wachsen hier in einem demokratischen Land auf und versuchen alles, die Demokratie in der Türkei zu versetzen. Das verstehe ich nicht."

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Demos für und gegen Erdogan: Aufmarsch in Köln

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