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21. September 2016, 16:43 Uhr

Köln

Festgenommener Flüchtling plante Sprengstoffanschlag

Die Polizei hat weitere Details zur Festnahme eines minderjährigen Flüchtlings veröffentlicht. Demnach soll der 16-Jährige im Kontakt zum IS gestanden haben - und sich bereiterklärt haben, einen Anschlag zu begehen.

Der in Köln festgenommene syrische Flüchtling plante nach Erkenntnissen der Polizei einen Sprengstoffanschlag. Er habe in Internet-Chats seine "unmissverständliche Bereitschaft" geäußert, einen solchen Anschlag zu begehen, sagte Klaus-Stephan Becker von der Kölner Polizei.

Von einem Chatpartner im Ausland habe er "ganz konkrete Anweisungen" zum Bau einer solchen Bombe erhalten, sagte Becker. Hinweise darauf, dass er sich bereits mit Materialien für den Bau eines solchen Sprengsatzes versorgt habe, gebe es dagegen nicht, sagte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies. Auch ein konkretes Anschlagsziel sei nicht bekannt.

Zuvor hatten die Ermittler bereits mitgeteilt, dass der 16-Jährige offenbar Verbindungen zu Islamisten hatte. Die Auswertung seines Handys belege "Kontakte zu einer im Ausland lebenden Person mit IS-Bezügen, die den jungen Syrer für islamistische Aktivitäten gewinnen wollte", teilten Kölner Staatsanwaltschaft und Polizei mit.

Verdächtiger mehrmals von Polizei überprüft

Der Jugendliche war nach Angaben der Polizei gemeinsam mit seinen Eltern vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und Anfang Januar 2015 nach Deutschland gekommen. Die Familie sei in Dülmen im Münsterland erfasst und dann in eine Flüchtlingsunterkunft in Köln gebracht worden.

Der Polizei war der 16-Jährige kein Unbekannter: Zum ersten Mal wurde er im Juni dieses Jahres von der Polizei überprüft, weil er sich auffällig verändert haben sollte. Es seien damals aber nur wenige Bilder mit Bezug zum IS auf seinem Handy entdeckt worden, sagte Mathies. Am 2. September folgte die nächste Überprüfung.

"Turbo-Radikalisierung"

Am Dienstag dann nahmen die Beamten den Jugendlichen dann in einer Turnhalle, die als Notaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge genutzt wird, fest. Der entscheidende Hinweis auf ihn war aus Kreisen der Ditib-Moschee im Kölner Stadtteil Porz gekommen.

Offenbar hat sich der 16-Jährige binnen kurzer Zeit radikalisiert. Becker sprach in diesem Zusammenhang von einer "Turbo-Radikalisierung". Mathies sagte: "Hier hat sich ein Verhalten innerhalb von drei Monaten ganz deutlich verändert." Von ihm ging nach Einschätzung der Polizei "eine ernst zu nehmende Gefahr" aus. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl beantragt.

Die Festnahme sei nur der Anfang der Ermittlungen in diesem Fall, machten Polizei und Staatsanwaltschaft deutlich. Es gehe jetzt unter anderem darum, die Hintermänner zu identifizieren. Bisher habe man nur einen Chatpartner festgestellt. Eine Zuständigkeit des Generalbundesanwalts wird geprüft.

brk/dpa

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