Köln Neuer Moschee-Entwurf provoziert schon wieder Streit

Sie soll "abstrakter", "filigraner", nicht aber kleiner werden: Der türkisch-muslimische Verband Ditib hat einen neuen Entwurf für die geplante Moschee in Köln vorgelegt. Das Konzept stößt auf viel Zustimmung - und kann den langen Streit um den Bau doch nicht beenden.

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Berlin - Es ist die jüngste Etappe im Streit um den Bau einer neuen Moschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld: Nach monatelangen Diskussionen legte der Bauherr für die Moschee, die türkisch-islamische Organisation Ditib, gestern einen überarbeiteten Entwurf für das muslimische Gotteshaus vor.

An Größe und Höhe hat sich mit dem neuen Plan nichts geändert: Die Minarette sollen wie vorgesehen 55 Meter hoch sein, die Kuppel 34,5 Meter. Dafür soll der Bau moderner ausfallen. Der zentrale Gebetsraum soll mit Glas durchsetzt sein, um Offenheit zu demonstrieren, die Minarette sollen eine schlanke Schalenform bekommen - rund, statt (wie zunächst geplant) eckig. "Abstrakter und filigraner" nannte der Architekt Paul Böhm gestern seinen neuen Vorschlag.

Veränderungen, die bei der Sozialdemokratin Lale Akgün auf Begeisterung stoßen: "Ich finde den Moscheeentwurf richtig cool", sagt die Bundestagsabgeordnete zu SPIEGEL ONLINE. Viel moderner sei der neue Plan. Und es sei verständlich, dass der Architekt sich gegen eine Änderung der Proportionen gewandt habe.

Paul Böhm hatte gestern erklärt, dass er aus "architektonischer und stadtplanerischer Sicht" an der vorgesehenen Höhe von Minaretten und Kuppel festhalten wolle. "Soviel Vertrauen müssen wir in den Architekten schon haben", sagte Akgün. Dass der filigranere Entwurf den Streit um die geplante Moschee beende, glaubt die aus Köln stammende Politikerin indes nicht. Die Diskussion habe sich längst verselbständigt, sagte sie SPIEGEL ONLINE.

Giordano: "Nichts als Kosmetik"

In den vergangenen Monaten hatte es heftige Auseinandersetzungen um den Bau der geplanten Moschee an der Venloer Straße gegeben. Zwar hatten alle Parteien im Stadtrat - mit Ausnahme der rechtsextremen Initiative "Pro Köln" - dem Bauvorhaben grundsätzlich zugestimmt. In den letzten Wochen jedoch war ein Teil der Kölner CDU von ihrem klaren Ja abgerückt und hatte niedrigere Minarette gefordert.Auch der Schriftsteller Ralph Giordano hatte sich gegen den Bau der Moschee gewandt. Sie sei eine "Gigantomanie". Die Ditib hatte zur Lösung des Streits einen Moscheebeirat ins Leben gerufen. Ihm gehören Kommunalpolitiker sowie Repräsentanten der Kirchen, der Gewerkschaften und der Anwohner an.

Die Diskussion über die Ästhetik, das "Wie" einer Moschee, findet Navid Kermani, Schriftsteller aus Köln, grundsätzlich gut. "Auf der Basis, dass der Bau von Moscheen in Deutschland als legitim und wünschenswert angesehen wird." Den aktuellen Ditib-Entwurf will Kermani nicht kommentieren, weil er ihn nur kurz angesehen habe. Generell sei er aber für eine moderne Bauweise, die die Veränderungen innerhalb der Gesellschaft widerspiegle, sagte er SPIEGEL ONLINE.

"Zum Gebet erhobene Hände"

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) hat den gestrigen Entwurf begrüßt. Mit dem neuen Entwurf erfülle sich die von ihm gewünschte Anpassung der Minarette an die umliegende Bebauung. Die Gestaltung der Minarette lasse sich als "zum Gebet erhobene Hände" interpretieren, sagte er laut "Kölner Stadtanzeiger".

Anders denkt sein Parteikollege Walter Reinarz, Kreisvorsitzender der Kölner CDU. Wenn die Ditib bei den 55 Metern hohen Minaretten bleibt, werde ich im Stadtrat gegen den Bau stimmen. Es gehe auch um eine Frage der Symbolik - auch die Ditib müsse Entgegenkommen zeigen. "Wir werden weiter mit der Ditib reden". Von der Ditib indes hieß es, man werde nichts mehr an der vorgesehenen Höhe der Minarette ändern. "Wir sind bei der Höhe geblieben - auch deshalb, weil Moscheebeirat und Architekt es so empfohlen haben", sagte eine Sprecherin der Ditib zu SPIEGEL ONLINE. Man wolle aber weiterhin mit der skeptischen CDU im Dialog bleiben. Der neue Entwurf soll dem Ausschuss für Stadtentwicklung vorgelegt werden, bevor im Dezember der Kölner Stadtrat endgültig über den Bau der Moschee entscheiden muss.

Es sei für ihn nicht wichtig, ob die Minarette 35 oder 55 Meter hoch seien, sondern "was für ein Islam" in der geplanten Moschee gelebt werde, sagt der nordrhein-westfälische Minister für Integration Armin Laschet (CDU). "Öffnet er sich und ist der Integration verpflichtet?" Bei der Ditib habe er da wenig Bedenken - "der Islam, den Ditib lebt, ist am besten mit dem Grundgesetz vereinbar", so der Minister zu SPIEGEL ONLINE.

Unterdessen bleibt der jüdische Schriftsteller Ralph Giordano bei seiner kategorischen Ablehnung des Bauvorhabens. Die Änderungen seien "nichts als Kosmetik", ein "Architekturchinesisch", sagte er. Giordano lehnte kürzlich eine Einladung zu einem Gespräch mit der Ditib mit der Begründung ab, seine Position sei generell nicht mit der des Verbands vereinbar.

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