Köln Tausende demonstrieren gegen Aufmarsch von Rechtsradikalen

"Nazis raus aus Köln": Mit einer Gegenkundgebung haben Tausende Kölner ihrem Ärger über einen Anti-Islam-Kongress in der Rheinmetropole Luft gemacht. Oberbürgermeister Schramma nannte die Veranstaltung einer rechtspopulistischen Gruppierung dreist und anmaßend.

Köln - Tausende Demonstranten haben am Samstag in Köln gegen den zweiten "Anti-Islamisierungskongress" der "Pro Köln" und "Pro NRW" protestiert. Schüler, Politiker, Muslime, Gewerkschafter, besorgte Bürger jeden Alters - alle zeigten den Rechtsradikalen gemeinsam die rote Karte. "Quietschbunt statt kackbraun", hieß die Devise einer Jugendgruppe, die mit Transparenten und Trillerpfeifen protestierte.

Lautstark und wütend protestierten Tausende Kölner gegen die Veranstaltung der Rechtsradikalen

Lautstark und wütend protestierten Tausende Kölner gegen die Veranstaltung der Rechtsradikalen

Foto: DDP

Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) sagte bei der zentralen Gegenkundgebung auf dem Kölner Heumarkt, die Rechtsradikalen aus ganz Europa hätten wohl vergessen, was man ihnen bereits beim ersten Kongress zugerufen habe: "Da ist die Tür. Wir wollen euch nicht. Wir stellen uns quer."

"Glücklich die Stadt, die solche Bürger hat", sagte der als Redner geladene Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer. Die Proteste sendeten eine klare Botschaft: "Wir Demokraten lassen nicht zu, dass gegen Minderheiten gehetzt wird."

"Es war schon im letzten Jahr eine Anmaßung und Dreistigkeit, ausgerechnet hier in Köln, in der Stadt der Toleranz und der Vielfalt, mit rassistischen Parolen auflaufen zu wollen", sagte Oberbürgermeister Schramma. Die Hauptkundgebung des ersten "Anti-Islamisierungskongresses" war im vergangenen September an den Protesten Tausender Gegendemonstranten gescheitert. "Pro Köln" wird wegen seiner rechten Tendenzen vom nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz beobachtet.

Schramma dankte denen, die in diesen Tagen deutlich machten: "Köln ist nicht rechts, Köln ist nicht braun, Köln ist friedfertig, weltoffen und tolerant. Und Köln ist engagiert, wenn es darum geht, diese Werte und Prinzipien zu verteidigen."

An der Hauptkundgebung von "Pro Köln" und "Pro NRW" auf dem Barmer Platz im Stadtteil Deutz nahmen laut Polizei rund 300 Menschen teil, darunter schätzungsweise hundert Gegendemonstranten. Mit Trillerpfeifen und lautstarken Rufen wie "Nazis raus aus Köln" und "Haut ab" übertönten sie die Reden von rechtsradikalen Politikern aus verschiedenen europäischen Ländern.

Die Gruppierungen hatten als Veranstaltungsort eigentlich den Roncalliplatz am Kölner Dom vorgesehen - dies allerdings war vom Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen untersagt worden. Am späten Freitagabend bestätigte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe seinerseits das Verbot.

Die Polizei hielt rund 5600 Beamte bereit, um Ausschreitungen zu verhindern und zeigte sich erleichtert über den "sehr friedlichen" Verlauf beider Veranstaltungen. Bis auf "kleinere Rangeleien" verliefen die Proteste bis zum Mittag ohne Gewalt. Laut Bundespolizei musste der Bahnhof Ehrenfeld kurzzeitig gesperrt werden, nachdem mutmaßlich linke Gegendemonstranten die Notbremse eines Regionalexpresszugs gezogen und das Fahrerhaus mit Farbbeuteln beworfen hatten. 15 Personen wurden demnach festgenommen.

ala/dpa/AP
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