Razzia gegen islamistische Gefährder Kölner Polizei findet Hinweise auf möglichen Anschlag

Bei Razzien in Köln und Düren hat die Polizei Wohnungen durchsucht und sechs Männer in Gewahrsam genommen. Einer von ihnen hatte sich offenbar in einem abgehörten Gespräch zu einem Anschlag bereit erklärt.

Polizeiwagen in der Josef-Schregel-Straße in Düren
DPA

Polizeiwagen in der Josef-Schregel-Straße in Düren


Die Kölner Polizei hat nach eigener Einschätzung einen möglichen Terroranschlag verhindert. "Wir hatten aktuell verdeckte Erkenntnisse, dass ein Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte", sagte der Leitende Kriminaldirektor Klaus-Stephan Becker. Bei Razzien hatten Beamte am Morgen mehrere Wohnungen in Köln und Düren sowie eine Baustelle durchsucht und insgesamt sechs Männer in Gewahrsam genommen.

Einer der in Gewahrsam genommenen Männer, ein deutsch-libanesischer Konvertit aus Berlin, ist den Angaben zufolge seit Langem als Gefährder bekannt und eng mit der Dschihadisten-Szene in der Hauptstadt verbunden. Der 30-Jährige sei erst kürzlich nach Düren gezogen, sagte Becker. In einem abgehörten Gespräch habe er deutlich gemacht, zu einem Anschlag bereit zu sein.

"Mitglied einer sehr konspirativ agierenden, multinationalen Gruppe"

Konkrete Hinweise dazu, wann und wo dies geschehen sollte, lägen aber nicht vor. Der Mann sei nach Bewertung der Sicherheitsbehörden "Mitglied einer sehr konspirativ agierenden, multinationalen Gruppe". Er habe unter anderem 2016 die Rolle eines Vertretungs-Imams in der Berliner Fussilet-Moschee übernommen. Dort verkehrte auch der Attentäter des Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlags, Anis Amri.

Der 30-Jährige, der sich nun in Gewahrsam befindet, sei in Düren in die Wohnung eines Deutschen gezogen, der vom Verfassungsschutz ebenfalls als Gefährder eingestuft sei und als "radikalisierter junger Konvertit" gelte. Der 21-Jährige habe eine sehr hohe Gewaltbereitschaft und im vergangenen Jahr den Treueeid auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) geschworen.

Kein Sprengstoff auf durchsuchter Baustelle

Bei den anderen in Gewahrsam genommenen Männern handele es sich um zwei weitere deutsche Konvertiten im Alter von 20 und 21 Jahren, erklärten die Behörden. Zudem wurden zwei Verdächtige auf der durchsuchten Baustelle gefasst. Dort kam es zur Razzia, weil der 30-Jährige Inhaber einer Trockenbaufirma ist, die dort arbeitete.

Nach der Durchsuchung der Baustelle gab die Polizei Entwarnung: Sie habe keinen Sprengstoff gefunden und die Sperrungen rund um die Baustelle aufgehoben, teilte sie am Donnerstagabend mit. Bei einer ersten Durchsuchung war in dem Gebäude, das zurzeit kernsaniert wird, noch ein Sprengstoffspürhund angesprungen.

asa/dpa/AFP

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