Attentat auf Kölner Politikerin Reker "Sie ist eine Kämpfernatur"

Henriette Reker ist langsam auf dem Weg der Besserung. Wann sie ihr neues Amt als Kölner Oberbürgermeisterin antreten kann, ist allerdings völlig offen. Wie geht es in der Zwischenzeit weiter? Der Überblick.

Kommentare an einem Wahlplakat von Reker: Genesung braucht Zeit
DPA

Kommentare an einem Wahlplakat von Reker: Genesung braucht Zeit


"Jetzt erst recht", steht auf den Plakaten und "Stoppt den Hass": Nach dem Anschlag auf die Kölner Politikerin Henriette Reker vom Samstag zeigen sich Politiker und Bürger betroffen.

Nur einen Tag nach dem Attentat wurde die Schwerverletzte zur Oberbürgermeisterin der Domstadt gewählt: Mit 52,7 Prozent bekam die Parteilose gleich beim ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Damit setzten die Kölner ein Zeichen - wenngleich die Wahlbeteiligung bei nur rund 40 Prozent lag.

Wie soll es in der Stadt nun weitergehen? Wer wird Reker im Amt vertreten, bis sie wieder gesund ist? Was ist über den mutmaßlichen Täter bekannt? Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

  • Wie geht es Henriette Reker?

Die 58-Jährige hat bei der Messerattacke viel Blut verloren und wird im Uniklinikum intensivmedizinisch versorgt. Sie wurde zunächst ins künstliche Koma versetzt, am Sonntagabend leiteten die Ärzte eine langsame Aufwachphase ein. Ihr Genesungsprozess brauche eine gewisse Zeit, so die behandelnden Mediziner.

  • Wer vertritt sie in der Zwischenzeit?

Noch ist völlig unklar, wann Reker ihr Amt antreten kann. Fünf Politiker werden sie bis dahin vertreten. Stadtdirektor Guido Kahlen übernimmt als allgemeiner Vertreter des Kölner Oberbürgermeisters die Verwaltungsführung und sei zuständig für "alles, was eine juristische Unterschrift braucht", sagte eine Stadtsprecherin. Die vier Bürgermeister - Elfi Scho-Antwerpes (SPD), Hans-Werner Bartsch (CDU), Andreas Wolter (Grüne) und Ralf Heinen (SPD) - wechseln sich ab bei Repräsentationsaufgaben und dem Ratsvorsitz.

  • Wird Reker ihr Amt überhaupt antreten wollen?

Davon gehen alle aus ihrem Umfeld aus. Kurz nach dem Attentat - noch auf dem Weg ins Krankenhaus - soll sie gesagt haben, dass sie ihre Stimme bei der Wahl abgeben wolle. "Wer Frau Reker kennt, weiß: Sie ist eine Kämpfernatur, und sie hat einen starken Willen", sagt Stadt-Sprecherin Inge Schürmann.

  • Was geschieht mit dem mutmaßlichen Attentäter?

Frank S. sitzt wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Von einem Gutachter wurde er als schuldfähig eingestuft - in einem Prozess könnte er also verurteilt werden. Der Polizei zufolge nannte er fremdenfeindliche Motive für seine Tat. Henriette Reker war als Sozialdezernentin für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig.

Nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes war der 44-jährige mutmaßliche Täter eine Randperson im rechtsextremen Lager. In den 1990er Jahren habe es Hinweise gegeben, dass sich der Mann der rechtsextremen Szene, insbesondere der inzwischen verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei (FAP) anschließen wollte.

  • Gibt es vergleichbare Fälle?

Es gibt Parallelen zu dem Attentat auf Oskar Lafontaine vor 25 Jahren. Der damalige SPD-Kanzlerkandidat wurde am 25. April 1990 ebenfalls in Köln bei einer Wahlkampfveranstaltung mit einem Messer angegriffen. Eine Frau verletzte ihn am Hals - an dieser Stelle wurde auch Reker getroffen. Im Fall von Lafontaine handelte es sich bei der Täterin um eine geistig verwirrte Krankenschwester, die ihm ein Poesiealbum übergab, bevor sie zustach. Frank S. überreichte Reker eine Blume, bevor er sie mit dem Messer attackierte.

  • Wie reagierten Politiker auf den Anschlag?

Nicht nur der Staat, sondern die gesamte Gesellschaft sei gefordert, ein klares Zeichen gegen jede Form der Gewalt zu setzen, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) als Reaktion auf den Anschlag auf Reker. Mehrere Politiker warfen zudem der islamkritischen Pegida vor, den Boden für ausländerfeindliche Angriffe zu bereiten. "Pegida senkt die Hemmschwellen dafür, dass aus Worten Taten werden", sagte Justizminister Heiko Maas (SPD). Vertreter aller Bundestagsparteien riefen zum gemeinsamen Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit auf.

Im Video: Augenzeugen beschreiben Messerattacke

REUTERS

vks/dpa

insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
koroview 19.10.2015
1. Wissen wir überhaupt ob sie will?
Meine letzte Info war dass sie noch in künstlichen Koma liegt. So lange sie den Wahl nicht annimmt, alles ist reine Spekulation. Keiner weiss wie sie nach dieser Erlebnis weiter arbeiten oder leben möchte.
Der einfache Bürger 19.10.2015
2. Genesungswünsche
Ich wünsche Frau Reker zunächst Genesung, Kraft und Stärke. Ebenfalls Wünsche ich ihr, dass sie weder psychische noch physische Spätfolgen ertragen muß. Peter Schiltz
Europa! 19.10.2015
3. Stoppt den Hass!
Am besten fängt jeder bei sich selbst damit an.
INGXXL 19.10.2015
4. Gute Besserung
Der Ausgang der Wahl ist eindeutig und zu begrüßen. Die niedrige Wahlbeteiligung finde ich allerdings beschämend
hapeschmidt2 19.10.2015
5. Ihr....
Ihr und allen Opfern von sinnloser Gewalt wünsche ich gute Besserung.
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