Kohl Auch vor 1993 Bargeld angenommen

Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl hat eingeräumt, auch zwischen 1989 und 1992 Barspenden für die CDU erhalten zu haben. Er erinnere sich daran, 1990 Bargeld bekommen zu haben, sagte er in einem Interview.


Berlin - "Soweit es mich betrifft, erinnere ich mich daran, dass im Super-Wahljahr 1990 uns auch Barspenden zur Unterstützung des Wahlkampfes der CDU gegeben wurden," sagte Kohl dem "Focus". Die jüngste Sammelaktion des Ex-Kanzlers hat nach seinen eigenen Angaben mittlerweile mehr als sieben Millionen Mark eingebracht. Das sind 700.000 Mark mehr als zuletzt angegeben. Kohl will mit der Aktion den materiellen Schaden wieder gutmachen, der dadurch entstanden ist, dass er in den Jahren 1993 bis 1998 Spenden in Höhe von 2,1 Millionen Mark angenommen und nicht deklariert hat.

Nahm noch mehr Bargeld an: Helmut Kohl
AP

Nahm noch mehr Bargeld an: Helmut Kohl

Die von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) gegen die CDU verhängte Strafzahlung von 41,3 Millionen Mark nannte Kohl in dem Interview "total überzogen". Die CDU habe völlig recht, dass sie sich gegen diese Maßnahme mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setze. Er sehe da gute Chancen, meinte Kohl.

Dem scheidenden CDU-Chef Wolfgang Schäuble hat Kohl Versöhnung angeboten und das Zerwürfnis wegen der Spendenaffäre bedauert. "An mir soll es nicht liegen, das, was hier an Differenzen vorhanden ist, auch wieder abzubauen", sagte Kohl in dem Interview weiter. "Ich bedaure, dass unser Verhältnis eine solche Entwicklung genommen hat, und mir wäre es sehr viel lieber, es wäre nicht so gekommen." Auf die Frage, ob er ein versöhnendes Gespräch mit Schäuble suchen werde, antwortete Kohl: "Ich schließe das natürlich nicht aus."

Die geplante Wahl von CDU-Generalsekretärin Angela Merkel zur neuen Vorsitzenden bezeichnete Kohl als "tiefe Zäsur". An die Parteispitze trete jetzt "eine ganz andere Generation mit ganz anderen Lebenserfahrungen und mit manch anderen Vorstellungen von der Zukunft".

Der ehemalige Parteichef räumte ein, dass die jetzigen personellen Veränderungen in der CDU in ihrer ganzen Tragweite ohne die Finanzaffäre erst in einigen Jahren möglich gewesen wären.



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