Kohl "Für manche war ich abartig"

Bei der offiziellen Feier zum zehnten Jahrestag der Einheit in Dresden soll er nicht reden. Darüber sei er "überhaupt nicht traurig", sagte Helmut Kohl. Doch er kritisierte ehemalige politische Weggefährten und Gegner.


Mainz - "Viele hatten die Idee der Einheit verraten", sagte Kohl im ZDF mit Rückblick auf die Wende 1989/1990. Weite Teile der westdeutschen Führungsschicht hätten sich vom Ziel der deutschen Einheit distanziert. "Ich war ja für manche abartig, galt ja viele Jahre lang als ein historischer Depp, dass ich einer Illusion nachhänge mit der deutschen Einheit."

Ein stolzer Helmut Kohl bei der Verleihung der "Millennium-Medaille" in Budapest
DPA

Ein stolzer Helmut Kohl bei der Verleihung der "Millennium-Medaille" in Budapest

Der Ex-Kanzler erinnerte sich an die Kritik des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der gesagt habe, es gelte den "einheitsfanatischen katholischen Bundeskanzler zurückzuhalten von dieser Politik".

Kohl äußerte sich im ZDF für das Dokumentationsdrama "Deutschlandspiel". Es wird am 2. und 3. Oktober zum zehnten Jahrestag der deutschen Einheit gesendet.

Der Zeitschrift "Super Illu" sagte Kohl, er wolle den zehnten Jahrestag der deutschen Einheit zu Hause verbringen. Er sei nicht traurig, am 3. Oktober in Dresden nicht auf der Rednerliste zu stehen.

Weiter sagte er: "Wenn Sie sich die Liste der deutschen Redner anschauen und überlegen, was die Herren vor zehn Jahren gemacht haben, verstehen Sie warum." Auf der Rednerliste in Dresden stehen Bundespräsident Johannes Rau, der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) und der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière. Er war unmittelbar nach der deutschen Einheit auch Stellvertreter des CDU-Vorsitzenden Kohl. Hauptredner ist der französische Präsident Jacques Chirac.



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