Kohl über Geißler Er wird "Hass mit ins Grab nehmen"

Helmut Kohl sorgt vor dem Kleinen Parteitag der CDU erneut für Wirbel. Der Altkanzler rechnet weiter mit seinen Gegnern in der Union ab.


Altkanzler Helmut Kohl
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Altkanzler Helmut Kohl

Berlin - Der Bruch mit seinem Nachfolger im Parteiamt, Wolfgang Schäuble, zähle zu den schlimmsten Erfahrungen seines Lebens. In der von der Tageszeitung "Die Welt" fortgesetzten Veröffentlichung seiner Tagebücher schrieb Kohl, ihm tue die Erkenntnis weh, dass eine langjährige tragfähige und belastbare Beziehungen zerbrochen sei.

Zum Bruch zwischen Kohl und Schäuble war es wegen der CDU-Spendenaffäre im Januar dieses Jahres gekommen. Grund war die Weigerung Kohls, die Namen von Spendern zu nennen, die ihm in den neunziger Jahren 2,1 Millionen Mark zukommen ließen, die nicht in den Rechenschaftsberichten der Partei auftauchten.

Bei dem Gespräch am 18. Januar habe Schäuble von ihm die Namen der Spender verlangt, was er abgelehnt habe, schrieb Kohl. Schäuble habe erwidert, dass ihm nichts anderes übrig bleibe, als zurückzutreten. "Darauf sage ich: 'Das wirst du nicht tun.' Wolfgang Schäuble verlässt äußerst aufgewühlt mein Zimmer und ruft mir noch zu: 'Dieses Büro werde ich in meinem Leben nie wieder betreten.'" Schäuble hatte im Frühjahr im Streit über die Umstände der Annahme einer Spende des Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber auf eine erneute Kandidatur zum Partei- und Fraktionsvorsitzenden verzichtet.

Scharfe Kritik äußerte Kohl auch an dem sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf, der in den siebziger Jahren CDU-Generalsekretär war, und dessen Nachfolger Heiner Geißler. Biedenkopf genieße es, wegen der Spendenaffäre "endlich von oben auf mich herabblicken zu können", schrieb Kohl. Geißler werde "seinen Hass mir gegenüber wohl mit ins Grab nehmen".

Die CDU-Führung hatte gelassen auf die Veröffentlichung der Kohl-Tagesbücher reagiert, mit der am Vortag die "Welt am Sonntag" begonnen hatte. Es sei Kohls gutes Recht, seine Sicht der Dinge darzustellen, sagte die CDU-Chefin Angela Merkel vor dem Kleinen Parteitag, der in Stuttgart stattfindet.

Im Mittelpunkt stehen die Bildungspolitik und die Wahl des bisherigen Landtagsvizepräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Laurenz Meyer, zum neuen Generalsekretär. Die 150 Delegierten wollen mit der Verabschiedung eines Leitantrags zur Bildungspolitik die erste Etappe auf dem Weg zur Bundestagswahl 2002 nehmen.



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