Ungarns Regierungschef Kohl und Orbán wollen sich am 19. April treffen

Brisantes Treffen: Altkanzler Kohl will Ungarns rechtspopulistischen Regierungschef Orbán laut "Bild" in zwei Wochen in Ludwigshafen empfangen. Orbán gilt als einer der schärfsten Gegner von Kanzlerin Merkel in der Flüchtlingsfrage.

Altkanzler Helmut Kohl
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Altkanzler Helmut Kohl


Das Treffen zwischen Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán soll am 19. April stattfinden. Dies berichtet die "Bild"-Zeitung. Demnach wird Orbán Kohl in seinem Privathaus in Ludwigshafen besuchen. Das Büro des 86-Jährigen hatte ein geplantes Treffen mit dem rechtspopulistischen Regierungschef am Montag bestätigt, aber keine näheren Angaben gemacht.

Orbán gilt in der Flüchtlingskrise als einer der schärfsten Gegner von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Der ungarische Premier hatte erst vor wenigen Wochen anlässlich des ungarischen Nationalfeiertages gegen die EU und Deutschland ausgeteilt. Flüchtlinge bezeichnete er als Verbrecher.

In Kohls Partei gibt man sich anlässlich des geplanten Treffens dennoch gelassen: CDU-Generalsekretär Peter Tauber verwies darauf, dass Kohl "überzeugter Europäer" sei. "Ich habe wenig Zweifel daran, dass er in dieser Haltung in jedem Gespräch, das er führt, die entsprechende Deutlichkeit zeigt", sagte Tauber. Kohl selbst wiederum hatte Orbán laut "Bild" als "Europäer mit Herzblut" bezeichnet.

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte sich am Montag gelassen zu der Meldung über das geplante Treffen geäußert. "Der Altbundeskanzler ist selbstverständlich völlig frei in der Auswahl seiner Besucher", sagte Seibert in Berlin. "Wir freuen uns, wenn sein Gesundheitszustand es ihm erlaubt, regen Anteil zu nehmen am politischen Leben."

Kohl hatte bereits zuvor, wie er ebenfalls in dem "Bild"-Interview sagte, den kroatischen Außenminister Miro Kovac in seinem Haus in Ludwigshafen empfangen, ebenfalls ein Verfechter einer rigideren Flüchtlingspolitik.

Vor wenigen Wochen hatte bereits CSU-Chef Horst Seehofer mit einem Besuch bei Orbán in Budapest für Debatten gesorgt. Seehofer und Orbán hatten sich bei ihrem Treffen für eine Sicherung der Außengrenzen ausgesprochen; Seehofersagte im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise sei es das Wichtigste, Recht und Ordnung wieder herzustellen. Gleichzeitig versicherten beide Politiker, sie betrieben mitnichten den Sturz der Kanzlerin.

anr/dpa



insgesamt 119 Beiträge
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toscana57 05.04.2016
1. Verwirrter alter Mann
Wenn Orban Europa symbolisiert, dann bin ich ab sofort eine glühende Gegnerin von Europa. Beim EU-Subventionen können sie sich ganz vorne anstellen, Flüchtlinge aber wie Tiere oder Gefangene behandeln und schnell ins nächste Land abschieben und sich dann vom Acker machen und noch nicht mal die versprochenen paar Flüchtlinge aufzunehmen, dafür erst mal ein Referendum im eigenen Land abhalten, na prima, so sieht die sog. Wertegemeinschaft Europas aus. Na dann Gute Nacht ! Lasst uns bloß endlich Europa begraben. Das kann ja kein Mensch mehr ertragen, dieses Jammerspiel. Zum Glück kann es nicht als besondere Ehre für Orban betrachtet werden, wenn ein alter greiser Mann ihn mit seinem Besuch beehrt.
Pelao 05.04.2016
2. Um es noch einmal zu sagen,
mit diesem Treffen verläßt Helmut Kohl (ich kann den Dr. weglassen, ich bin selbst einer) den Kreis der Großen Europäer, in den ihn die Bild-Zeitung mit aller Macht stilisieren wollte. Das was dieser Herr jetzt abliefert ist nur noch altersverwirrt. ¿Wann setzt dem endlich ein Vormund den Riegel davor?
derdudea 05.04.2016
3. Bezeichnend!
Dieses Treffen ist ein wunderbares Symbol dafür, wo die CDU eigentlich immer gestanden hat und wo sie heute stehen sollte, um im demokratischen Prozess ihre Rolle zu erfüllen...konservative Politik machen, einen gesunden nationalen Egoismus in europäischer Gemeinschaft pflegen und Stimmen am rechten Rand binden. Statt dessen macht Frau Merkel auf Claudia Roth light und gut die Hälfte aller Wähler wählt entweder AfD oder ringt verzweifelt mit sich, wen man denn noch wählen kann...
rieberger 05.04.2016
4. Prinzip Hoffnung
Bei aller berechtigten Kritik an Kohl'scher Politik - ich halte ihn für einen überzeugten Europäer. Möglicherweise kann er positiven Einfluß auf den Autokraten Orbán nehmen!
hakenohr 05.04.2016
5. Herr kohl ...
... Ist einfach nur peinlich. Orban ein 'Europäer mit herzblut' zu nennen ist so ähnlich wie Frau Le Pain oder das Petry eine 'überzeugte Demokratin'.
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